Die Epoche ist richtungsweisend

20.12.2017 - Pía Figueroa

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Griechisch verfügbar.

Die Epoche ist richtungsweisend

Historische Momente sind wie große Schiffe, in denen wir reisen, manchmal sogar, ohne es zu bemerken. Ihre Richtung ist maßgebend und der Versuch, sie aus den kleinen Kabinen heraus, in denen wir uns befinden, verändern zu wollen, scheint illusorisch. Dazu bedarf es eines kräftigen Impulses von außen, oft eines Schocks, einer irreversiblen Veränderung, und manchmal ist es auch notwendig, dass sich verschiedene Akteure zusammentun und neue Überzeugungen Eingang finden; und es braucht eine mobilisierende Mystik, damit die nötige Kraft aufgebracht werden kann, um den Kurs der Epoche zu ändern.

Üblicherweise zwingen sich zunächst die Formen, Werte, Bestrebungen, Fahnen und Themen auf, die in Mode sind, und die vom epochalen Horizont aus wahrgenommen werden können.

So zumindest ist es in einer Welt, die von der Macht des Geldes, von Diskriminierung, Gewalt und Marginalisierung geprägt ist, in der eine riesige Distanz die große Mehrheit von ihren eigenen Möglichkeiten trennt und gleichzeitig eine immer kleiner und reicher werdende Elite begünstigt. In einer Welt, die von beinahe grotesken Führern regiert und von Ultra-Rechten unterstützt wird, ist es nicht verwunderlich, dass ein kleines lateinamerikanisches Land, das den globalen Tendenzen hinterherhinkt, sich dem gleichen Trend anschließt, dem der Rest des Kontinentes bereits folgt. Chile wählte für seine unmittelbare Zukunft einen Machthaber, der zu den besten Freunden von Macri, Temer, sicherlich auch von Macron und warum nicht auch von Trump zählt.

Sebastián Piñera repräsentiert perfekt die Art von Präsident, die derzeit die Region anführt und die verspricht, die gleiche Politik wie in der gesamten Nachbarschaft zu betreiben, so dass wir bereits jetzt wissen, wie sie in den nächsten vier Jahren ausgerichtet sein wird und welchen Rückschritt sie für das Land bedeutet. Die 54,58% der Chilenen, die an den Wahlen teilnahmen, überraschten die Analysten mit der einfachen Tatsache, dass sie der neoliberalen, christlichen, militaristischen, extraktiven Tendenz und ihrem „freien“ Markt ihr Vertrauen schenkten, eine Tendenz, die bereit ist, sozialen Rechte hinwegzufegen und offene Fremdenfeindlichkeit zu verbreiten, und zwar nach dem überall in den letzten Jahren vorherrschenden Modell.

Diejenigen von uns, die eine humanistische, integrative, gewaltfreie, umverteilende und dezentralisierte Welt wollen, in der die Gesamtheit aller einen positiven Einfluss auf das Individuum ausübt und in der das Kollektiv gewichtiger als der Einzelne ist, werden sich an unsere größte Inspirationsquelle wenden müssen, um weiter für die Zukunft zu arbeiten und für die Umgestaltung der Bedingungen, die in diesem Moment herrschen.

Glücklicherweise ist eine neue Kraft in der Lage, sich einen Weg zu bahnen, von unten, ausgehend von der Basis, aus sozialen Bewegungen und aufstrebenden Strömungen heraus. Es sind Umweltschützer_innen, Feministinnen, Tierschützer_innen, Verfechter_innen der Rechte der Indigenen, Lehrer_innen und Rentner_innen, die die AFP (chilenisches Rentenversicherungssystem Anm.d.Ü.) nicht mehr wollen, Studierende und viele andere, mit denen die Humanisten seit fast einem Jahr versuchen, den Impuls der Freiheit zu kanalisieren und so dieser breiten Front (Frente Amplio, politisches Wahlbündnis in Chile, Anm.d.Ü.) politische Gestalt zu geben. Es ist immer noch ein zerbrechliches Bündnis, jung, aber bereits mit einer beachtlichen Vertretung im Parlament, die als entschlossene Opposition der neuen Regierung entgegenzutreten vermag, die weiter wachsen wird, und mit aller Entschlossenheit voranschreitet, um genau dann mit aller Kraft zu handeln, wenn sich diese neue Epoche für alle sichtbar abzeichnet.

Übersetzung aus dem Spanischen von Reto Thumiger

Kategorien: Meinungen, Politik, Südamerika
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