Die Kurven des Robert-Koch-Instituts und Wege aus der Krise

15.10.2020 - Pressenza Muenchen

Die Kurven des Robert-Koch-Instituts und Wege aus der Krise
(Bild von CIDM.online / Screenshot Google-Präsentation „Corona und Zurück in die Zukunft“, Folie 12 (Ausschnitt))

Sämtliche Corona-Maßnahmen in Deutschland wurden aufgrund der vom Robert-Koch-Institut (RKI) publizierten Zahlen getroffen. Ein kurzer Blick auf die Grafik genügt, um die inzwischen allseits bekannte rote Kurve wiederzuerkennen, die einen extremen Anstieg der Infektionsfälle im März diesen Jahres zeigt.

Und ja, sieht man sich den Verlauf der roten Kurve in den letzten Wochen an, scheint es tatsächlich so, dass die Zahlen wieder steigen. Doch ist das auch wirklich so?

Schauen wir uns die Grafik genauer an, die auch noch zwei weitere Kurven beinhaltet. Abgesehen davon, dass die PCR-Tests immer noch nicht amtlich validiert sind und inzwischen bezweifelt werden darf, das „Test-positiv“ auch automatisch infiziert bedeutet, stellt sich die Frage, ob in dieser roten Kurve auch berücksichtigt wurde, in welchem Umfang getestet wurde.

Hier kommt die zweite Kurze ins Spiel. Ebenfalls in der Grafik sehen wir gelbe Balken, die die Anzahl der Testungen im Zeitverlauf wiedergeben. Auch diese Zahlen stammen von RKI, allerdings separat publiziert in seinen täglichen Berichten. Tatsächlich finden wir im Wochenbericht vom 15.09.2020 auf Seite 3 unter Abbildung 1 genau diese gelben Balken wieder:

Bild: Screenshot Wochenbericht vom 15.09.2020, Seite 3 / Robert-Koch-Institut

.

Die Korrelation

Nun haben wir also die rote, allseits bekannte Kurve des RKI als absolute Darstellung aller Test-Positiven, also ALLER Testungen, die überhaupt vorgenommen wurden, sowie die Darstellung der Häufigkeit der Tests im Zeitverlauf, dargestellt als gelbe Kurve.

Stellt sich die Frage, wie diese beiden Kurven, rot und gelb, aussähen, wenn man sie in Korrelation miteinander stellt. Oder anders gesagt: Wenn man 10 Personen testet und 1 davon positiv ist, und man dann die Tests ausweitet, 1.000 Personen testet und dann 100 Positive erhält, bliebe die relative Zahl der Infizierten trotzdem gleich.

Und genau das zeigt uns die dritte in der Grafik ersichtliche Kurve, die blau dargestellt ist. Erst durch sie wird der reale Verlauf des Infektionsgeschehens ersichtlich. Und tatsächlich: weder lässt sich jetzt ein sprunghafter Anstieg der Zahlen im März erkennen, sondern nur ein vergleichsweise mäßiger Anstieg wie bei einer ernsten Grippewelle, noch ein erneuter Anstieg in den letzten Wochen.

Das interessante dabei ist, dass auch die blaue Kurve Daten sind, die vom RKI publiziert wurden, und zwar in seinen täglichen Bulletins (wobei dieser Wert allerdings nur einmal die Woche, meistens am Donnerstag, ausgewiesen wird). Ein Blick in das Epidemiologischen Bulletin vom 17.09.2020 zeigt in der Tat auf Seite 15 die Tabelle „Erfassung der SARS-CoV-2-Testzahlen in Deutschland (Stand 16.9.2020)“:

Bild: Screenshot Epidemiologisches Bulletin, Seite 15: „Erfassung der SARS-CoV-2-Testzahlen in Deutschland (Stand 16.9.2020)“ / Robert-Koch-Institut

 

Während im Frühsommer noch um die 300.000 bis 400.000 Tests pro Woche durchgeführt wurden, sind es jetzt rund drei Mal soviel, Tendenz steigend. Die obige Tabelle ist nach Kalenderwochen gegliedert und überträgt man die Zahlen in eine Kurvengrafik, so ist die blaue Kurve aus dem Titelbild das Ergebnis. Die gesamte Grafik in voller Größe und mit allen Anmerkungen und Quellen sieht folgendermaßen aus:

 

Bild: Screenshot Google-Präsentation „Corona und Zurück in die Zukunft“, Folie 12 / CIDM.online

 

Gleich vorneweg: Diese Grafik mit den drei Kurven wurde nicht vom RKI erstellt, wohl aber – wie aufgezeigt – mit Daten gefüttert, die allesamt vom RKI stammen und dort auch separat publiziert wurden. Allerdings erschließt sich ein übersichtliches und für jeden verständliches Gesamtbild erst, wenn man sie miteinander in Beziehung setzt und grafisch veranschaulicht.

Jeder, der kein Akademiker oder Wissenschaftler ist und sich in diesem Fachgebiet auch nicht auskennt, hat es sonst schwer, sich einen Durchblick zu verschaffen. Wenn schon nicht das RKI, so hätten zumindest professionelle und daher gut bezahlte Journalisten und Redaktionen der großen Medien, der sogenannten vierten Gewalt im Staate, diese Aufgabe übernehmen müssen und die Zahlen so aufbereiten, dass sie auch für Laien verständlich werden.

Die Rolle der Medien, aber nicht aller

Das ist leider nicht geschehen, ohne ausreichenden Kontext wurde die rote Kurve in allen Medien veröffentlicht und damit über Monate starke Beunruhigung und sogar Ängste ausgelöst, bis hin zur aktuellen Situation, in der – mal wieder – vor der zweiten Welle gewarnt wird. Doch Moment, wirklich alle Medien? Nein, in der Tat gab es im Format „Berlin direkt“ des ZDF bereits im Mai einen kritischen Bericht, der genau das bemängelt, und der die Vorgehensweise und Kommunikation der Daten seitens des RKI in Frage stellt.

Kurz darauf im Juni stellte sich Gesundheitsminister Jens Spahn im Tagesschau-„Nach-Bericht aus Berlin“ den Fragen der Zuschauer. Dort gibt selbst er zu bedenken (bei ca. Min.13:15) : „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht durch zu umfangreiches Testen zu viele Falsch-Positive haben. (…) Wenn insgesamt das Infektionsgeschehen immer weiter runter geht, und Sie gleichzeitig das Testen auf Millionen ausweiten, dann haben Sie auf einmal viel mehr Falsch-Positive, als tatsächlich Positive.“

Zwei Monate später erscheint am 11.09.2020 in der WELT der Artikel „Panikmodus ausschalten“ – Kassenärzte plädieren für Lockerung der Corona-Regeln„, während die Regierung weiterhin an ihrem Kurs festhält. Unverantwortlich? Zumindest zeichnet sich inzwischen in den Leitmedien eine Umkehr ab.

Im ARD Extra Bericht „Die Corona-Lage“ vom 5.10.2020 wird jetzt erstmals gefordert, die Infektionszahlen wenn schon nicht mit der gestiegenen Anzahl der Test, dann doch zumindest mit der Zahl der Krankenhausaufnahmen zu spiegeln. „Die absolute Infektionszahl sagt ja nur, wie viele waren infiziert, aber nicht, wie viele waren krank“, kommentiert Prof. Torsten Bauer, Chef einer Lungenklinik in Berlin dazu im Bericht.

Auch der Vergleich der Sterbefälle pro Kalenderwoche im Vergleich zu den Vorjahren wird jetzt zum ersten Mal im deutschen Fernsehen erläutert. Andreas Gassen, Vorstand der kassenärztlichen Bundesvereinigung, sagt dazu im ARD Extra Bericht: „In Deutschland gibt es keine Übersterblichkeit. Das heißt verkürzt: Es sterben nicht mehr Menschen als in jedem normalen Jahr ohne Corona“.

Der Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Bonn Hendrik Streeck warnt in dem Beitrag von ARD Extra ebenfalls vor einer Überdramatisierung und empfiehlt eine Rückkehr zur Normalität. Die Sterblichkeit des Coronavirus liege in Wirklichkeit viel niedriger als gedacht und die Gesellschaft habe übertrieben Angst, wie er auch in dieser Kolumne von Wolfram Weimer zitiert wird.

Und nicht zuletzt gibt Prof. Ursel Heudorf, Fachärztin für öffentliches Gesundheitswesen und bis letztes Jahr stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes in Frankfurt im ARD Extra Bericht zu, man müsse weg von der Konzentration auf die Zahlen der Neuinfektionen und die allgemeine Bevölkerung besser informieren. Von den insgesamt 9.500 Covid-19 Todesfällen in Deutschland sind allein 9.000 vor Juli passiert und nur 500 entfallen auf die letzten drei Monate. Diese Entkopplung müsse besser kommuniziert werden.

Zu beklagen bleiben die vielen Kollateralschäden wie Konkurse von kleinen und mittelständischen Unternehmen, Existenzvernichtung von Selbständigen, alleine verstorbene alte Menschen mit traumatisierten Angehörigen, verschobene Operationen und sogar Suizide sowie die Zunahme an häuslicher Gewalt. Alles Schicksale, die bis jetzt in noch keiner einzigen Grafik oder Kurve auftauchen, und die aber für die Betroffenen existentiell sind.

Wege aus der Krise

Die Grafik, in der alle drei Kurven zu sehen sind, und auf die wie uns hier beziehen, wurde von der Corona-Initiative Deutscher Mittelstand (CIDM) erstellt. Sie ist im Rahmen der Google-Präsentation „Corona und Zurück in die Zukunft“ (Folie 12) zusammen mit vielen weiteren anschaulichen Tabellen publiziert, erstmals im April 2020 und mit letztem Update vom 10.10.2020.

Unter anderem finden sich dort auch Grafiken zur Intensivbetten-Belegung, zu den immensen Kollateralschäden, nicht nur im wirtschaftlichen sondern auch im psychologischen Bereich, Impf-Effektivität, Sterberaten sowie ein PCR-Testkalkulator. Zudem weitere Vergleiche, Analysen und Empfehlungen rund ums Thema Corona, unter anderem auch zum so wichtigen und immer noch vernachlässigten Risikogruppenschutz, zur Erhöhung der Gehälter von Pflegepersonal und nicht zuletzt Tipps für Masken zum Community-Schutz, die auch wirklich funktionieren und echten Schutz bieten.

Sich nur auf aufsehenerregende steile Kurven zu konzentrieren, bringt uns nicht aus der Krise. Sachlichkeit und Vernunft sind nun angebracht. Der in der Google-Präsentation der CIDM beschriebene Plan vom 10.4.2020 zur Reaktivierung des wirtschaftlichen und sozialen Lebens hätte in diesem Sinne helfen können, die nächsten Schritte zu formulieren. Angepasst an die aktuellen Gegebenheiten könnte er nach wie vor eine hilfreiche Unterstützung zur Rückkehr in die Normalität sein, denn eine Reaktivierung kann nur im Interesse Aller in der Gesellschaft liegen.

Ähnlich sieht das auch Gerd Antes, Professor an der Medizinischen Universität Freiburg und Experte für Biometrie und Statistik. Im Focus-Interview fordert er eine übergeordnete interdisziplinäre Task Force anstatt übertriebener Fokussierung auf wenige Virologen. Zur Bewältigung der Krise will er auch andere relevante Fachrichtungen wie Immunologie, Hygiene, Epidemiologie sowie Sozial- und Kommunikationswissenschaften miteinbezogen sehen.

Fazit

Mit Sicherheit darf davon ausgegangen werden, dass Wissenschaft, Wirtschaft und auch alle anderen Beteiligten in der Gesellschaft dazu bereit sind, ihren Teil zur Reaktivierung und zur gemeinsamen Bewältigung der Krise beizutragen. Jetzt ist die Politik gefragt, dies auch umzusetzen.

Die folgende Selbstdarstellung der Corona-Initiative Deutscher Mittelstand findet sich in Folie 34 der Google-Präsentation. Ein Interview-Gespräch mit Moritz Graf Brühl und dem Unternehmer Wolfgang Romberg zur Erläuterung der Initiative kann in diesem Youtube-Video angesehen werden.

 

Bild: Screenshot Google-Präsentation „Corona und Zurück in die Zukunft“, Folie 34 „Über uns“ / CIDM.online

 

Link zur Google-Präsentation „Corona und Zurück in die Zukunft“ von CIDM.online

Kategorien: Europa, Gesundheit, Kultur und Medien, Meinungen, Politik, Wirtschaft
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