Honduras: Berta ist nicht gestorben, sie hat sich multipliziert

06.03.2017 - Evelyn Rottengatter

Dieser Artikel ist auch auf Italienisch verfügbar.

Honduras: Berta ist nicht gestorben, sie hat sich multipliziert
(Bild von Democracy Now!)

„Berta no murió, se multiplicó“ – mit diesen oder ähnlichen Worten wird in diesen Tagen überall in Lateinamerika der Umweltaktivistin und Bürgerrechtskämpferin Berta Cáceres gedacht, die vor einem Jahr, in der Nacht zum 3. März 2016, in ihrem Haus in La Esperanza, Honduras ermordet wurde.

Acht Verdächtige, darunter ein aktives und zwei ehemalige Mitglieder des Militärs, sind im Zusammenhang mit dem Mord festgenommen worden, bis jetzt kam es jedoch zu noch keiner Verurteilung. Hunderte von Menschen protestierten anlässlich des Jahrestages vor dem Gebäude des höchsten Gerichts in der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa für Gerechtigkeit für Berta und über weitere 150 Umweltaktivisten, die seit 2009 allein im Aguan Valley ermordet worden waren.

Berta war Mitbegründerin der Organisation COPINH (Consejo Cívico de Organizaciones Populares y Indígenas de Honduras), die sich für Menschenrechte und im Besonderen die Rechte der indigenen Bevölkerung einsetzt, die direkt von neoliberalem Raubbau an der Natur und Unterdrückung durch ein extrem patriarchales System leiden, das vor allem auch Frauen missachtet. Berta war beides, Frau und Indigene. Und sie leistete Widerstand.

Sie kämpfte hauptsächlich für den Fluss ihrer Heimat, den Río Gualcarque, der durch das Agua Zarca Hydroelectric Dam – Projekt bedroht war, aber auch gegen andere von internationalen Geldgebern finanzierte invasive Projekte. Laut einem ehemaligen Soldaten, der nun um sein Leben fürchtet, war Bertas Name auf einer Todesliste, die an zwei honduranische Spezialeinheiten ging, die zuvor US-Militär-Training erhalten hatten. „Ich bin 100% sicher, dass Berta Carceres vom Militär getötet wurde“ sagte er dem britischen Guardian.

Der Kampf von Berta Cáceres findet mehr und mehr Widerhall in Mexiko, Zentral- und Südamerika, wo überall Land und Natur durch Megaprojekte wie Dämme, Minen und Pipelines zerstört werden. Auch der Amazonas und sein Regenwald sind inzwischen höchst gefährdet. Abholzung und Landgrabbing, unter anderem für den Anbau von Soja für Massentierhaltung sowie Palmöl für viele andere Produkte, die auch in europäischen Supermärkte zu finden sind, einhergehend mit massivstem Pestizideinsatz, zerstören immer weitere Lebensräume von Mensch und Natur.

Berta wusste, dass es um mehr geht. Ihre Rede bei der Verleihung des Goldman Environmental Preises 2015 erscheint heute umso wichtiger, da inzwischen klar ist: wer sich dem Raubbau entgegenstellt, ist in höchster Gefahr. Mögen Bertas Worte sich multiplizieren und in alle Welt hinausgetragen werden, denn sie gehen uns alle an:

„Lasst uns aufwachen! Lasst uns aufwachen, Menschheit! Die Zeit läuft uns davon! Wir müssen unser Bewusstsein von Raubtierkapitalismus, Rassismus und Patriarchat befreien, die nur zu unserer Selbstzerstörung führen…..Unsere Mutter Erde, militarisiert, eingezäunt und vergiftet – ein Ort, an dem grundlegende Rechte verletzt werden – braucht unsere Unterstützung. Lasst uns Gesellschaften erbauen, die in würdiger und gerechter Weise koexistieren können, für das Leben auf ihr.“

#BertaViveCopinhSigue

 

 

Kategorien: Indigene Völker, Menschenrechte, Mittelamerika, Ökologie und Umwelt, Unkategorisiert
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