Die öffentliche Datenbank der Nationalpolizei (PNC) hat zwischen Januar und Juni 2021 insgesamt 3.805 Sexualverbrechen registriert. Wie die spanische Nachrichtenagentur EFE berichtet, hat die Zahl der Sexualstraftaten an Mädchen und jungen Frauen in El Salvador damit längst das Epidemie-Niveau überschritten. Fast die Hälfte der Betroffenen (1.723 gemeldete Fälle) sind Mädchen und junge Frauen. Ausgehend von 965.293 Minderjährigen in El Salvador entspricht dies 178.5 Sexualstraftaten pro 100.000 heranwachsende Frauen. Grundlage für die Berechnung ist die im Jahr 2020 vom Wirtschaftsministerium veröffentlichte Datenerhebung. Von einer Epidemie spricht man, wenn die Zahl der Fälle zehn pro 100.000 Einwohner*innen überschreitet. Auch für die Berechnung der Fälle von tödlicher Gewalt wird der gleiche Indikator benutzt. Wie aus dem Polizeiregister der Sexualdelikte hervorgeht, wurden 785 Sexualdelikte gegen junge Frauen zwischen 15 und 17 Jahren aufgenommen; weitere 938 Fälle betrafen die Altersgruppe null bis 14. Im Durchschnitt wurden täglich mehr als neun Mädchen und Heranwachsende Opfer von Sexualverbrechen. Hinsichtlich der mutmaßlichen Täter konnte die Verbindung zu dem Opfer in 1.232 Fällen nicht ermittelt werden, während es sich in 104 Fällen um einen Freund, in 66 um einen Stiefvater und in 46 um einen Partner handelte. In anderen 46 Fällen war es der Vater, in 24 ein Cousin, in 22 ein Onkel und in der gleichen Anzahl unter anderen ein Nachbar.

Anstieg der Feminizidrate

Anfang Juli ging eine Gruppe von Feminist*innen auf die Straße, um den hohen Anstieg der Feminizide, aber auch die nachlässige Haltung der Regierung an die Öffentlichkeit zu bringen und staatliche Präventionsmaßnahmen zur Vorbeuge gegen Hassverbrechen zu fordern. Keyla Cáceres von der Organisation Colectiva Amorales sprach gegenüber EFE von einem Anstieg von 60% bei Sexualdelikten im Vergleich zum Vorjahr. Außerdem wurden zwischen Januar und Mai bereits 46 Feminizide registriert, während es letztes Jahr in dem gleichen Zeitraum 24 Fälle gewesen waren. Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichtsmedizin beziffern den Anstieg der Feminizidrate in den ersten fünf Monaten dieses Jahres auf rund 91,7%. Dazu Keyla Cáceres: „Weil es keine direkten Präventionsmaßnahmen zur Vorbeuge für Frauenmorde gibt, müssen wir von einer ausgeprägten Verwundbarkeit ausgehen.“

Laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International ist El Salvador eins der gefährlichsten Länder der Welt für Frauen. Allein in den Jahren 2016 und 2017 wurde eine Feminizidrate von 16 bzw. 12 pro 100.000 Einwohner*innen verzeichnet, die Zahlen liegen also deutlich höher als der Richtwert einer Epidemie.

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