Diese Wirtschaft tötet!

29.08.2018 - Ursula Mathern - Pressenza Berlin

Dieser Artikel ist auch auf Spanisch verfügbar.

Diese Wirtschaft tötet!
(Bild von romaniamissions | pixabay CC0 cropped)

Von Tag zu Tag wird es offensichtlicher, dass „Diese Wirtschaft tötet!“, wie Papst Franziskus es formulierte: Hierzulande wie global wird die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer, der Klimawandel schreitet voran.

Aber statt die drängenden Probleme anzupacken, was von einer verantwortungsbewussten Regierung zu erwarten wäre, setzt diese alles daran, das System samt seiner Wachstums- und Profitlogik am Laufen zu halten. Kriege um Einflusssphären, Ressourcen und Absatzmärkte, neues Wettrüsten mit steigenden Rüstungshaushalten, gewinnträchtige Rüstungsexporte, die andernorts für neues Unheil sorgen.

Menschen interessieren dabei nicht. Nicht die Flüchtlinge, deren Tod im Mittelmeer mittlerweile billigend in Kauf genommen wird. Nicht diejenigen, denen es trotz aller Hürden gelungen ist, bis hierher zu kommen, und die sich nun seit Monaten als Zielscheiben von Hetze erleben müssen und möglichst schnell wieder abgeschoben werden.

Nicht diejenigen, die mittels Hartz IV bereits lange vorher ins Abseits manövriert wurden. Nicht diejenigen, die trotz Erwerbstätigkeit „aufstocken“ müssen, weil der Lohn nicht reicht. Nicht diejenigen, für die der Druck am Arbeitsplatz immer unerträglicher wird. Nicht die zunehmende Zahl derer, deren Rente zum Leben nicht reicht.

Die Mieten steigen, insbesondere in den Ballungsgebieten. Schon jetzt machen die Sozialausgaben einen großen Teil der kommunalen Haushalte aus, sodass fraglich ist, wie lange sie diese noch aufbringen werden können.

Vor allem die Armen werden gegeneinander in Stellung gebracht. Sie müssen konkurrieren um bezahlbaren Wohnraum und um Arbeit, deren Sinngehalt und Nutzen zum Teil schon lange nicht mehr einsehbar ist, wenn sie nicht gar völlig destruktiv ist.

Kein Wunder, dass die AfD enorme Stimmengewinne zu verzeichnen hat.

Aufgerüstet werden Polizei und Überwachung!

Ebenso wenig interessiert die Erde, die doch unser aller Lebensgrundlage ist. (s. den Einsatz von Pestiziden u. ä., den Dieselskandal). Seit dem 2. Mai bereits leben wir hierzulande ökologisch auf Kredit, d. h. die uns zustehenden Ressourcen sind längst aufgebraucht. Die Hitze dieses Sommers, Ernteeinbußen, vertrocknete Felder, aufgerissenes Erdreich selbst in unseren gemäßigten Zonen lassen erahnen, wie es aussieht in Regionen, die bereits erheblich stärker vom Klimawandel betroffen sind. Viel Zeit bleibt nicht mehr, um die Folgen zumindest noch abzumildern.

Derweil sind nun zehn Jahre her, seit die Lehmannpleite den Anfang für ein weltweites Bankenbeben machte. „Too big to fail“, hieß es. Die Banken wurden auf Kosten der SteuerzahlerInnen gerettet. Die hochheiligen Versprechen, das Finanzwesen zu regulieren, wurde schnell zu den Akten gelegt. Das Zocken begann von neuem. Die Frankfurter Allgemeine schrieb am 19. April, „Die globalen Schulden haben ein Rekordniveau erreicht und entsprechen 225 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Damit ist die Welt höher verschuldet als 2009, als die globale Finanzkrise auf den öffentlichen und privaten Haushalten lastete“ (Tiefer in den roten Zahlen als nach der Finanzkrise).

Natürlich entsprechen diesen Schulden Vermögen in gleicher Höhe, die händeringend nach rentablen Anlagemöglichkeiten suchen und unter anderem in der Privatisierung öffentlicher Güter finden. Doch der nächste Crash wird unweigerlich kommen.

Fazit: Es ist nicht mehr damit getan, hier und da an ein paar Stellschräubchen zu drehen! Wer immer Kinder und Enkelkinder hat, muss sich für eine grundlegende Transformation unseres Weltwirtschaftssystems stark machen. To be or not to be, that’s the question! In den Schoß fallen wird sie uns freilich nicht.

Kategorien: Menschenrechte, Wirtschaft
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