Der Propaganda-Multiplikator

17.04.2020 - Swiss Propaganda Research - Pressenza Muenchen

Dieser Artikel ist auch auf Französisch verfügbar.

Der Propaganda-Multiplikator
(Bild von Swiss Propaganda Research / Screenshot Studie "Der Propaganda-Multiplikator")

Es ist einer der wichtigsten Aspekte unseres Mediensystems – und dennoch in der Öffentlichkeit nahezu unbekannt: Der größte Teil der internationalen Nachrichten in all unseren Medien stammt von nur drei globalen Nachrichtenagenturen aus New York, London und Paris.

Die Schlüsselrolle dieser Agenturen hat zur Folge, dass unsere Medien zumeist über dieselben Themen berichten und dabei sogar oftmals dieselben Formulierungen verwenden. Zudem nutzen Regierungen, Militärs und Geheimdienste die globalen Agenturen als Multiplikator für die weltweite Verbreitung ihrer Botschaften. Die transatlantische Vernetzung der etablierten Medien gewährleistet dabei, dass die gewünschte Sichtweise kaum hinterfragt wird.

Eine Untersuchung der Syrien-Berichterstattung von je drei führenden Tageszeitungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz illustriert diese Effekte deutlich: 78% aller Artikel basieren ganz oder teilweise auf Agenturmeldungen, jedoch 0% auf investigativer Recherche. Zudem sind 82% aller Kommentare und Interviews USA/NATO-freundlich, während Propaganda ausschließlich auf der Gegenseite verortet wird.

Die Ergebnisse der Untersuchung sind in der Studie „Der Propaganda-Multiplikator“ zusammengefasst. Wir publizieren im Folgenden die Einleitung und den ersten Punkt der Studie. Die gesamte Studie steht auf der Seite von Swiss Propaganda Research zum Download bereit.

Der Propaganda-Multiplikator:

Wie globale Nachrichtenagenturen und
westliche Medien über Geopolitik berichten

Eine Studie von Swiss Propaganda Research

Juni 2016

Einleitung: „Etwas Eigenartiges“

„Woher weiß die Zeitung, was sie weiß?“ Die Antwort auf diese Frage dürfte manchen Zeitungsleser überraschen: „In der Hauptsache bezieht sie ihr Wissen von Nachrichtenagenturen. Die nahezu anonym arbeitenden Nachrichtenagenturen sind gewissermaßen der Schlüssel zu den Ge­scheh­nissen in der Welt. Wer also sind die Nachrichtenagenturen, wie arbeiten sie und wer finanziert diese Unternehmen? All dies sollte man wissen, um sich ein Bild machen zu können, ob man auch wirklich über die Ereignisse in Ost und West zutreffend unterrichtet wird.“ (Höhne 1977, S. 11)

Ein Schweizer Medienforscher gibt deshalb zu bedenken: „Die Nachrichtenagenturen sind die „AktualiTäter“, sind die wichtigsten Stofflieferanten der Massenmedien. Kein tages­aktuelles Medium kommt ohne sie aus. So beeinflussen die Nachrichtenagenturen unser Bild von der Welt; wir erfahren vor allem das, was sie ausgewählt haben.“ (Blum 1995, S. 9)

Angesichts ihrer essentiellen Bedeutung erstaunt es umso mehr, dass diese Agenturen in der Öffentlichkeit kaum bekannt sind: „Einem Großteil der Gesellschaft ist nicht klar, dass es Nachrichtenagenturen überhaupt gibt … Dabei nehmen sie tatsächlich eine enorm wichtige Rolle auf dem Medienmarkt ein. Doch trotz dieser großen Bedeutung wurde ihnen in der Vergangenheit nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt.“ (Schulten-Jaspers 2013, S. 13)

Selbst der Vorsitzende einer Nachrichtenagentur wunderte sich: „Es ist etwas Eigenartiges um die Nachrichtenagenturen. Sie sind in der großen Öffentlichkeit wenig bekannt. Im Gegensatz beispielsweise zu einer Zeitung vollzieht sich ihre Tätigkeit nicht so stark im Scheinwerfer­licht, obwohl sie doch immer an der Quelle der Nachricht zu finden sind.“ (Segbers 2007, S. 9)

„Das unsichtbare Nervenzentrum des Mediensystems“

Wer also sind diese Agenturen, die „immer an der Quelle der Nachricht“ zu finden sind? Globale Agenturen gibt es inzwischen nur noch drei:

1. Die amerikanische Associated Press (AP) mit weltweit über 4000 Mitarbeitern. Die AP gehört US-Medienunternehmen und hat ihre Hauptredaktion in New York. AP-Nachrichten werden von rund 12 000 Medien genutzt und erreichen dadurch täglich mehr als die Hälfte der Welt­bevölkerung.

2. Die quasi-staatliche französische Agence France-Presse (AFP) mit Sitz in Paris und ebenfalls rund 4000 Mitarbeitern. Die AFP versendet pro Tag über 3000 Meldungen und 2500 Fotos an Medien in aller Welt.

3. Die britische Reuters in London, die privatwirtschaftlich organisiert ist und etwas über 3000 Mitarbeiter beschäftigt. Reuters wurde 2008 vom kanadischen Medienunternehmer Thomson – einer der 25 reichsten Menschen der Welt – gekauft und zu Thomson-Reuters mit Sitz in New York fusioniert.

Daneben gibt es noch diverse kleinere, nationale Nachrichtenagenturen. In den deutsch­sprachigen Ländern sind dies insbesondere:

– Die Deutsche Presse-Agentur (DPA), die als semi-globale Agentur über rund 1000 journalistische Mitarbeiter in circa hundert Ländern verfügt. Die DPA ist im Besitz von deutschen Medienverlagen und Rundfunkanstalten und hat ihre Hauptredaktion seit 2010 im Axel-Springer-Haus in Berlin.

– Die Austria Presse Agentur (APA) mit rund 165 Redakteuren. Die APA ist im Besitz von österreichischen Tageszeitungen und des ORF.

– Die Schweizerische Depeschenagentur (SDA) mit rund 150 Mitarbeitern, die im Besitz von Schweizer Medien­verlagen ist, darunter die Tamedia und NZZ-Gruppe sowie die SRG.

Die SDA und APA verfügen über kein eigenes Korrespondentennetz im Ausland. Stattdessen kooperieren sie mit der DPA und den globalen Agenturen, um Zugang zu den internationalen Nachrichten zu erhalten und damit ihre nationalen Medien über das Weltgeschehen zu informieren. Die DPA kooperiert ihrerseits eng mit der amerikanischen AP und besitzt die Lizenz zur Vermarktung der AP-Dienste im deutsch­sprachigen Raum.

Die Logos der drei Weltagenturen Reuters, AFP und AP, sowie der drei nationalen Agenturen in Österreich (APA), Deutschland (DPA) und der Schweiz (SDA).

Wolfang Vyslozil, der ehemalige Geschäftsführer der APA, beschrieb die Schlüsselrolle der Nachrichtenagenturen 2005 mit diesen Worten: „Nachrichtenagenturen stehen selten im Blickpunkt des öffentlichen Interesses. Dennoch sind sie eine der einflussreichsten und gleichzeitig eine der am wenigsten bekannten Mediengattungen. Sie sind Schlüssel­institutionen mit substanzieller Bedeutung für jedes Mediensystem. Sie sind das unsichtbare Nervenzentrum, das alle Teile dieses Systems verbindet.“ (Segbers 2007, S.10)

Die weiteren Punkte der Studie lauten:

Kleines Kürzel, große Wirkung

Die Rolle der Korrespondenten

„Was die Agentur nicht meldet, findet nicht statt“

„Fragwürdige Nachrichten einschleusen“

Wie die „New York Times“ berichtete…

Das gewünschte Narrativ

Fazit: Das „Erste Gesetz des Journalismus“

Fallstudie: Syrien-Berichterstattung

Fazit

Literatur

Um die gesamte Studie zu lesen, klicken Sie bitte bitte hier: https://swprs.org/der-propaganda-multiplikator/

Wir bedanken uns bei Swiss Propaganda Research für die aufschlussreiche Studie sowie für die freundliche Genehmigung zur Publikation der Teile daraus.

 

Kategorien: International, Kultur und Medien
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