„Give bees a chance!“ Auf geht’s zum Volksbegehren „Rettet die Artenvielfalt“ – nicht nur in Bayern

06.02.2019 - Pressenza Muenchen

„Give bees a chance!“ Auf geht’s zum Volksbegehren „Rettet die Artenvielfalt“ – nicht nur in Bayern
(Bild von Michael Schrödl)

In Bayern ist die Frist zu Eintragung für ein Volksbegehren zur Rettung der Artenvielfalt erfolgreich gestartet. Zwischen dem 31. Januar und dem 13. Februar können sich bayerische Wählerinnen und Wähler in ihren Rathäusern dafür eintragen. Um das Volksbegehren auf den Weg zu bringen, werden 10% aller Wahlberechtigen benötigt, was etwa 1 Millionen Unterschriften entspricht. Nach aktuellem Stand haben sich bereits 500.000 Menschen eingetragen. Wir publizieren einen Bericht von Michael Schrödl, der auf Change.org die Petition „Artenvielfalt erforschen, Artensterben stoppen!“ gestartet hat.

 

„Give bees a chance!“ Auf geht’s zum Volksbegehren „Rettet die Artenvielfalt“ – nicht nur in Bayern

Von Michael Schrödl 

2. Februar 2019 – Gibt es bei aller Klima- und Umweltignoranz, bei allem Konsumkoma und Feinstaub-Wahnsinn doch eine persönliche „so nicht!“-Grenze, eine aufwachende kritische Masse hin zum Guten, Kipppunkte von Gesellschaften hin zum Positiven? Es sieht so aus!

Gestern Nachmittag war ich auf dem Münchner Marienplatz, um kurz mit den Organisatoren des bayerischen Volksbegehrens „Rettet die Artenvielfalt“ (Eintragung 31.01. bis 13.02.2019, alle Infos hier) zu sprechen. Tausende waren dort, um sich im Rathaus einzutragen!

Die Bienenrettungs-Schlange war lang, das enorme Interesse unübersehbar! Quer über den Marienplatz schlängelten sich Wartende, doch es ging flott voran, maximale Wartezeit 15 Minuten. Spontan zog ich mir die orange Warnweste mit dem Motto des Volksbegehrens „Rettet die Bienen!“ an und half als „Rathauslotse“, bis um 20 Uhr die Schalter schlossen. Klar hatte ich was anderes zu tun, aber ich konnte mich einfach nicht losreißen vom Anblick so vieler Leute, die bereitwillig ein paar Minuten ihrer Zeit opferten, um die Forderungen für ein besseres Naturschutzgesetz in Bayern zu unterstützen.

Da waren Leute von genau 18 bis weit über 80, Leute wie Du und ich, bärtige Biobauern, Jeans- und LodenträgerInnen, werdende Mütter und Omas und Opas samt Großfamilie, ein bunter Mix von schlicht bis schick, inklusive Menschen im business-outfit und aufgebrezelte party-people. Es gab Leute, die mich Löcher in den Bauch fragten und viele, die sich ausdrücklich für die Organisation bedankten und der guten Sache viel Erfolg wünschten. „Wir müssen das schaffen!“. Ja, müssen wir! Kurz, es war ein Fest der Hoffnung auf eine gute Zukunft für uns alle. Es war eine Freude und eine Ehre, ein bisschen mithelfen zu dürfen!

Ob die Zeit reif ist? Ob die Menschen endlich genug haben von Umweltzerstörung und Ignoranz auf Kosten der Natur und der Zukunft unserer Kinder? Es sah gestern ganz so aus!

„Give bees a chance!“ Das ursprünglich von der ÖDP initiierte Volksbegehren ist überparteilich, es wird u.a. von den Grünen, den Linken, der SPD und auch von einigen Politikern und Ortsverbänden der CSU unterstützt. Der Bischof von Bamberg und etliche weitere Kirchenvertreter rufen zum Volksbegehren auf – auch der Papst plädierte ja in „Laudato si“ leidenschaftlich für den Erhalt der Schöpfung. Vielerlei Naturschutzverbände ziehen endlich an einem Strang und auch der mitgliederstarke Alpenverein ist dem Volksbegehren inzwischen gewogen. Als auch noch die BILD-Zeitung positiv berichtete, dachte ich mir, die Zeiten von maßlosen Profitgeiern, rücksichtslosen Umweltvergiftern und zynischen „nach mir die Sintflut“-Praktikern gehen wirklich zu Ende: Artenschutz, als Symbol und Grundlage einer vielfältigen Natur und lebenswerten Zukunft für uns alle, ist in der gesamten Gesellschaft angekommen.Das Wohl von Bienchen und Blümchen wird massentauglich. Die Stimmung kippt, hin zur Erhaltung unserer Lebensgrundlagen!

Ein Wunder? Vor gut einem Jahr, als Vreni Häussermann und ich das Kunstwort „BiodiversiTOT“ für die bedrohte Vielfalt, die Biodiversität, erfanden, wäre das alles undenkbar gewesen. Notwendig? Absolut! Lesen Sie bitte mein Interview zur Lage der Natur und der Welt, wie wir sie noch kennen auf  www.rubikon.news/artikel/rettet-die-artenvielfalt.

Natürlich reicht das Volksbegehren in Bayern nicht, um die große weite Welt zu retten. Und natürlich müssen wir endlich auch die Natur erforschen, um zu wissen, was wo und wie lebt, als System funktioniert und zu erhalten ist. Aber es ist, nach Jahrzehnten der Naturzerstörung, endlich ein erster, großer Schritt in die richtige Richtung! Ein gemeinsamer Schritt, der Laune und Mut macht! Ein demokratischer Schritt, der hoffentlich bald auch in anderen Bundesländern gegangen wird und die Politik und Wirtschaft bei uns und woanders vor sich hertreiben wird – in Richtung Ökologie und Nachhaltigkeit!

 

Professor. Dr. Michael Schrödl ist Artenforscher und lehrt an der Zoologischen Staatssammlung in München. Sein Buch „Die Natur stirbt“ ist ein dramatischer Appell, der das Verschwinden von Tausenden von Lebensarten der Flora und Fauna dokumentiert. Das Bienensterben vor unserer Haustür ist nur ein kleiner Ausschnitt des zerstörerischen Verdrängungsprozesses weltweit.

Weitere Infos zu Professor Dr. Michael Schrödl: www.biodiversitot.de und www.unsere-natur-stirbt.de

Alle weitere Infos zum Volksbegehren: https://volksbegehren-artenvielfalt.de

Kategorien: Europa, Ökologie und Umwelt, Video
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