Das koreanische Team für kulturelle Zusammenarbeit veranstaltete im Zeitraum 15. September bis 15. November 2021 im Rahmen seiner ersten Kunst- und Friedensplattform eine erfolgreiche Ausstellung an fünf Orten in den Gebieten der demilitarisierten Zone (DMZ).

In der vom Interkoreanischen Transitbüro organisierten Pressemitteilung heißt es, dass das Ministerium für Wiedervereinigung nach dem Interkoreanischen Gipfel im Jahr 2018 eine friedliche Agenda in der Demilitarisierten Zone (DMZ) unterstützen und etablieren wollte. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde im Oktober 2020 das Team für kulturelle Zusammenarbeit als Teil des Interkoreanischen Transitbüros gegründet, das sich um kreative Kunst- und Kulturprojekte kümmern soll. Die Mitglieder übernahmen alle Aufgaben, die für die Eröffnung des ersten Kunstraums in der DMZ notwendig waren, wie die Ausstellungsplanung, die Umgestaltung des Ausstellungsraums, das Marketing und die Verwaltungsarbeit, die eng mit dem öffentlichen Zugang zur DMZ verbunden ist.

Die künstlerische Leiterin Yeon Shim CHUNG, Professorin für Kunstgeschichte und -theorie an der Hongik-Universität in Seoul, erklärte in ihrer Stellungnahme zur Ausstellung, dass zweiunddreißig international anerkannte südkoreanische und ausländische Künstler an der DMZ Art & Peace Platform 2021 beteiligt sind. Die Ausstellung beleuchtet Geschichten aus der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der DMZ und verwandelt die Zone in eine neue „Kontaktzone“ – eine grenzenlose Friedenszone.

Südkorea: 2021 DMZ Art & Peace Plattform strebt nach grenzenloser Friedenszone

Haegue YANG, Migratory DMZ Vögel auf asymmetrischer Linse – Kyott Kyott Vessel (Pale Thrush), 2021, Speckstein, 3D-gedrucktes Harz, 161×70×150cm, im Auftrag des Interkoreanischen Transitbüro, mit freundlicher Genehmigung des Künstlers, Foto von Shinwook Kim.

Ich war selbst ein paar Mal in der DMZ und habe die angespannte Stimmung zwischen den beiden Ländern in den Grenzgebieten gespürt. Dennoch könnte sie jedem, der sich unsicher ist, Gedanken vermitteln, die unweigerlich dazu führen, dass man sich die Wiedervereinigung wirklich bald wünscht. Außerdem sind die 250 Kilometer langen und etwa 4 Kilometer breiten Gebiete der DMZ von Natur aus so vielfältig und “ … als eines der am besten erhaltenen Gebiete mit gemäßigtem Lebensraum in der Welt eingestuft.“

Einer der international anerkannten zeitgenössischen Künstler, der seine Kreativität auf der Plattform zeigte, war Olafur Eliasson, der einmal sagte: „Ich denke, dass wir als Künstler die Verantwortung haben, mit den Menschen in Kontakt zu treten, die in Zukunft über den Raum für uns entscheiden werden.“ Er fügt hinzu, dass es beim künstlerischen Schaffen darum gehen kann, sehr klare und spezifische Veränderungen in der Welt zu bewirken*.

Südkorea: 2021 DMZ Art & Peace Plattform strebt nach grenzenloser Friedenszone

Ye Seung LEE, Rauschende Landschaft Landscape – uns „wir“ rufend, 2021, Multi-Channel-Distributionsvideo – 3D-Animation, Motion Graphic, 3min. 15 Sek. im Auftrag des Interkoreanischen Transitbüros, Foto: Kim San.

Vielen Dank an Sojin Joy Kim, eine Ausstellungskoordinatorin der DMZ Art and Peace Platform 2021, die Pressenza so viele Informationen und Bilder zur Verfügung gestellt hat. Ich möchte den Lesern die Erklärung der Ausstellung vorstellen, die von Yeon Shim CHUNG, dem künstlerischen Leiter, übermittelt wurde.

Über die 2021 DMZ Art & Peace Platform:

Die demilitarisierte Zone Koreas (DMZ), eine befestigte Grenzbarriere, die durch das koreanische Waffenstillstandsabkommen von 1953 errichtet wurde, hat den zerstörten Süden und Norden seit dem Koreakrieg (1950-1953) jahrzehntelang getrennt. Diese 240 Kilometer lange und 4 Kilometer breite Grenze durchzieht die koreanische Halbinsel und ist auf beiden Seiten mit Ziehharmonika-Drahtzäunen versehen. Sie ist eine physische Narbe im Land, ein Ort, an dem die brutalen Erinnerungen an den Krieg fortbestehen, aber auch neu definiert werden. Das Betreten der DMZ durch Zivilpersonen ist aus Sicherheitsgründen beschränkt, und der Rückgang der menschlichen Aktivitäten hat das Ökosystem in diesem Gebiet auf natürliche Weise erhalten. Die zahlreichen unentdeckten Landminen in der DMZ stellen jedoch immer noch eine reale Bedrohung in der scheinbar friedlichen Landschaft dar. Diese Ausstellung versucht, Friedens- und Ökologiezonen zu schaffen, um die DMZ, die derzeit ein Symbol für Teilung und Krieg ist, neu zu gestalten. Außerdem sollen in der DMZ Kunstgemeinschaften entstehen, die an die schmerzhaften Erinnerungen der Vergangenheit erinnern.

Die DMZ Art & Peace Platform 2021 nutzt fünf verschiedene Veranstaltungsorte in und um die DMZ: UniMARU, das sich im Interkoreanischen Transitbüro befindet, der Dorasan-Bahnhof und der Wachposten in Paju City, der Jejin-Bahnhof im Landkreis Goseong und das Nationale Institut für Vereinigungsbildung in Seoul. UniMARU ist ein besonderer Kunstraum, der im Frühjahr 2021 von dem führenden Architekten Hyunjun Mihn renoviert wird. Sein Name setzt sich aus den Wörtern Vereinigung und Plattform (maru auf Koreanisch) zusammen, die das Ziel beschreiben, das ehemalige Gebäude des Interkoreanischen Transitbüros (Einreise-/Ausreisekontrollstelle) in eine Plattform für die Wiedervereinigung zu verwandeln. Jeder Ausstellungsort verkörpert die Konzepte von Vereinigung und Frieden, Ökologie und Nachhaltigkeit, Verbindung und Solidarität, Interaktion und Expansion. Die DMZ Art & Peace Platform, die von der Westküste von Paju bis zur Ostküste von Goseong reicht, reist über eine Online-Plattform in den globalen Raum und überschreitet dabei Grenzen.

Südkorea: 2021 DMZ Art & Peace Plattform strebt nach grenzenloser Friedenszone

Young In HONG, „Unsere Rhythmen waren in der Vergangenheit nicht synchronisiert“, 2021, Holz, Urethanfarbe, 16 LED-Leuchten, 140×1.500cm, im Auftrag des Interkoreanischen Transitbüros, Foto von Kim San.

Zweiunddreißig international anerkannte Künstler aus Südkorea und dem Ausland nehmen an der Ausstellung 2021 DMZ Art & Peace Platform teil. Sie beleuchten die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der DMZ und verwandeln die Zone in eine neue „Kontaktzone“ – eine grenzenlose Friedenszone. Die Teilnehmer beschäftigen sich mit verschiedenen Themen, wie z. B. den einfachen Menschen und ihrem täglichen Leben an der Grenze zwischen Süd und Nord, den „aufgeschobenen Erinnerungen“ der Vertriebenen und den Kriegsbildern, die von Millennials, der Generation Z und der Nachkriegsgeneration, die den Koreakrieg nicht erlebt hat, repräsentiert werden, der Anrufung der Namen bedrohter Arten, um die Geister zu heilen, und dem Nachdenken über die Koexistenz von Umwelt und Technologie während der Pandemie- und Klimakrise. Die Grenze ist da und wirkt wie eine Barriere, doch die künstlerische Fantasie und der Wunsch nach Frieden in der DMZ werden immer so grenzenlos sein wie Vögel, Wind, Wasser und Gras. Grenzenlose DMZ. -Yeon Shim CHUNG (Künstlerische Leiterin)

Südkorea: 2021 DMZ Art & Peace Plattform strebt nach grenzenloser Friedenszone

Studio Other Spaces, Olafur Eliasson und Sebastian Behmann, Kondensationspavillon, 2017, Holz, Kunststoffgewebe, Edelstahl, Draht, 62 × 148 × 124 cm, mit freundlicher Genehmigung der Künstler, Photo von Kim San.

Südkorea: 2021 DMZ Art & Peace Plattform strebt nach grenzenloser Friedenszone

Shinwook KIM, Old Donghae Bukbu Eisenbahn, 2021, Pigmentdruck, Maße variabel, im Auftrag desInterkoreanischen Transitbüros. Foto von Kim San.

Südkorea: 2021 DMZ Art & Peace Plattform strebt nach grenzenloser Friedenszone

„Sulki and Min hier/dort“ 2021, Latexfarbe auf dem Boden, 8.300×14.300cm, im Auftrag des Interkoreanischen Transitbüros. Foto von Kim San.

Weitere Informationen unter: https://dmzplatform.imweb.me/124

Online Besichtigungsräume VR Tour: https://embed.eazel.net/dmz_art_peace_platform_2021/

Alle Bildnachweise von den Veranstalter:innen.

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Anita Köbler vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!


* Olafur Eliasson, Turning Thinking into Doing Art: Four Lectures in Addis Ababa, Central Printing Press, 2015