Murtaza Hussain: Journalistische Arbeit erfordert Demut und gute Absicht

20.08.2016 - ProMosaik

Murtaza Hussain: Journalistische Arbeit erfordert Demut und gute Absicht

Murtaza Hussain ist Journalist und politischen Kommentator bei The Intercept. In seinen Artikeln fokussiert Murtaza im Besonderen auf Menschenrechte, Außenpolitik und kulturelle Themen. Seine Beiträge wurden u.a. von The New York Times, The Guardian, The Globe und Mail und Salon veröffentlicht.

Vor kurzem haben wir die deutsche Übersetzung seines Artikels mit dem Titel After Nice, Don’t Give ISIS What It’s Asking For veröffentlicht. Meiner Meinung nach sind muslimische Journalisten heute wesentlich, um Nichtmuslimen die muslimische Kultur, Gesellschaft und Religion verständlich zu machen. Aber gleichzeitig müssen sich muslimische Journalisten auch um Themen wie Terror, islamistischen Terrorismus und IS kümmern, obwohl diese eigentlich nichts mit dem wahren Islam und den Mainstreammuslimen zu tun haben, wie Murtaza sie nennt.

Da sich der IS aber selbst als „Islamischer Staat“ definiert, müssen wir darüber sprechen, wenn wir uns als engagierte muslimische Journalisten sehen. Und die beste Art und Weise, um über den IS zu sprechen, ist zweifelsohne aufzuzeigen, wie der IS gleichzeitig das Spiegelbild des zeitgenössischen Islamischen Nihilismus ist. Und weil die westlichen Narrativen über den IS nichts anderes erzielen, als den IS noch zu stärken, bleibt der IS auch für die muslimischen Journalisten immer noch ein Thema, über das sie schreiben müssen. Für mich persönlich ist es als Musliminnen und Muslime daher eine ethische Verpflichtung, über und gegen den IS zu schreiben.

Milena Rampoldi: Wie sollten wir heute als Journalisten arbeiten, um den Menschen das Wesen des Islam nahezulegen und ihnen auch zu erklären, was Nihilismus und islamfeindliche Propaganda sind?

Murtaza Hussain: Ich denke, dass es für muslimische Aktivisten, Journalisten und Gelehrte einfach wichtig ist, nicht einfach nur Artikel zu schreiben, sondern sehr gut untermauerte Berichterstattungen zu verfassen, um die Behauptungen von Gruppen wie dem IS zu widerlegen. Diese Behauptungen können dann auch in Artikel und in die Mainstreammedien im Allgemeinen fließen. Es ist auch wichtig, konsequent gegen den IS Stellung zu nehmen und keinerlei Entschuldigungen für dessen Verhalten zu finden.

Wie können Artikel wie deiner über den IS die LeserInnen dabei unterstützen zu verstehen, dass der IS das Gegenteil des Islam ist?

Es ist schwer zu sagen, ob der IS auch wirklich das Gegenteil des Islam ist, aber Artikel wie dieser können sich wenigstens darum bemühen, ihn vom Islam zu unterscheiden, indem sie aufzeigen, wer wir sind und was wir als normale Mainstreammuslime glauben.

Wie unterstützt das falsche Narrativ der westlichen Medien den IS?

Die westlichen Medien geben dem IS oft mehr Legitimität und Aufmerksamkeit als er auch wirklich verdient und dehnen seinen Einfluss aus, indem sie ihn aus dem Zusammenhang reißen. Dies unterstützt das Narrativ der Gruppe. Man kann nichts Schlimmeres tun, als den IS als den „wahren“ oder „islamischsten“ Islam zu bezeichnen.

Auf welche Hauptthemen fokussierst du in deinen Artikeln?

Meine Artikeln fokussieren im Besonderen auf meine Hauptthemen wie nationale Sicherheit, Terrorbekämpfung, Islamfeindlichkeit, Strafjustiz und Politik.

Was bedeutet es für dich, ein engagierter Journalist zu sein?

Das journalistische Engagement bedeuten für mich der Kontakt zur Gemeinschaft und die Offenheit und das Verständnis für die Bedürfnisse der Menschen. Es ist wichtig, sich nicht in eine Glaskugel einzuschließen, sondern wahre Arbeit an der Basis zu leisten.

Welchen positiven Beitrag kann der Journalismus zu den Menschenrechten und zum Frieden leisten?

Der Journalismus kann falsche Mythen und Fehlvorstellungen entkräften und gegen Engstirnigkeit ankämpfen. Dies ist aber nur möglich, wenn man die journalistische Arbeit ehrlich, mit guten Absichten sowie mit Demut ausübt.

Kategorien: Interviews, Kultur und Medien, Vielfalt
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