Menschen, keine Maschinen – Pflegende erstatten bundesweite Gefährdungsanzeige

13.05.2017 - Berlin, Deutschland - Johanna Heuveling

Menschen, keine Maschinen – Pflegende erstatten bundesweite Gefährdungsanzeige

Wenn man die bunte Menge der heute am Brandenburger Tor versammelten Pflegekräfte sah, fiel es schwer, sie sich als überarbeitete, demotivierte und ausgebeutete Maschinen vorzustellen, als die sie sich, laut Aussage des Präsidenten der Landespflegekammer Rheinland Pfalz, Markus Mai, oft fühlten. Hier in der heißen Frühlingssonne zeigten sie kreativ und laut, dass die Politik endlich tätig werden müsse, denn sie könnten unter diesen Bedingungen die Verantwortung für ihre Patienten nicht mehr übernehmen.

„Wir sind keine Maschinen, sondern in erster Linie Menschen“, sagte Mai und erklärte, dass Pflege ja kein Selbstzweck sei, sondern dass sie diesen Beruf einmal gewählt hätten, um bedürftigen Menschen zu helfen. Dies sei aber unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht mehr zufriedenstellend möglich und führe daher zu Demotivation und dem Gefühl des Ausgebeutetwerdens. Und auch zu Fehlern, die sich negativ auf die Patienten auswirkten.

Es gäbe einen alarmierenden Fachkräftemangel, so sagte mir Marcus Jogerst-Ratzka von Pflege in Bewegung. Das sei ein deutlicher Parameter dafür, dass das jetzige Pflegesystem nicht funktioniere. Die Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen könnten ihre Stellen nicht mehr besetzen. „Die Politik muss jetzt endlich etwas unternehmen, sonst fährt das ganze System an die Wand.“

Mehr Geld und mehr Selbstbestimmung

Der Forderungskatalog enthält bundesweit einheitliche Qualitätsstandards, Personalbemessung, Tarife, Ausbildungsstandards, Pflegeleistungs- und Bewilligungsmanagement. Dazu eine Selbstverwaltung, also eine Bundespflegekammer, und einheitliche Kontrollen der Pflegequalität. Die bundesweite Gefährdungsanzeige geht von Pflegekräften zusammen mit pflegenden Angehöriger aus. Denn diese, die zwei Drittel der Pflege in Deutschland übernehmen, leiden genauso unter dem schlechten System.

Zum einen müsse mehr Geld in das Pflegesystem eingespeist werden, ein voll umfängliches Re-Finanzierungsgesetz solle entweder über eine Pflegevollversicherung oder Steuern die Finanzierung sichern, zum anderen müsse aber auch die Verteilung geändert werden. Und sie wollen als Pflegende viel mehr Mitsprache als bisher. „Nicht Krankenkassen oder Politik sollen darüber bestimmen, was gute Pflege ist, sondern die Pflege sollte das, wie jede andere Berufsgruppe auch, selbst tun“, so Jogerst-Ratzka. Sie seien die Experten, die über Qualitätsstandards und ethische Fragen mit entscheiden sollten.

Gute Pflegekräfte müssen klug und gut ausgebildet sein

„Wir wollen nicht in Zustände des 19.Jahrhunderts zurückfallen“, heißt es auf der Kundgebung und als leuchtendes Beispiel dient Florence Nightingale, die an diesem Tag ihren 197. Geburtstag hatte. Yvonne Falckner vom CareSlam erklärt, diese habe als Begründerin der modernen Krankenpflege nicht nur Erfahrungswissen eingebracht, sondern auch Erkenntnisse aus der Wissenschaft. Damit hat sie gezeigt, wie klug und gut ausgebildet Pflegende sein müssen und wie wichtig und anspruchsvoll diese Arbeit ist. Enttäuscht äusserte sich Mai dazu, dass relativ wenige Pflegekräfte sich an diesem Protesttag eingefunden hätten und forderte, dass sie sich viel mehr als bisher in den Meinungsbildungsprozess einbringen sollten und ihr Wissen und ihre Sorge der Öffentlichkeit zugänglich machen sollten.

Stolz waren die Veranstalter auf das Sammeln von 8500 Unterschriften für die bundesweite Gefährdungsanzeige, die sie am Nachmittag im Gesundheitsministerium überreichten. Bei der Kundgebung am Brandenburger Tor waren auch Politiker_innen anwesend, so Mechthild Rawert von der SPD, Bernd Riexinger von den Linken und Elisabeth Scharfenberg von den Grünen. Farbe und Kreativität gaben die Plakate und Auftritte von Pflege am Boden, CareRevolution und Pflege in Bewegung. Und am Abend wurde der Protest noch mit einem CareSlam gekrönt.

Kategorien: Europa, Gesundheit, Unkategorisiert
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