Latinx für Biden

07.10.2020 - David Andersson

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Spanisch, Französisch, Portugiesisch verfügbar.

Latinx für Biden
(Bild von David Andersson)

Nachdem ich den Artikel “Weiße Wähler für Biden!” ein paar Wochen zuvor geschrieben hatte, bat mich Javier Castaño, Director von Queens Latinx, dass ich auch einen Artikel darüber schreibe, wie wichtig es für die Latinxgemeinschaft ist, bei der Präsidentschaftswahl 2020 zu wählen.

Die kommende Wahl ist keine typische politische Kampagne, sondern viel mehr ein Kulturkampf zwischen einem republikanischen Kandidaten, der versucht die Überlegenheit der weißen Kultur wiederzuherstellen und einem anderen, einem moderaten, neoliberalen Demokraten.

Wir müssen uns selbst daran erinnern, dass Trump als Antwort auf die Präsidentschaft von Barack Obama gewählt wurde, weil ein großer Teil der weißen Gemeinschaft es nicht ertragen konnte, einen schwarzen Präsidenten zu haben. Vom ersten Tag an stand ganz oben auf Trumps Agenda, all das zu zerstören, was während der vorherigen Präsidentschaft erreicht worden war. Das Gleiche ist auch in manchen südamerikanischen Ländern passiert, die nach liberaleren Regierungen unter neuem Präsidenten interessante Richtungen einschlugen. Dazu gehören Brasilien nach Lula/Rousseff mit der Wahl von Bolsonaro und Kolumbien mit der Wahl von Duque Marquez, der auf Santos folgte.

In den USA hat der tatsächliche Kampf noch gar nicht begonnen – diese Wahl jedoch könnte genau das sein, was das Feuer ausbrechen lässt. Die Herausforderung wird es sein, eine gewaltfreie Kulturrevolution anzuschüren, die die derzeitige weiße Hegemonialgemeinschaft in einen multikulturelle verwandeln wird. Diese Transformation hätte Auswirkungen zur Folge, die weit über die Grenzen der USA hinausgingen und womöglich das Potential hätten, einen großen Teil der Welt zu verändern.

Wir haben alle die grauenhaften Bilder von Latinxs gesehen, die während der ICE Untersuchungshaft von ihren Familien getrennt wurden; die kleinen Kinder, die in Käfigen alleine gelassen wurden. Wir haben auch gesehen, wie Züge von Mittelamerika an der Grenze zu Mexiko gestoppt wurden, was diese Migranten der Willkür der lokalen Kartelle auslieferte. Diese Maßnahmen wurden durchgeführt, um den Latinxgemeinschaften zu vermitteln, dass sie in den USA nicht willkommen seien. Sie sollten Angst machen und kulturelle Überlegenheit demonstrieren. Im Grunde handelt es sich dabei um die selbe rassistische Taktik, die, wie zuvor gegen Schwarze, nun auch gegen Latinxs eingesetzt wird.

Das größte Hindernis in dieser Angelegenheit ist die Illusion einiger Leute, die wahrhaft glauben, dass Latinx „weiß“ werden und in diese Machtkultur integrieren können. Das ist nicht geschehen und wird auch nicht geschehen. Für den Weißen Westen spielt es de facto keine Rolle, ob man Kolumbianer*in, Chilen*in oder Mexikaner*in ist, denn alleine Spanisch oder Portugiesisch zu sprechen ist Kriterium genug, als „anders“ zu gelten.

Wenn wir eines von der Coronapandemie gelernt haben, dann das das System in den USA für „People of Color“ anders ist als für Mitglieder von weißen Gemeinschaften. Betrachtet man die Statistiken an das Alter angepasst sind Schwarze und Latinxs 3,3-mal so wahrscheinlich an COVID gestorben als ihre weißen Nachbar*innen.

Die derzeitige Präsidentschaftskampagne sollte jeden einzelnen Amerikaner, der von südlich der Mexikanischen Grenze kommt, erkennen lassen, dass auch er ein Latinx ist. Die Schwarzen griffen das zu einem sehr frühen Zeitpunkt auf und verstanden ihre kulturelle Identität stolz als Schwarz.

Es ist nahezu unmöglich für Biden, diese Wahl ohne die Unterstützung der Schwarzen und Latinx Wähler zu gewinnen. Man kann von Biden natürlich nicht erwarten, dass er bereits bestehende politische Kluften innerhalb der Latinxgemeinschaften (links/rechts – sozialistisch/kapitalistisch, etc.) überbrücken kann, aber in Wirklichkeit haben diese Unterschiede relativ wenig zu tun mit dieser Wahl. Beide Hauptkandidaten sind Kaptialisten, neoliberal und Militaristen. Aber einer ist definitiv unmenschlich, undemokratisch, nationalistisch und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die dominante weiße Kultur zu erhalten. Weitere vier Jahre wie die bereits vorangegangenen würden die sich auftuenden Kluften innerhalb des Landes weiter vergrößern und weltweit die Beziehungen mit anderen Nationen vergiften.

Stelle Dir nur eine Minute lang eine „LATINXS für BIDEN“ Bewegung vor, die Millionen von Lateinamerikaner*innen, aus Ländern wie Cuba bis Chile, mit dem einen Ziel vereinen würde, die Diskriminierung in den USA in jeglicher Form öffentlich anzuprangern. Im Zuge einer derartigen Bewegung würde alles andere sich von selbst ergeben. Im Moment reicht es schlichtweg nicht, kleine Gruppen wie „Kolumbianer*innen für Biden“ oder andere Untergruppen zu bilden. Biden hat schließlich kein spezielles Politprogramm für jedes einzelne südamerikanische Land und, mal abgesehen davon, geht es im Wesentlichen auch gar nicht darum.

Das ist ein entscheidender Punkt für Lateinamerikaner*innen. Wollen sie weiterhin, dass ihre Kultur lediglich als eine Subkultur des Weißen Westens wahrgenommen wird oder wollen sie anstelle dessen mithelfen, einen neuen Kurs einzuschlagen? Wollen Sie stattdessen vielleicht sogar ein zukünftiges Bild kreieren, in dem die besten Eigenschaften ihrer eigenen reichen Kultur tragend sind?

Bei dieser Wahl geht es darum, in eine neue Richtung zu gehen, indem man das, was man tief in seinem Herzen als richtig empfindet, tut – das ist die einizige schlüssige Wahl für die Zukunft der Menschen. Für Biden abzustimmen ist zwar nur ein kleiner Schritt auf einer unglaublich langen Reise, aber es ist ein wesentlicher!

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Chris Hoellriegl vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige! 

Kategorien: Meinungen, Nordamerika, Politik
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