Tomás Hirsch über den Volksentscheid in Chile: „Klarer Zusammenhang zwischen der Befürwortung einer neuen Verfassung und der Forderung nach sozialer Gerechtigkeit“

01.11.2020 - Spanien - Juana Pérez Montero

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch verfügbar.

Tomás Hirsch über den Volksentscheid in Chile: „Klarer Zusammenhang zwischen der Befürwortung einer neuen Verfassung und der Forderung nach sozialer Gerechtigkeit“

Dies geht aus der Analyse des chilenischen humanistischen Abgeordneten Tomás Hirsch über die Ergebnisse des Referendums vom 25. Oktober hervor, mit dem das lateinamerikanische Land in einen konstituierenden Prozess überführt wird.

In diesem Interview gibt Hirsch einen Überblick über die Beteiligungsdaten, die Bedeutung der Abstimmung, den wahren Ursprung des Referendums und die Notwendigkeit, die Bürger weiterhin gewaltfrei zu organisieren und zu mobilisieren, um eine Verfassung zu schaffen, die von der sozialen Gemeinschaft ausgeht und für alle gilt.

Tomás Hirsch, Abgeordneter der ‚Humanistischen Aktion‘ in Chile, hat in diesem Interview die hohe Beteiligung der Bevölkerung hervorgehoben, die sich für eine neue Verfassung aussprach. Diese lag bei 77% und erreichte in einigen Gebieten sogar über 90%.

„Das Referendum ist eine Folge der Mobilisierungen, die am 18. Oktober 2019 begann“.

Hirsch weist in seiner Ergebnisanalyse auf den „klaren Zusammenhang zwischen der Befürwortung einer neuen Verfassung und der Forderung nach sozialer Gerechtigkeit“ hin und erinnert daran, dass es sich bei dem Referendum um eine klare Folge der am 18. Oktober 2019 begonnenen Mobilisierungen und nicht um eine institutionelle Übereinkunft handelt.

Im Rahmen der Ergebnisauswertung hat er auch die einzigen drei Kommunen, die dagegen gestimmt haben, als „den schwarzen Maulwurf“ qualifiziert und daran erinnert, dass hier das reichste 1% Chiles lebt.

„Es ist unerlässlich, soziale Organisation und gewaltfreie Mobilisierung fortzusetzen …“, um eine Verfassung für alle zu verwirklichen“.

Mit Blick auf die Zukunft und auf die Frage, ob die neue Verfassung von einer Minderheit für eine andere Minderheit geschrieben oder von der sozialen Gemeinschaft für alle ausgeht, plädierte er für „soziale Organisation und gewaltfreie Mobilisierung, um handlungsfähig zu bleiben“. Die Territorialräte müssten aktiv bleiben, die Teilnahme der Organisationen an diesem Konvent müsse aktiv bleiben, ihnen Vorschläge und Forderungen unterbreiten und sie auffordern, sich in die Regionen zu begeben, um ihnen zuzuhören, das sei grundlegend“.

Und er erinnerte sich: „Alle relevanten Veränderungen in der Geschichte der Menschheit waren das Ergebnis gewaltfreier Organisation und Mobilisierung. Die Veränderungen kommen nicht von einer institutionellen Ebene. Das Frauen-Stimmrecht, das Ende der Sklaverei, der 8-Stunden-Arbeitstag… alle Fortschritte der Menschheit sind das Ergebnis von Organisation und sozialer Mobilisierung, also von etwas, das weitergehen muss.

Bezüglich der Frage, ob die Bedingungen für die Fortsetzung einer solchen Mobilisierung gegeben sind, erklärte er, dass die Menschen seit dem Ausbruch der Pandemie auf sich selbst Acht geben, „etwas, das die Regierung dazu veranlasst hat, die trügerische Illusion zu erzeugen, die Mobilisierung sei beendet“ … Wir haben es bereits angekündigt: „Sobald die Quarantäne vorbei und es wieder möglich ist, sich auf den Straßen zu äußern, werden die Menschen wieder demonstrieren ‚und so ist es gewesen… Auf Hunderten von Plätzen im ganzen Land sind sie gestern hinausgegangen, um zu demonstrieren, und die große Mehrheit hat auf sich Acht gegeben“.

„Heute geht es um das Recht, eine Zukunft in Würde aufzubauen, eine bessere Zukunft … in Chile und in der ganzen Welt“.

Ein letzter Appell:

„Dies ist ein lang ersehnter Prozess … ein Prozess, der Hoffnung bietet, nicht nur für Chile, sondern für die Menschen in verschiedenen Breitengraden. Ich glaube, dass derzeit die junge Generation gegen eine Form der sozialen Organisation rebelliert, die eine tiefe Ungleichheit, eine tiefe Diskriminierung erzeugt. Das wird von ihr nicht mehr akzeptiert. Wenn es eine Modernität gibt, dann ist diese Modernität das Recht eines jeden und einer jeden, die Protagonisten ihrer Zukunft zu sein. Die Modernität kann nicht mehr am geographischen Bruttosozialprodukt oder am Verbraucherpreisindex gemessen werden, sondern an der Lebensqualität, am Recht, in Frieden zu leben … am Recht, eine Zukunft in Würde aufbauen zu können, eine bessere Zukunft. Das ist es, worum es meiner Meinung nach jetzt geht, hier und in der ganzen Welt.“

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Anita Köbler vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige! 

Kategorien: Interviews, Politik
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