Mit einer Protestaktion haben indigene Umweltaktivist*innen die Grundsteinlegung für den Bau einer Methanolfabrik im mexikanischen Bundesstaat Sinaloa verhindert. Rund 100 Demonstrant*innen stürmten die Veranstaltung im Hafen von Topolobampo und demontierten den Grundstein des Fabrikprojekts. Die Veranstaltung auf dem geplanten Fabrikgelände musste abgebrochen werden. Die anwesenden Unternehmer*innen und Politiker*innen, darunter auch der US-Botschafter in Mexiko, verlegten ihr Zusammentreffen kurzfristig in ein Hotel in der nahegelegenen Stadt Los Mochis.
Die indigenen Mayo-Yoreme fürchten die Umweltrisiken des in der Bucht von Ohuira geplanten Chemiewerk namens Mexinol. Zudem kritisieren sie, dass keine indigene Konsultation über das Großprojekt stattgefunden habe, obwohl es in ihrem indigenen Territorium gebaut werden soll.
Während der heftigen Proteste versuchte der Gouverneur von Sinaloa, Rubén Rocha Moya, vergeblich, die Indigenen davon zu überzeugen, dass das Projekt wirtschaftliche Entwicklung verspreche. Schließlich verpflichtete sich Rocha, sich bei der Bundesregierung für eine Konsultation der indigenen Bevölkerung über das Vorhaben einzusetzen.
Keine vorhergehende Konsultation der Indigenen
„Diese Texaner verstehen es einfach nicht“, kommentierte das Umweltkollektiv „Aquí No“ nach der Aktion auf seinem Facebook-Account. Wenn die Unternehmer*innen die Legitimität für das Projekt „unten“, also bei den Anrainer*innen, nicht bekämen, würden sie sie „oben“ in der Politik suchen.
Mexinol wird von der texanischen Firma Transition Industries LLC mit einer Investition von über drei Milliarden US-Dollar geplant. Zur Produktion von Methanol sollen in der Fabrik täglich 160 Millionen Kubikfuß Erdgas verwendet werden, das in Texas mit der Technik des Fracking gewonnen wird. In der weltweit größten Anlage ihrer Art ist eine jährliche Produktion von über zwei Millionen Tonnen Methanol vorgesehen. Mitsubishi Gas Chemical mit Sitz in Japan hat zugesagt, die Hälfte der geplanten Produktion abzunehmen.
Finanziert wird Mexinol von der International Finance Corporation (IFC), einem privatwirtschaftlichen Kreditinstitut der Weltbank. Für den Bau des Werks zeichnet das italienische Unternehmen Bonatti verantwortlich. Die deutsche Siemens Energy erhielt den Auftrag für die technische Planung der zentralen Elektrolyseanlage zur Methanolherstellung.
Chemiepark in geschütztem Feuchtgebiet
Die Bucht von Ohuira mit ihren indigenen Fischerdörfern ist eigentlich durch die internationale Ramsar-Konvention als geschütztes Feuchtgebiet anerkannt. Dennoch will die regierende Morena-Partei gerade in dieser Bucht einen sogenannten „Entwicklungspol“ mit mehreren petrochemischen Werken durchsetzen, die insbesondere den asiatischen Markt bedienen sollen.
Ebenfalls im Hafen von Topolobampo baut das deutsche Unternehmen GPO-Proman, mit Hauptsitz im Steuerparadies Wollerau in der Schweiz, die größte Ammoniakfabrik Lateinamerikas. Trotz Beschwerden, rechtlicher Schritte und geäußerter Bedenken schreitet das Projekt weiter voran. Im März überbrachten Gemeindevertreter*innen in Deutschland eine Beschwerde gegen die KfW-Bank, die das Projekt finanziert.
Erste Erfolge von Umweltschützer*innen
Die Proteste zeigten jüngst auch Erfolge. Das US-amerikanische Unternehmen Sempra stellte im März 2026 das Projekt für ein Flüssiggas-Terminal in Topolobampo namens Vista Pacífico LNG ein. Der Projektabbruch wurde von Umweltschützer*innen begrüßt, die sich für den integralen Schutz des Golfs von Kalifornien einsetzen, eine der weltweit artenreichsten Meeresregionen.
Das US-amerikanische Projekt Saguaro, das 700 Kilometer nördlich Topolobampo in Puerto Libertad im Bundesstaat Sonora ebenfalls einen Erdgas-Terminal plant, erlitt einen ersten juristischen Rückschlag. Eine Richterin erließ Anfang April eine Verfügung zugunsten der Wale im Golf von Kalifornien, um zu verhindern, dass Gas-Tankschiffe das Meer befahren und so den Walbestand gefährden.
US-Botschafter warnt
Nach dem Protest in Topolobampo warnte der US-Botschafter in Mexiko, Ronald Johnson, die Investoren bräuchten „Gewissheit, Sicherheit und ein korruptionsfreies Umfeld“. Anlässlich der Ersatzveranstaltung in Los Mochis bezeichnete er das Projekt Mexinol als „eine der Prioritäten von Präsident Donald Trump: die Stärkung der Energiesicherheit Nordamerikas“.
Darüber, dass der Spitzendiplomat des nördlichen Nachbarn nach einer Kundgebung der indigenen Bevölkerung mit Konsequenzen drohte, wurde in der mexikanischen Presse breit berichtet. Der Journalist Julio Hernández López kommentierte in der Tageszeitung La Jornada, Washingtons Botschafter wolle offensichtlich „Rechtsstaatlichkeit und kollektive Rechte außer Kraft setzen“, um Industrieanlagen in Betrieb zu nehmen. Hernández López kritisierte die „erpresserische Rede“ angesichts von Ereignissen in der mexikanischen Öffentlichkeit, in die sich der Diplomat „keinesfalls“ einmischen sollte.










