Manchester und der Teufelskreis der Gewalt und Rache

24.05.2017 - Anna Polo

Dieser Artikel ist auch auf Spanisch, Italienisch, Griechisch verfügbar.

Manchester und der Teufelskreis der Gewalt und Rache

Das grauenhafte Drehbuch wiederholt sich erneut: in Manchester weinen unschuldige Familien über den Verlust ihrer unschuldigen Kinder, getötet von einem Jungen im selben Alter. Im Mittleren Osten passiert das gleiche Drama, aber während uns die Medien mit jedem furchtbaren Detail des ersteren versorgen, inklusive entsetzlicher Fotos und Twitter-Appellen, schwiegen sie zum zweiten, zu den von Bomben des Westens und seiner Alliierten vernichteten Leben. Jene Bomben, die – das gab selbst Obama in einem Interview für Vice News im März 2015 zu – den Hauptgrund für das Erstarken von Al Quaida und ISIS sind. Die Millionen Toten, die durch den Irak Krieg, dem sogenannten Krieg gegen den Terror, starben und die nach einer Studie von Physicians for Social Responsibiliy (Ärzte für soziale Verantwortung) vom März 2015 insgesamt 220.000 getöteten Menschenleben in Afghanistan sind weit weg und anonym, sie schaffen es nicht auf die Titelseiten und in die Schlagzeilen, und deshalb ist es auch einfach, sie zu vergessen. Und vor allem ist es so auch einfach, den Zusammenhang und den Vergleich mit den örtlich näher gelegenen Toten in Manchester, London, Berlin, Nizza und Paris zu vermeiden.

Wie immer in diesen Fällen werden Krokodilstränen vergossen: als Trump auf dieses abermalige, schreckliche Massaker reagierte, indem er erklärte, dass „die perverse Ideologie der Terroristen ausgelöscht gehört und unschuldige Leben beschützt werden müssen“, dachte er vielleicht dabei mit zynischer Zufriedenheit eines Geschäftsmannes an das 110 Milliarden Dollar schwere Waffengeschäft, dass er gerade mit Saudi Arabien abgeschlossen hat, einem Land, das von vielen als gar nicht mal so okkulter Sponsor von ISIS benannt wird? Hat er, wie auch die anderen amerikanischen Präsidenten vor ihm, einen einzigen Gedanken an die unschuldigen Menschenleben verschwendet, die durch erbarmungslose Bombardements seines Landes in Irak, Afghanistan und Syrien ausgelöscht wurden (von dem noch weiter entfernten, aber niemals vergessenen Krieg in Vietnam gar nicht erst zu sprechen)?

Wenn Theresa May von den Toten und den Verletzten in den Krankenhäusern spricht und bekräftigt, dass „die Terroristen niemals gewinnen werden. Unsere Werte und unsere Lebensart werden immer gewinnen“, wenn sie ein neues Attentat für wahrscheinlich hält und das Land dazu auffordert, sich auf weitere schwierige Momente vorzubereiten, tut sie das aus aufrichtig gefühlter Trauer gegenüber den Opfern oder aus taktischem Kalkül angesichts der bevorstehenden Wahlen am 8. Juni? Das Vereinigte Königreich hätte viele Attentate verhindern können, wenn es sich nicht an vielen blutigen und illegalen Kriegen beteiligt hätte, angefangen beim Irak-Krieg. Aber es ist ja bekannt, dass sich als starker und resoluter Anführer zu präsentieren, dem die Sicherheit des eigenen Landes am Herzen liegt, die Ängste der Wählerschaft zu schüren und zu hoffen, dass eine verängstigtes und erschüttertes Volk sich von dieser Scheinheiligkeit verführen lässt, eine Strategie ist, die sich leider nur allzu oft als erfolgreich herausgestellt hat.

Im Jahre 1962 stellte Bob Dylan in seinem berühmten Lied „Blowing in the wind“ Fragen, die heute immer noch gültig sind:

„Wie oft müssen noch Kanonenkugeln fliegen,

bevor sie für immer verbannt werden?

Wie viele Ohren braucht ein Mensch,

bevor er die anderen weinen hört?

Und wie viele tote Menschen braucht es noch, bis er erkennt,

dass zu viele Menschen gestorben sind?“

Die Antwort, sagte Dylan, bläst der Wind. Werden wir es schaffen, sie zu hören und endlich den Teufelskreis der Gewalt und Rache zu durchbrechen?

Übersetzung aus dem Italienischen von Evelyn Rottengatter

Kategorien: Frieden und Abrüstung, Meinungen
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