Wir sind alle Flüchtlinge

07.10.2015 - Barcelona - Sasha Volkoff

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Griechisch verfügbar.

Wir sind alle Flüchtlinge

Im Grunde sind wir alle Flüchtlinge auf der Suche nach dem verlorenen mythischen Paradies. Wir sind auch ausdauernd und weder Mauern, Grenzen noch Betrügereien können uns aufhalten.

Das Jahr 2015 ist für Europa ein sehr kompliziertes Jahr. Die ersten sechs Monate wurden von einer griechischen Tragödie geprägt, gefolgt von dem Drama der Flüchtlinge aus Syrien und anderen Ländern.

Erneut gab es eine europäische Versammlung nach der anderen auf höchster Ebene wurden neue Stücke gespielt, angefangen von „Des Kaisers neue Kleider„ von Christian Andersen und das war noch der beste Fall, bis hin zu in den “Glorreichen Sieben“, hier besonders hervorzuheben die Rolle des Eli Wallach, ein  Idiot, der glaubt den Schein zu wahren, aber skrupellos bereit ist alles zu tun, um zu kriegen was er haben will.

Die Leute, die aus Syrien fliehen tun dies weil dort Krieg herrscht, der von Anfang an von der NATO unterstützt wurde. Das bedeutet Länder, die geholfen haben einen Krieg in Syrien zu führen, weigern sich nun die Kriegsbeschädigten aufzunehmen, oder ihnen zumindest zu helfen. Man hat nicht nur Bomben auf die Häuser dieser Menschen geworfen, danach hat man ihnen auch noch die Grenzen vor der Nase zu gemacht.

Nach den Definitionen des UNHCR und Wikipedia ist ein Flüchtling  eine Person, die „sich aus der begründeten Furcht vor Verfolgung außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will“. Demnach können die meisten, die zurzeit emigrieren als Flüchtlinge eingestuft werden, da sie nicht zum Vergnügen sondern gezwungenermaßen das Land verlassen.

Als logische Folge aus der Entwicklung der fortschreitenden Globalisierung und der Erweiterung der Kommunikationsmittel, wächst natürlich auch die Völkerwanderung. Aber die Regierungen haben auf dieses wachsende Phänomen mit Behinderungen an den Grenzen (außer innerhalb von Schengen) reagiert (mit Ausnahme des Schengener Abkommens zwischen einigen europäischen Ländern, welches aktuell sistiert ist). Also während es immer einfacher wird Geld auf diesem Planeten frei zu bewegen, um noch mehr Profit zu bringen, für die, die viel Geld haben, wird es für die Menschen immer schwieriger selbiges zu tun. Die mehrheitliche Reaktion der Regierungen des zivilisierten Europa war derart miserabel, dass die Worte fehlen es zu beschreiben.

Die alleinige Tatsache, dass wir darüber schreiben müssen, ist schon ein Beweis für das große Scheitern eines vermeintlich zivilisierten Europas, das sich als Vorbild dem Rest der Welt aufzwingen wollte, weil es doch gar so gebildet ist. Gibt es immer noch Menschen auf diesem kleinen Planeten, die nicht bemerkt haben, dass es hier um Menschen geht? Menschen, die als Kinder auf die Welt kamen, die Leid, aber auch Freude erlebt haben, die ein paar unangemessene Verhaltensweisen haben, aber auch große Träume, die, wenn es geht glücklich sein wollen, genau wie jeder von uns. Wie können wir nur glauben, dass unsere Freiheit dich der Freiheit der anderen entgegenstellt? Werden wir denn nie erwachsen…?

Also was bleibt uns? An das Menschliche im Menschen zu appellieren, an das was ihn in den dunkelsten Momenten von der totalen Katastrophe bewahrt hat, dieses Mitgefühl mit dem anderen, was man in verschiedensten Menschen der Geschichte Brüderlichkeit, Solidarität oder Kollegialität genannt hat. Wie wir es nennen ist egal, wenn die Menschen in der Lage sind sich in dem anderen zu erkennen, werden alle Grenzen gesprengt. Man ist nicht weiter „Konkurrent“, die Menschen öffnen ihre Häuser und geben das Beste was sie haben um denen zu helfen, die es brauchen. Heute sind es Flüchtlinge, Morgen kann es jemand anderes sein, man selbst vielleicht…..

Als vor ein paar Monaten ein paar Journalisten einem Attentat zum Opfer fielen, haben viele gesagt “Je suis Charlie”. Heute können wir sagen “Ich bin ein Flüchtling”, “wir sind alle Flüchtlinge”. Auch wenn wir augenscheinlich anders sind, sollten wir uns nicht von den Äußerlichkeiten täuschen lassen. Wir sind ein Herz was im Gleichklang schlägt.

Übersetzt aus dem Spanischen von Marita Simon

Kategorien: Europa, International, Meinungen, Menschenrechte, Politik
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