Bob Dylan – Rough and Rowdy Ways

23.06.2020 - Leo K. - Pressenza Wien

Dieser Artikel ist auch auf Spanisch, Ungarisch verfügbar.

Bob Dylan – Rough and Rowdy Ways
(Bild von pixabay)

Hallo Fremder, es ist ein langer Abschied. Du hast das Land beherrscht, aber ich auch. Du hast dein Maultier verloren, du hast ein vergiftetes Hirn lautet eine Schlüsselzeile in dem Song „False Prophet“ und wir können uns denken, welcher amerikanische Politker mit diesen Worten gemeint sein könnte. Bob Dylan ist zurück, und hier von einem „Alterswerk“ zu sprechen wäre angesichts einer nun sechs Jahrzehnte dauernden Schaffensperiode wohl understatement pur. In einem seiner seltenen Interviews sagte er sinngemäß, dass er sich gar nicht so um sich und sein mögliches nahes Ende Gedanken mache, sondern es ihm vielmehr um das Globale gehe: um das mögliche Ende des Menschen nämlich.

Nach drei Alben mit Covers des „great american songbook“ ist „Rough and Rowdy Ways“ das erste Dylan-Opus mit neuem Material seit acht Jahren und wohl das Beste seitdem mit drei Grammys ausgezeichneten „Time out of mind“ von 1997. Eingespielt mit seiner erprobten Tourband changieren die 10 Tracks zwischen hartem Blues und sanften Songs, die einmal mehr belegen, warum dem Meister des Wortspiels 2016 der Literaturnobelpreis verliehen wurde. Da gibt es die morbide Ballade vom verrückten Wissenschaftler, der künstliches Leben erschaffen will (My own vision of you) oder das epische „Key West (Philosopher Pirate)“, eine Art Bilanz der westlichen Kultur, abgehört auf einem Piratensender.

Mit dem 16-minütigen Murder most foul holt Bob Dylan dann noch einmal zum Rundumschlag aus, befasst sich vordergründig mit dem Attentat auf John F. Kennedy und erzählt anhand einer Aufzählung von Namen und Zitaten aus der Blues- und Rockgeschichte, wofür Amerika auch stehen kann. Bob Dylan beschwört damit die Gegenkraft der Musik: Poesie und Gesang können die Welt nicht verändern, aber sie können trösten, stärken und zum Widerstand aufrufen. Die Textzeile Blackface singer, whiteface clown, better not show your faces after the sun goes down nimmt direkt Bezug auf brandaktuelle Ereignisse, und dass Bob Dylan ausgerechnet mit diesem Song seinen ersten Nummer 1 Billboard-Chart-Hit landet, darf in Zeiten wie diesen als Hoffnungsschimmer gewertet werden.

http://www.bobdylan.com

 

Artikel von Leo K. 

Kategorien: Kultur und Medien, Kunst, Meinungen, Nordamerika
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