Ein wahrer Tierfreund isst keine Tiere

29.08.2018 - Deutsche Welle

Ein wahrer Tierfreund isst keine Tiere
(Bild von picture-alliance / dpa / M. Wüstenhagen)

Während wir den geliebten Hund streicheln, essen wir das Rind. Wir diskriminieren die eine Art und werten die andere auf. Klingt vertraut? Genau! Wir sprechen allerdings nicht von Rassismus, sondern von Speziesismus.

Als ich vor 18 Jahren aufgehört habe Fleisch zu essen, geschah das vor allem aus einem Grund: Ich wollte keinen Unterschied mehr machen zwischen meinen Haustieren, die ich innig geliebt habe und dem namenlosen Wesen, das zerstückelt auf meinem Teller lag.

Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, dass ich sie alle aufgegessen hätte. Mein Pferd genauso wie das zur Bratwurst modellierte Schwein. Ich habe mich gefragt: Kann ein wahrer Tierfreund überhaupt irgendein Tier essen? „Nein“, sagt Gabriela Kompatscher, Latinistin und Wissenschaftlerin der interdisziplinären Forschungsgemeinschaft Human-Animal Studies.

Linguisten, Historiker, Philosophen, Psychologen und Naturwissenschaftler versuchen innerhalb der Human-Animal Studies die Entwicklung der menschlich-tierischen Beziehung nachzuvollziehen. Unter anderem befassen sich die Forscher mit dem höchst ambivalenten Verhalten, das Menschen den verschiedenen Tierarten gegenüber an den Tag legen.

Tierliebe hat enge Grenzen

Wir streicheln unseren Hund, während wir das Steak essen. Es ist ein von sogenanntem Speziesismus geprägter Blick, den wir auf Tiere haben: Die einen lieben wir, die anderen essen wir, es ist eine Diskriminierung aufgrund der Art, der das Tier angehört. Speziesimus ist nach einer Definition des australischen Philosophen Peter Singer analog zum Rassismus oder Sexismus zu verstehen. Das Unglück der Kuh besteht allein darin, nicht als Hund geboren worden zu sein.

Tausende Hühner, eingepfercht in einem Stall. Gut findet das kaum einer. Aber schlimmer wär’s, wenn’s Katzen wären (Bild von picture-alliance / dpa / J. Woitas)

Erschöpft sich die Daseinsberechtigung der Tiere darin, dem Menschen zu dienen? Als Nahrung, zur Unterhaltung, als Versuchskaninchen? Oder haben Tiere nicht auch um ihrer Selbst willen ein Recht auf Leben? Und schließlich: Ist der Mensch dem Tier eigentlich so überlegen, wie er selbstverständlich annimmt?

Die Human Animal Studies sind zwar ein relativ junger Forschungsbereich. Die Fragen, denen die Wissenschaftler nachgehen, sind indes alles andere als neu. Kompatscher ist außerordentliche Professorin an der Universität Innsbruck und durchforstet als Latinistin mittelalterliche und antike Texte nach Hinweisen auf das frühere Mensch-Tier-Verhältnis.

Die Krone der Schöpfung?

Geteilter Meinung war man schon damals. Der vorherrschenden These der Antike, die dann auch von den frühen Christen so übernommen wurde, alles, auch die Tiere, sei für den Menschen da und stünden zur freien Verfügung, widersprach der Philosoph Kelsos (lat. Celsus). Er räumte den Tieren dasselbe Recht auf Leben und Nutzung natürlicher Ressourcen ein wie den Menschen.

Biologisch gesehen habe der Speziesismus durchaus Sinn ergeben, sagt Kompatscher. „Die Überhöhung der eigenen Art bei gleichzeitiger Abwertung anderer Arten, schützt erstmal….. Weiterlesen

 

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Kategorien: Europa, Humanismus und Spiritualität, Nichtdiskriminierung, Ökologie und Umwelt
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