Clay Jones von White Ribbon – für ein feministisches Konzept der Männlichkeit

30.11.2016 - Milena Rampoldi

Clay Jones von White Ribbon – für ein feministisches Konzept der Männlichkeit

Clay Jones ist Kommunikationsbeauftragter der Organisation White Ribbon in Ontario. ProMosaik kämpft für die Frauenrechte und geht davon aus, dass ein  Feminismus ohne die Beteiligung der kompletten Gesellschaft nicht möglich ist. Männer müssen also auch ein Teil der feministischen Bewegung sein, um alle Arten von Gewalt, insbesondere die häusliche Gewalt, zu beenden. 

Was ist das Hauptziel von White Ribbon?

Das Hauptziel von White Ribbon ist es, mit Jungs, jungen Männern und Männern zu arbeiten, um die Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu beenden und um die Gleichstellung der Geschlechter, gesunde Beziehungen und eine neue Vorstellung von Männlichkeit aufzubauen. Wir arbeiten daran, die Ursachen geschlechtsspezifischer Gewalt zu untersuchen und einen kulturellen Wandel zu schaffen, welcher helfen soll, eine gewaltlose Zukunft zu gestalten. Unsere Vorstellung von Männlichkeit ist eine, die die besten Eigenschaften eines Menschen verkörpert. Wir glauben daran, dass Männer ein Teil der Lösung und auch ein Teil einer Zukunft sind, die sicher und gerecht für alle Menschen sein wird. Negative und überholte Konzepte der Männlichkeit herauszufordern, wird Männer inspirieren, um das unglaubliche Potenzial, Teil der positiven Veränderung sein zu können, zu verstehen und anzunehmen.

Was bedeutet für Sie der neue Begriff der Männlichkeit?

Die neue Vorstellung von Männlichkeit fordert die veralteten, hegemonischen Ideale der Männlichkeit heraus. Denn Mannsein bedeutet die Förderung emotionaler Tiefe und positiver Stärke.

ProMosaik ist der Überzeugung, dass es keinen Feminismus ohne die Beteiligung von Männern, die für die Frauenrechte kämpfen, geben kann. Was denken Sie darüber?

Wir denken, dass es wichtig für die Männer ist, mit anderen Männern von einem pro-feministischem Gesichtspunkt aus zu arbeiten. Wir hoffen, dass Männer, die an einem Projekt zwecks Bekämpfung der Gewalt beteiligt sind, Raum für andere Männer schaffen, die diese Gespräche bereits konsequent geführt haben, aber nicht in der Lage waren, ihre Stimmen hörbar zu machen. Männer sollten sich darum bemühen, institutionalisierte Frauenfeindlichkeit, Rassismus, Klassendenken und Privilegien abzulehnen. Wir verstehen natürlich, dass diese eine Herausforderung sein könnte, wenn man nicht in der Lage ist, zu sehen, wie man durch den aktuellen Quo-Status privilegiert wurde. Wir sind nicht perfekt und müssen dies ebenso im Hinterkopf behalten.

Erzählen Sie uns von Ihrem Toolkit “Make a Call”.

Das Toolkit „Make a Call“ ist der Höhepunkt des mehrjährigen Programms in Zusammenarbeit mit dem Toronto Argonauts Canadian Football Club. Das Projekt fokussiert auf die Bereitstellung einer technischen und emotionalen Unterstützung von Schülerinitiativen, die sich mit der geschlechtsspezifischen Gewalt an Oberschulen auseinandersetzen. Wir haben nach einem Weg gesucht, um das Projekt über den ursprünglichen Tätigkeitsbereich hinaus fortzuführen. Und so haben wir ein Toolkit für Lehrer, Trainer und andere Mentoren zwecks schrittweiser Erfassung des Projekts ins Leben gerufen. Dieses  sollte die Schüler dazu befähigen, diese wichtige Arbeit auf eigene Faust fortzuführen. Das Tool ist kostenlos und im Internet verfügbar.

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Welche sind die Hauptziele Ihrer Kampagne  Draw the Line?

Draw the Line ist ein Partnerschafts-Programm zwischen verschiedenen Organisationen, welches von Action ontarienne contre la violence faite aux femmes (AOcVF) und der Ontario-Koalition von Rape Crisis Centres (OCRCC) gemanagt wird. Die Beiträge von White Ribbon fokussieren auf Szenarien und Handlungen, die die Männer betreffen könnten. Die Zielsetzung der Kampagne DTL besteht darin, die Männer in Ontario in einen Dialog über sexuelle Gewalt einzubeziehen. Die Kampagne fordert verbreitete Mythen über sexuelle Gewalt heraus und rüstet involvierte Personen mit Informationen darüber aus, wie man sicher und effektiv einschreiten, sexuelle Gewalttätigkeit bemerken kann und versetzt sie in die Lage, den Unterschied zu machen.

Was haben Sie bis jetzt erreicht und welche sind Ihre Hauptziele für die Zukunft?

Die Herausforderung kann nicht darin bestehen, besondere Errungenschaften hervorzuheben, wenn man an der sozialen Veränderung auf Generationenebene arbeitet. Diese Arbeit braucht Zeit. Man kann schon sagen, dass es einen deutlichen Wandel hin zu den pro-feministischen Mainstream-Idealen gegeben hat, welche die Männer in die Lage versetzt haben, sich emotionale Vermittlung, die Gesundheitsförderung und eine engagierte, positive Vaterschaft anzueignen. Unsere Hauptziele für die Zukunft bestehen darin, den Dialog unter Männern weiterzuführen und daran zu arbeiten, die aktive Zustimmung in ihrem täglichen Leben zu fördern, sich offen gegen Gewalt gegen Frauen aufzulehnen, Raum für marginalisierte Stimmen zu schaffen und natürlich jeglicher Form häuslicher Gewalt ein Ende zu bereiten.

Übersetzung aus dem Englischen von Beyza Ünver für ProMosaik

Kategorien: Gewaltfreiheit, International, Interviews, Vielfalt
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