Kalifornien: Das Herz des Weißen Westens brennt

18.09.2020 - David Andersson

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Griechisch verfügbar.

Kalifornien: Das Herz des Weißen Westens brennt
(Bild von Democracy Now)

Zuerst müssen wir all unsere besten Wünsche an unsere Freunde, Brüder und Schwestern in Kalifornien schicken, die sich einem nie dagewesenen Desaster gegenübersehen. Die Brände dort sind absolut vernichtend.

Eine aktuelle Karte zeigt die gesamte Westküste der USA mit der weltweit schlechtesten Luftqualität.

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Laut Datenangaben des Handelsministeriums der USA von Mai 2018 ist Kalifornien der größte Bundesstaat der USA und die fünftgrößte Wirtschaft der Welt. 2017 betrug sein Bruttoinlandsprodukt 2.747 Billionen Dollar und es lag damit höher als das von Großbritannien mit 2.625 Billionen Dollar.

Diese Brände sind keine Naturkatastrophe, sondern menschengemacht. Kalifornien hätte ein Leuchtturm der kulturellen und sozialen Transformation sein können, indem es die Energie und Dynamik der sozialen Bewegungen der 60er Jahre wieder aufgreift, um die Gesellschaft neu auszurichten: durch Unterstützung einer ausgewogenen Ökologie, durch die Entwicklung eines innovativen und energiesparenden öffentlichen Verkehrssystems, durch die Errichtung neuer architektonischer Wege für den öffentlichen Wohnungsbau, durch die Transformation und Demokratisierung der Wirtschaftsstruktur und durch die Nutzung von Technologien, mit denen ein besserer Zugang zu direkter Demokratie und der Erweiterung politischer Teilhabe möglich wäre. Kalifornien hätte ein ganz neues Sozialmodell schaffen können. Es hatte alles dafür in der Hand – die Menschen, die Küste, die Sonne, das Land und die Unterstützung aus dem Rest des Landes.

Stattdessen wurde Kalifornien das Zentrum des Systems. Silo (Mario Rodríguez Cobos) beschrieb einst das System elegant als „das Zentrum des Sekundären“. Kalifornien ist dafür das beste Beispiel. Es hat eine große Gelegenheit verpasst, indem es eine falsche Richtung eingeschlagen hat und das Herz des extremen Individualismus, Kapitalismus, Materialismus und des Alles-Hier-Und-Sofort geworden ist. Party, als gäbe es kein Morgen.

Doch jetzt ist dieses Morgen gekommen und der amerikanische Traum hat sich in einen Albtraum verwandelt. Der Klimawandel ist sehr real und Kalifornien hat sich nur wenig darum gekümmert. Das ist keine Sache der politischen Rechten oder Linken, Republikaner oder Demokraten, sondern eine Frage der Kultur in der es die Norm ist, pro Familie zwei bis drei Autos zu besitzen, in der ein öffentliches Transportsystem nicht von Belang ist und wo Geld machen oberste Priorität hat (aktuell leben allein in Kalifornien 170 Milliardäre).

Also was nun? Heute gibt es dieselben Möglichkeiten wie vor 60 Jahren. Die Frage ist, welches Modell sie wählen, welche Werte ihnen am wichtigsten sind, für welches Zukunftsprojekt sie sich entscheiden? Werden wir wirklich diese Welt menschlicher machen und aufhören, lediglich zu behaupten, dass wir dies tun? Werden wir mit der Zusammenarbeit beginnen – privat, öffentlich, lokal, national, international – im Sinne einer tatsächlichen Kooperation und Solidarität in dem Sinne, dass meine persönliche Freiheit nicht die der anderen einschränken darf? Können wir uns alle darauf einigen, dass Gewalt nicht zur Lösung unserer Konflikte beiträgt, dass die Wissenschaft als unser allgemeingültiges Wissen akzeptiert werden sollte, dass Geld und Wirtschaft im Dienste der Menschheit und der sozialen Entwicklung stehen müssen (und nicht umgekehrt), dass es nichts Wichtigeres gibt, als unsere Mitmenschen und ihr Wohlergehen? Wenn wir es lernen, Menschen gut zu behandeln, werden wir auch die Natur und das Tierreich gut behandeln.

Wir können nur hoffen, dass diese Feuer unsere Illusionen und Träumereien über unsere aktuelle Gesellschaft vernichten werden und unseren Geist und unsere Herzen öffnen. Wir müssen aktiv werden im Prozess der Humanisierung, der seit über 50 Jahren auf denselben Ansätzen basiert: die eigene Entwicklung mit der sozialen Entwicklung gleichzustellen (denn sie können nicht ohne einander bestehen); andere so zu behandeln, wie man selber behandelt werden möchte; der Versöhnung dem Vorzug vor der Rache geben; sich gegen Gewalt in all ihren Formen zu wenden und Teil der gewaltfreien Bewegung zu werden, die die Menschheit bereits mehrmals gerettet hat (in Indien, der USA bis hin zu Irland, Südafrika und in vielen weiteren Ländern). Die Entscheidungen, die wir heute fällen, werden Auswirkungen auf die nächsten Generationen haben.

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Silvia Sander vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!

Kategorien: Gewaltfreiheit, Humanismus und Spiritualität, Meinungen, Nordamerika, Ökologie und Umwelt
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