Ein halbes Jahr nach der Einreichung der historischen Beschwerde samischer Rentierhirten aus Finnland vor dem UN-Menschenrechtsausschuss in Genf erneuert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ihre Forderung an die finnische Regierung, den Fall als Weckruf zu begreifen und die Rechte der Sámi zu respektieren. Seit Beginn des Jahres 2026 ist die Beschwerde Gegenstand eines laufenden Prüfverfahrens vor dem UN-Menschenrechtsausschuss.

Die 33 Kläger aus Muddusjärvi werfen dem finnischen Staat vor, durch jahrzehntelange Abholzung und unzureichende Klimapolitik ihre Lebensgrundlagen und kulturelle Existenz zu gefährden. Ihre Beschwerde wurde offiziell am 24. Juni 2025 beim UN-Menschenrechtsausschuss in Genf eingereicht. Dies sei ein bedeutender Schritt für die indigene Selbstbestimmung in Europa, da es sich um die erste Klage einer samischen Gemeinschaft handele, die Forstwirtschaft und Klimafolgen gemeinsam als Menschenrechtsverletzung geltend mache, erklärt Gerrit Hofert, Menschenrechtsreferent der GfbV.

Trotz der Bedeutung des Falls habe die finnische Regierung ihre Chance vertan, sich zu positionieren: Bis zum 15. Oktober 2025 hätte sie eine Stellungnahme einreichen können. Ab diesem Jahr wird der UN-Menschenrechtsausschuss den Fall in den Sitzungsperioden beraten. Bis zu einer endgültigen Entscheidung könnte es jedoch noch Jahre dauern.

„Das Überleben der indigenen Sámi ist durch den Klimawandel und das Vorgehen der finnischen Regierung bedroht. Was von den finnischen Behörden als Klimaschutz verkauft wird, ist in Wirklichkeit Raubbau: Wälder werden zerstört, Rentierpfade verschwinden“, erklärt Hofert. Die staatliche Forstbehörde Metsähallitus hat laut Betroffenen fast die Hälfte der winterlichen Weidewälder abgeholzt. In Kombination mit Klimafolgen wie Eiskrusten nach Regenfällen im Winter führt dies zu massiver Rentiersterblichkeit – und bedroht damit eine jahrhundertealte, nachhaltige Lebensweise. UN-Gremien kritisierten Finnland bereits mehrfach wegen fehlender Mitsprache und nicht anerkannter Landrechte der Sámi.

„Die Sámi leben seit Jahrhunderten im Einklang mit der Natur. Eine Klimapolitik auf Kosten indigener Lebensweisen, zerstört nicht nur die Umwelt, sondern auch kulturelle Vielfalt“, sagt Hofert. „Für einen gerechten ökologischen Wandel müssen indigene Gemeinschaften in Entscheidungen einbezogen werden. Finnland muss seiner menschenrechtlichen Verpflichtung nachkommen und die Rechte der Sámi endlich respektieren“, fordert Hofert. Konkret müsse Finnland das Recht der Sámi auf selbstbestimmte Entwicklung und Landnutzung gesetzlich verankern, die ILO-Konvention 169 ratifizieren, Bergbau und Forstwirtschaft stoppen, wo indigene Gebiete zerstört werden und eine echte Mitsprache der Sámi garantieren. Nur dann sei die sogenannte Green Transition mit internationalen Menschenrechtsstandards vereinbar.

Der Originalartikel kann hier besucht werden