Hunderte Indigene haben zwei Wochen lang den Getreidehafen des Unternehmens Cargill im brasilianischen Santarém blockiert. Sie fordern die Aufhebung eines im August 2025 beschlossenen Dekrets, das den Weg für die Umwandlung der Flüsse im Amazonasgebiet in industrielle Wasserstraßen frei macht.
Das Dekret sieht die Öffnung von Abschnitten der Flüsse Tapajós, Madeira und Tocantins vor und nimmt diese in das Nationale Privatisierungsprogramm (PND) Brasiliens auf. Dies ist Teil der Maßnahmen zur „Aufrechterhaltung der Schiffbarkeit” großer Frachtschiffe durch hochgradig umweltschädliche Baggerarbeiten.
Die Demonstrierenden kritisieren, dass diese Maßnahmen ohne eine freie, vorherige und informierte Konsultation durchgeführt werden, wie es das Übereinkommen 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) vorschreibt.
Die indigenen Munduruku haben sich den 14 bereits protestierenden indigenen Völkern angeschlossen. Die Ankunft Dutzender Munduruku-Vertreter*innen vom Oberlauf des Tapajós-Flusses bekräftigte diese zentrale Forderung und verstärkte die Blockade von 700 Indigenen vor einem geplanten Treffen.
Indigene befürchten Gefährdung der Flüsse
Nach Ansicht der indigenen Vertreter*innen werden eine Politik der „konzessionierten Wasserstraßen” und das Ausbaggern der Flüsse den Schwerlastverkehr mit Frachtschiffen verstärken, Druck auf die Fischerei ausüben und Orte von kultureller und spiritueller Bedeutung gefährden. Währenddessen werden weiterhin illegal Getreidehäfen entlang des Flusses gebaut.
Eine Studie von Terra de Direitos kartierte 41 Häfen, die sich in Itaituba, Santarém und Rurópolis in der Planungs-, Bau- oder Betriebsphase befinden, und wies auf wiederkehrende Missstände bei der Vergabe von Lizenzen und der Konsultation indigener Völker hin. Die Studie verweist auch darauf, dass der erste Frachthafen der Region 2003 von Cargill errichtet wurde. Infrastruktur für den Transport von Getreide und gefährlichen Gütern habe absolute Priorität, was die Risiken für den Fluss und die an seinen Ufern lebenden indigenen Bevölkerungsgruppen erhöht.
„Ein tödliches Projekt“
„Die geplanten Infrastrukturmaßnahmen sind nicht für uns und werden es nie sein. Es ist ein tödliches Projekt, das unseren Fluss und unsere heiligen Stätten zerstören soll (…). Wir verlangen Respekt und Konsultation“, sagte Alessandra Korap Munduruku, indigene Aktivistin und Goldman-Umweltpreisträgerin 2023.
Das brasilianische Ministerium für indigene Völker erkannte in einer offiziellen Erklärung an, dass die Bedenken berechtigt sind. Kein Projekt könne ohne die freie, vorherige und informierte Zustimmung der Völker vorangetrieben werden.
„Während der COP30 warnten mehr als 500 Indigene aus der ganzen Welt vor den Risiken der Projekte im Zusammenhang mit dem Exportkorridor Ferrogrão und der Ausbaggerung des Tapajós; dennoch bleiben ihre Forderungen weiterhin ohne konkrete Antwort“ erklärte Vivi Borari, indigene Anführerin und Aktivistin der Bewegung Tapajós Vivo.
Christian Poirier, Direktor des Programms Amazon Watch, sagte, die Forderungen mächtiger Rohstoffhändler wie Cargill würden die zerstörerische Privatisierung der Amazonasflüsse und den Bau von Megaprojekten wie Ferrogrão vorantreiben.
Am 6. Februar hat die brasilianische Regierung die Vertragsvergabe zur Ausbaggerung des Rio Tapajós vorläufig gestoppt. Sie betonte, dies sei eine Routinemaßnahme und stünde nicht mit Umweltauflagen bezüglich der Wasserstraße in Verbindung. Das umstrittene Dekret sei von dem Stopp nicht betroffen.
Übersetzung: Annette Brox









