Auf dem Weg zu einem globalen Streik gegen den Klimawandel

06.03.2019 - Quito, Ecuador - Dresden, Deutschland - Redacción Ecuador

Dieser Artikel ist auch auf Spanisch verfügbar.

Auf dem Weg zu einem globalen Streik gegen den Klimawandel

 

Interview mit #FridaysForFuture in „En la Oreja“, dem Radioprogramm von Pressenza aus Quito, Ecuador

Noch bevor die spanische Netflix-Serie „Casa de Papel“ das Lied „Bella Ciao“ wieder in Mode brachte, wurde in Belgien der Song „Sing for the Future“ mit der gleichen eingängigen Melodie aufgenommen, der unseren Radiobeitrag einleitet. Es ist ein Song für das Klima und für die Zukunft mit der Botschaft, dass wir etwas unternehmen müssen, um eine Klimakatastrophe auf unserem Planeten zu verhindern und in Belgien wurde er 2012 zur Hymne der Klimabewegung. Auch heute steht Belgien an der Vorderfront der Klimabewegung, dort streiken Schüler und Studenten unter dem Motto #YouthForClimate seit Monaten jeden Donnerstag, zusammen mit Deutschland, wo die Jugend immer Freitags unter dem Motto #FridaysForFuture für das Klima streikt. Wir haben also unsere Kontakte nach Deutschland aktiviert, um einen jungen Klimaaktivisten zu finden, der uns auf Spanisch erzählen kann, was die Schüler dort machen, was sie denken und wie sie sich organisieren.

Das Audiofile gibt unser Interview mit Marlon Araque, einem Schüler aus Dresden, in der Originalsprache Spanisch wieder, hier folgt die deutsche Übersetzung:

Wir sind eine Gruppe von Schülern und Studenten. Alles begann in Schweden mit Greta Thunberg, einer 16-jährigen Schülerin, die die Bewegung in ihrer Schule begann und dann zum schwedischen Parlament ging, um für das Klima zu kämpfen.

Und das hat auch andere Schüler an anderen Orten, wie z.B. in Deutschland, inspiriert. Erzähl uns, wie organisiert Ihr Euch, was macht ihr Freitags?

Wir organisieren die Demonstrationen und in vielen Städten gibt es bereits lokale Gruppen, die sich wiederum selbst organisieren und auch ihre eigenen Demonstrationen durchführen. Jede Gruppe hat eine Person, die auch in der Deutschlandweiten Gruppe ist, dort treffen sie gemeinsam die Entscheidungen und koordinieren sich auch mit anderen Ländergruppe, zum Beispiel eben mit Belgien, aber auch in Frankreich und in Schweden es gibt schon sehr große Bewegungen. Und es gibt einige Länder, die jetzt ebenfalls damit beginnen, ihre eigenen Bewegungen zu gründen, wie zum Beispiel in den Vereinigten Staaten und Australien.

Was ist es genau, das Ihr fordert? Was ist die Agenda dieser Schülerbewegung, die in ganz Europa und auch außerhalb Europas wächst und wächst?

Wir wollen die Politik einiger Regierungen ändern, wie z.B. der deutschen Regierung, um den Klimawandel zu stoppen, auch um die Förderung von Erdöl zu stoppen. Und wir wollen, dass Regierungen auf der ganzen Welt eine grünere, ökologischere Politik machen.

Es handelt sich also um eine Kampagne zur Sensibilisierung der Regierungen und, wie ich mir vorstellen kann, auch der Unternehmen, die die größten Umweltverschmutzer sind.

Ja genau, das gilt auch für die großen Ölkonzerne und die Automobilindustrie.

Wie war die Reaktion, zumindest in Deutschland, denn es scheint, dass bei Euch die Bewegung schon sehr viel an Kraft gewonnen hat und das auch weiterhin tut? Gibt es eine Art Reaktion, von Unterdrückung, von Ablehnung, von Offenheit, von Dialogmöglichkeit, was tun die Regierungen oder die Unternehmen, wie haben sie reagiert?

Tatsächlich sind die Reaktionen unterschiedlich, einige Kommunalverwaltungen, wie die in Berlin, halten es für eine gute Aktion, sie unternehmen nichts dagegen und lassen die Schüler marschieren. Es gibt aber auch andere Regionen, in denen die Schüler unter Repressionen litten und manche Geldbußen zahlen mussten. Einige verließen sogar ihre Schulen wegen der Repressalien. Aber die deutsche Regierung hat sich bis jetzt nicht klar geäußert, ob sie diese Bewegung will oder nicht. Sie haben nicht gesagt, dass es eine schlechte Aktion ist. Die Regierungschefin Angela Merkel gilt als „Kanzlerin für das Klima“, aber das ist nicht der Fall. Deshalb wollen sie nichts Schlechtes über die Bewegung sagen, aber sie helfen auch nicht. (Anm. der Übersetzung: das Interview wurde vor der Ankündigung Angela Merkels, dass sie die Schülerstreiks unterstütze, geführt. Inzwischen gab es dieses Zugeständnis der Kanzlerin, das wohl als Reaktion auf den großen Erfolg der Schülerstreiks kam, um nicht als Klimagegner dazustehen).

Ihr seid alle Schüler der Sekundarstufe, nicht wahr?

Ja, aber es sind auch Kinder mit 5, 6, 7 Jahren dabei, und auch Erwachsene mit 25 Jahren, aber die meisten von uns sind zwischen 15 und 20 Jahre alt.

Es ist also eine Bewegung sehr junger Menschen, die mit Nachdruck auf sich aufmerksam machen, denn ihr demonstriert ja schon seit Längeren und es werden immer mehr und mehr. Ich habe noch eine Frage, Marlon, gibt es unter den Jungen und Mädchen der verschiedenen Länder Europas eine Art Koordination oder entsteht alles direkt in jedem Ort in jedem Land, wie man sich eben gerade organisieren kann?

Die nationalen Gruppen sind alle unterschiedlich organisiert, aber es gibt auch eine globale Kommunikation von #FridaysForFuture, wo sie die Aktionen für den kommenden 15. März koordinieren. Zum Beispiel wird es eine globale Aktion geben, bei der alle Länder, in denen es die Bewegung schon gibt, nicht zur Schule gehen, sondern vor das jeweilige Parlament, um für eine umweltfreundlichere Politik zu demonstrieren.

Marlon, glaubst du, dass diese Bewegung ihren Wachstumstrend fortsetzen wird und dass sie wirklich Auswirkungen haben kann? Wie siehst Du die Bewegung, wie erlebst Du sie, denn Du bist ja mittendrin, wie siehst Du die Dinge aus Deiner Perspektive?

Im Moment haben wir viele gute Aktionen, die auch einen großen Einfluss zeigen. In Belgien zum Beispiel musste die Umweltministerin zurücktreten, weil sie behauptet hatte, dass #FridaysForFuture eine Sache von Russland und Putin oder so etwas sei. Ich denke, dass die Bewegung immer mehr Schüler und Studenten gewinnen wird, weil inzwischen auch im Fernsehen darüber berichtet wird und immer mehr junge Leute #FridaysForFuture kennenlernen und sie deshalb weiter wachsen wird. Greta Thunberg war beim Forum in Davos und auch in Katowice in Polen, wo die Klimakonferenz der Vereinten Nationen stattfand. Ich hoffe sehr, dass die Bewegung auch in Ecuador und ganz Lateinamerika Fuß fassen wird, bis jetzt gibt es nur Gruppen in Uruguay und in Brasilien.

Zum Schluss noch, bevor ich dir die letzte Frage stelle, wie alt bist Du?

Fünfzehn Jahre.

Fünfzehn Jahre! Es ist uns eine wahre Freude, Dich als Gast zu haben, der jüngsten Interviewpartner, den wir je hatten, Du stellst einen Rekord in diesem Programm auf und wir sind begeistert, dass junge Menschen sich Gedanken darüber machen, worüber sich alle Gedanken machen sollten, also darüber, welchen Planeten wir haben werden, was wir der nächsten Generation hinterlassen. Deshalb finde ich es schön, Dir zuzuhören und dass unser Publikum Dir zuhört. Ich wollte Dich noch fragen, wenn es auf dem lateinamerikanischen Kontinent Jungen und Mädchen gibt, die sich mit Euch in Verbindung setzen wollen, können sie Euch auf Google suchen und herausfinden, wie man Kontakt aufnimmt?

Ja, es gibt auch eine globale Website www.fridaysforfuture.org und wir sind auch in den sozialen Netzwerken präsent: Facebook, Twitter, Instagram und Youtube.

Vielen Dank für das Interview im Namen der gesamten Pressenza-Redaktion!

Das Interview wurde im wöchentlichen Radioprogramm von Pressenza „En la Oreja“ (zu deutsch: „Ins Ohr“) live aus Quito, Ecuador am 1. März 2019 auf Radio Pichincha Universal ausgestrahlt.

Übersetzung aus dem Spanischen von Evelyn Rottengatter

Kategorien: Europa, Interviews, Jugend, Ökologie und Umwelt, Radio
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