Das Wahlmarketing hat wieder Saison

15.03.2021 - Günter Buhlke

Das Wahlmarketing hat wieder Saison
Wahltaktiken – seit Marcus Tullius Cicero bis heute. Cicero klagt Catilina an. Historisierendes Fresko in der Villa Madama in Rom, 1888. (Bild von Cesare Maccari Gemeinfrei via wikimedia commons)

Die neun amtlichen Wahlakte des Jahres 2021 treiben gegenwärtig die Manager zu Hochleistungen an.

Vorhersage Institute und professionelle Meinungsbildner sorgen mit ihren Prognosen für ausreichende Unruhe in den Führungsspitzen der Parteien. Das Wildwasser der Präsidentenwahl in den USA hat sich noch nicht beruhigt. Der Einsatz der Milliarden Dollarsummen stellte die Demokratie bei Wahlen erneut in Frage.

Schließlich geht es bei politischen Wahlen um Macht und um viel Geld, vor allem aber um die Wegrichtung, die eingeschlagen werden soll. Die Spaltung des Landes zwischen „Oben“ und „Unten“ ist auch in Deutschland deutlich spürbar. Beim Souverän herrscht Unbehagen.

Erfahrungen aus früheren Wahlen liegen der Beraterzunft vor, auch eine erste schriftliche Regieanleitung der europäischen Wahlgeschichte seit reichlich 2000 Jahren. Sie wurde für Tullius Cicero von seinem Bruder Quintus C. geschrieben. Tullius bewarb sich 64 v.d.Ztr. bekanntlich als Konsul. Es war das höchste Staatsamt in der römischen Republik jener Zeit. Bruder Quintus schrieb seine Empfehlungen in brüderlicher Offenheit, die für die Allgemeinheit nicht bestimmt waren. Er machte zunächst darauf aufmerksam „es handelt sich um die römische Bürgerschaft, wo Betrügereien, wo Laster aller Art grassieren, wo man mit Anmaßung, mit Trotz, ja mit Hass und Belästigungen von allen Seiten zu rechnen hat“. Um dann zu konstatieren „es bedarf großer Klugheit und Geschicklichkeit……nirgends anzustoßen“. Bruder Quintus nahm kein Blatt vor dem Mund und gab den Ratschlag „es bedarf der Schmeichelei, die im gewöhnlichen Leben unmoralisch, aber bei Wahlen unvermeidlich ist. Wenn Speichelleckereien demoralisiert, ist sie verwerflich, wenn sie Zustimmung bringt, ist sie schlechthin nicht zu tadeln“. „Es gilt, das Interesse der Freunde wach zu halten und die Zuneigung des Volkes zu gewinnen“. Quintus stachelte den Ehrgeiz des Bruders an, „brilliere mit deiner Redekunst, damit hält man die Leute auf Linie“. Außerdem sollte darauf geachtet werden, „dass sich auch für die Mitbewerber eine ihrem Charakter entsprechende Verrufenheit wegen ihrer Verbrechen, Ausschweifungen einstellt“ (Quelle: „Commentariolium petitionis“). Marcus Tullius Cicero hat wohl die Empfehlungen des Bruders beachtet. Die Wahl zum Konsul hat er gewonnen.

Moderne Wahlschlachten nutzen zeitgemäße Strategien, verzichten aber auch nicht auf herkömmlichen Erfahrungen aus alten Zeiten.

Erfahrungsfeld Nr. 1: Wahlmitbewerber mit roten Schattierungen und alternativen Vorstellungen werden seit Jahrzehnten mit den großen Kanonen des Antikommunismus, mit wirtschaftlicher Inkompetenz und als Fanatiker der Enteignung abgewehrt. Wahlmitbewerber aus der ökologischen Ecke verächtlich als Phantasten oder als Beauftragte für Schmetterlinge diffamiert.

Erfahrungsfeld Nr. 2: Seit 30 und mehr Jahren, werden die Stasi und die SED als Trumpfkarten eingesetzt. Zufällig bringen alle Fernsehkanäle 2021 Storys und alte juristisch zweifelhafte Geschichten aus Mielkes und Honeckers Zeiten.

Erfahrungsfeld Nr. 3: Mitbewerber werden geprüft, ob sich dunkle Flecken auf den weißen Westen befinden. Wer hat denn seine Doktorarbeit nicht korrekt geschrieben, wer bei seiner Steuererklärung gemogelt, wer sogar korrupt war, wer hat Amtspflichtverletzungen begangen? Im Kampf um die Wahlstimmen wird alles genutzt, was auch gut ist.

Erfahrungsfeld Nr. 4: Ähnlich erfolgreich wie bei der alltäglichen Automobilwerbung, wird auf eine große Straße verdeckende Plakatwerbung gesetzt, ohne auf die Wahrheiten genau zu achten. Wahlversprechungen aller Art scheuen sich nicht, Milliarden Summen einsetzen zu wollen. Versprechungen sind seit jeher Kernelemente des Populismus. Wahlgeschichten sind Geldgeschichten, die den humanen Geist überdecken.

Erfahrungsfeld Nr. 5: Spannend wird die Abrechnung der Ergebnisse des 177 Seiten umfassenden Abstimmungspapier des Arbeitsprogramms der GROKO werden. Die Lage des Wahlvolkes, des Klimas, der Flüchtlinge hat sich bis zum Beginn der Pandemie 2020 substantiell kaum verbessert. Die Zahl der Gesetzesparagrafen aber hat sich beachtlich erhöht. Schuld an Defiziten werden stets die anderen haben.

Erfahrungsfeld Nr. 6 wird die Bildung einer regierungsfähigen Mehrheit nach der Bundestagswahl bereichern. Wer koaliert mit wem? Wir leben in einer Demokratie, in der die Zahlenmehrheit bestimmt und wo Stimmenmehrheiten Gesetze schaffen. Nach der Wahl 2017 gingen 6 Monate ins Land, bevor eine Koalition einen Eid, dem Volk zu dienen, ablegen konnte.

Erfahrungsfeld Nr. 7 betrifft die Finanzierung der Wahlkosten durch die Spendenpraxis. Die Sichten werden von viel juristischen Formulierungsrauch verdeckt, ähnlich wie bei Verabredungen zum Austausch der Spitzenkräfte nach der Mandatszeit der Politiker. Ein Sonderthema des Marketings im Politikgeschäft ist die Lobby mit ihren Türen zur Korruption.

Eine ständige Marketinganalyse des Wahlrechtes in den Bereichen der Kandidatenaufstellung, der Wahlkreise, des Wahlalters, der Fraktionszwänge u.ä. wäre angebracht. Sie bringt immer Aufregung, sagt aber etwas über den Zustand der Demokratie aus.

Das herrschende politische System und die Marktwirtschaft hat die EINE WELT in der vergangenen Wahlperiode kaum zum besseren geführt. Im Gegensatz zum alternativen China, wo ein gewähltes Parlament, eine nationale Front von 8 Parteien und die Regierung in einem historisch kurzen Zeitraum von 72 Jahren den Hunger vertrieben, Wohlstand für den Mittelstand gebracht und das Gesundheitswesen entwickelt haben. Die Wissenschaft machte es möglich Module in dem Weltraum zu schicken und bei der Digitalisierung vordere Plätze im Ranking der Welt zu belegen. In Lateinamerika führten Alternativen zu besseren Lebensverhältnissen, raus aus der extremen Armut, hin zur besseren Gesundheitsbetreuung und Schulbildung.

Allen Wahlberechtigten ist zu wünschen, dass sie über einen humanistischen Sensor verfügen, wer das Klima schädigt, die Gesellschaft spaltet, Flüchtlingswellen auslöst und Vorteile aus Kriegen zieht, sowie wer zur Gestaltung eines würdigen Alltagslebens fähig ist.

Kategorien: Europa, Politik
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