Vorurteile und ein kaum auszurottender Antisemitismus

26.07.2020 - Günter Buhlke

Vorurteile und ein kaum auszurottender Antisemitismus
Die Skulptur „Der sterbende Häftling“ von Françoise Salmon (geb. 1920) in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. (Bild von Sören Brandes - Eigenes Werk via wikimedia commons | CC BY 2.5)

Kinder kennen keine Vorurteile. Für sie sind die Dinge so, wie sie im Augenblick geschehen.

Der Weg vom Vorurteil bis zum Antisemitismus ist vielfältig. Er verläuft oftmals über mehrere Etappen. Die Zwischenstufen sind Misstrauen, Intoleranz, Ablehnung unbekannter Erscheinungen, Fremdenfeindlichkeit bis zum Völkerhass. Bewusst werden die negativen Seiten des Fremden gesucht.

Vorurteile und Intoleranz haben sich in der menschlichen Geschichte zu Keimzellen mit schlimmsten Folgen entwickelt.

Erst Erwachsene haben Vorurteile und ihre Folgestufen in das Alltagsleben eingeführt. Kräftig geholfen haben meinungsbildende Medien. Dramatisch werden Vorurteile und Intoleranz, wenn sie von der Politik instrumentalisiert werden.

Das koloniale Herrschaftsgehabe der europäischen Potentaten, die marktradikalen Konzepte des Sklavenhandels und moderne Mechanismen der Wirtschaft benutzten abwegige Menschenbilder. Schreckliche Untaten gegen ganze Völker verursachten schließlich faschistische Ideologien. In Deutschland wurden unzählbare Menschen jüdischen Glaubens, sowie Sinti und Roma Opfer des Fremdenhasses. Die Gesamtzahlen der Unglücklichen sind mental nicht zu fassen.

Die Gegenwart Deutschlands ist nicht frei vom Ungeist der Fremdenfeindlichkeiten bis hin zum Antisemitismus, der in Halle zu Mordtaten führte. Juden scheuen sich noch 2020 öffentlich ihre Kippa zu tragen. Der Berliner Rabbiner Teichtal, Vorsitzender von Chabad, beklagt das vorhandene rassistische Gedankengut und die fehlende Toleranz. Änderungsmöglichkeiten sieht er in Bildung und Aufklärung (BLZ vom 23.7.2020).

Negative Meldungen gegen bestimmte Länder sind in den Medien Tageserscheinungen. Sie folgen einer Einteilung von USA Präsidenten in „Staaten des Bösen“. Die Medien versehen solche Länder, wie Russland, Polen, Tschechien, China, Kuba, Iran u.v.a mit herabwürdigenden Etiketten. In Berichten über das Ende des 2. Weltkrieges in Deutschland fehlen selten allgemeine Hinweise auf „Vergewaltigungen“. Vor polnischen oder tschechischen Menschen verschließt man besser „Haus und Auto“. Die deutsche Kanzlerin hat auf Reisen nach China stets Mahnungen zur Einhaltung der Menschenrechte im Gepäck, wobei sie nicht die sozialen Rechte meint. Und Hongkong? Es wäre gut, wenn der Vertrag zwischen China und England zur Beendigung des englischen Kolonialismus erläutert würde.

Das Misstrauen gegen fremde Länder blüht auch in der Europäischen Staatengemeinschaft unvermindert. So glauben Ministerpräsidenten von 4 Staaten der EU, dass Regierungen südlicher EU Länder Gelder aus dem EU Haushalt nicht wie zugesagt verwenden wollen!

Das beschämende individuelle und offizielle Verhalten Europas gegenüber Flüchtlingen ist ein weiteres Thema mangelnder Bildung und Vorurteile. An den Fluchtursachen hat Europa mit Waffenlieferungen und der Vernichtung von Lebensgrundlagen der Bevölkerung erhebliche Anteile. Wie dankbar müssten Deutsche dem Land Mexiko und anderen sein, die Flüchtlinge in ihrer Not aufgenommen haben, die ihr Leben vor den Gaskammern der Faschisten retten wollten.

Der human gesinnte ex. UNICEF Botschafter Peter Ustinov stellte fest: „Das Vorurteil ist ein undefinierbares Unkraut, dass auf dem grünsten Rasen am heimtückischsten ist.„

Kategorien: International, Vielfalt
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