Ein einzigartiger, noch unbekannter Denker und Schriftsteller: SILO

15.09.2016 - Berlin - Almut Scheben

Ein einzigartiger, noch unbekannter Denker und Schriftsteller: SILO

Heute jährt sich der Todestag des argentinischen Denkers und Schriftstellers Mario Rodriguerz Cobos, der unter dem Pseudonym Silo schrieb. Er spricht in seinem vielschichtigen Werk die unterschiedlichsten Themen an: vor allem auf den Gebieten der Spiritualität und Psychologie in Büchern und in Reden, die er in grossen und kleinen Kreisen gab. Sein grosser Verdienst ist es, Tabus zu brechen und Wahrheiten auszusprechen und damit ist er seiner Zeit weit voraus.

Ende der 60er Jahre endete eine Ära, eine junge Generation lehnte sich gegen die alte Generation auf und begann einen neuen Lebensstil. Diesen alten Stil fasse ich mit den Worten zusammen: „Solange du deine Füsse unter meinen Tisch stellst…“ wurde uns von den Eltern gesagt. Diese Zeit des Umbruchs drückte sich aus in der Hippie und Flower Power Bewegung, den Guerillabewegungen und dann gab es die „Bewegung“, die weder rechts noch links und dennoch von der einen wie von der anderen Seite angefeindet wurde. Sie fiel einfach aus dem Rahmen.

Anfang der 70er Jahre war ich in Paris gelandet und schon seit einiger Zeit auf der Suche, welche Richtung ich meinem Leben geben könnte. Das akademische Leben war nicht mein Ding, Geldverdienen nicht, Konsum auch nicht. Ich wollte raus aus der Enge, aus dem Gewohnten, aus einem Leben, das ich bis zur Rente vorausschauen konnte, raus aus einer Schuld, die ich nicht verstand und mit der ich anscheinend verbandelt war. Ich wollte die Größe, die Güte des Menschen  kennen lernen, die es doch irgendwo geben musste.

Die Umstände halfen mir und so wurde ich in Paris in eine „reunion“ eingeladen und das änderte mein Leben ganz radikal. Nicht nur, dass die Leute, die ich traf, nicht nach meinem akademischen Grad, Einkommen, sozialer Herkunft etc. fragten, sondern wir Freunde waren, die sich in einem Thema einig waren: Wir wollten eine andere Welt als die, in der wir lebten, eine Welt ohne Gewalt, wo der Mensch und seine Entwicklung im Mittelpunkt stand. 1980 entstand daraus das Motto: „Die Erde menschlich machen,“ das sich in einem öffentlichen Auftritt in der Mutualite, Paris sowie in vielen anderen europäischen und nicht europäischen Ländern, ausdrückte.

Wir trafen uns einmal pro Woche, machten persönliche Arbeiten, um in unserem Leben kohärenter zu werden, mit uns ins Reine zu kommen, und waren gleichzeitig  sozial engagiert. Wir wollten eine Veränderung in uns sowie in der Gesellschaft, beides geht Hand in Hand. Und was verband all diese 20-30jährigen aus den verschiedensten Ecken der Welt, die sich trafen? Es war ein kleines Büchlein mit dem Titel „der Innere Blick“ und eine Lehre, Silos Lehre. Dieses kleine aus ca. 40 Seiten bestehende Büchlein traf mich mitten ins Herz und bewegte mich zutiefst, wie ich es noch niemals erfahren hatte.

Silo habe ich über die Jahre hinweg kennen gelernt. Ich bin ihm mehrere Male begegnet. Dieser Mann, der sich auf den großen Veranstaltungen umarmen ließ, der immer viel Humor und eine Engelsgeduld zeigte. Ein einfacher, ich will sagen zugänglicher Mensch, der natürlichen Respekt einflösste und zugleich mysteriös erschien. Wie konnte er so einzigartige und doch so einleuchtende Gedanken vermitteln?

Er öffnete uns neue Welten, neue Bilder, und ich sagte mir, ja, natürlich so ist es. Einfach großartig, erstaunlich und so eindeutig! Wir gründeten Vereine „Die Gemeinschaft für die Entwicklung des Menschen“, „Zentrum der Kulturen“, eine Partei „Die Humanistische Partei“ und „Silos Botschaft“. Das letzte das wir unter seiner Anregung in Gang setzten, waren die Studien- und Reflexion Parks.

Offiziell hat alles 1969 begonnen, als Silo eine öffentliche Rede in Mendoza halten wollte. Die zu dieser Zeit in Argentinien herrschende Diktatur verbot diese Veranstaltung und man sagte  ihm, er könne ja zu den Steinen sprechen. Was er dann auch tat. Ca. sieben Stunden von Mendoza entfernt gibt es einen Ort mitten in den Anden in ca. 2500 m Höhe: Punta de Vacas, weit weg von der Zivilisation. Und hier hielt Silo am 4. Mai 1969 seine erste öffentliche Rede um 12 Uhr: „Die Heilung des Leidens“. Leute aus Argentinien und Chile hatten sich hier eingefunden, um diese Rede zu hören. Nach ein paar Stunden war alles vorbei.

Seitdem trafen sich kleine Gruppen in Chile und Argentinien, um Silos Gedanken zu studieren und damit zu arbeiten. Dieser Prozess weitete sich nach Europa, Asien und in die USA aus. Bedingt durch die Militärdiktaturen in Chile und Argentinien verließen viele Siloisten diese Länder, da auch sie verfolgt wurden.

Silo sagte: es gibt zwei Arten, Wissen zu vermitteln. Entweder man stellt Regeln auf oder man gibt Werkzeuge, die jeder nach seiner Notwendigkeit benutzen kann. Und er entschied sich für die zweite Variante. Die zentralen Themen waren und sind es noch: Das Überwinden des mentalen Leidens, der Tod und die Transzendenz. Also keine herkömmlichen Themen, die uns aber in unserem Leben immer wieder begleiten.

Seit den 70er Jahren hat sich die soziale Situation sehr verändert, die Probleme und Konflikte haben sich weiterhin verstärkt und sind mit der Zeit für viele in dieser globalen Gesellschaft offensichtlicher geworden. Wir sind augenblicklich in einer Sackgasse. Für sehr viele Leute ist klar, dass das System, in dem wir leben nicht mehr tragbar ist, und dass ein Ende absehbar ist. Welche Lösungen bieten sich an?

Wir wollen nicht zurück in die Vergangenheit,  aber die Richtung in die Zukunft, die wir nehmen möchten, ist weder klar noch vorgegeben, sie ist in unserer Hand! Also steht ein Paradigmenwechsel bevor. Und das kann etwas sehr spannendes und interessantes werden. Und hier ist das Werk Silos, das uns neue Wege aufzeigt im persönlichen wie auch im sozialen Bereich. Es lohnt sich seine Schriften zu lesen, entweder mag man sie oder auch nicht. Jedoch ist es eine Möglichkeit, unsere mentalen Grenzen zu überschreiten und aus der Vorgeschichte in die Geschichte der Menschheit zu schreiten.

2013/14 drehte ein chilenisches Filmteam einen Film über Silo, „Silo, un camino espiritual“  – „Silo, ein spiritueller Weg“ der augenblicklich auf verschiedenen Filmfestivals in Europa und USA gezeigt wird. Eventuell wird er auf dem Dokumentarfilmfestival „Berfestival“ in Berlin zu sehen sein. Anfang Oktober fällt  die Entscheidung. Das wäre eine super Möglichkeit, mehr über Silo, das bestgehütete Geheimnis der Anden, zu erfahren.

Kategorien: Frieden und Abrüstung, Gewaltfreiheit, Humanismus und Spiritualität, International, Kultur und Medien, Meinungen, Menschenrechte, Vielfalt
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