Kriege, Spekulationen und neue Wirtschaftsmodelle

24.01.2016 - Silvia Swinden

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Kriege, Spekulationen und neue Wirtschaftsmodelle

Wir berichteten im Jahr 2011 und 2014 auf Pressenza bereits darüber, welche Rolle Saddam Husseins Idee Öl-für-Euros im Irakkrieg gespielt haben mag, ähnlich zu Gaddafis Gold-Dinaren:

„Bei dem Versuch zu verstehen, was in Libyen geschah, ohne die globale Krise mit einzubeziehen, bedeutet zu riskieren, die Dinge zu sehr zu vereinfachen. Wir könnten sagen „Es ist wegen des Öles, Dummkopf!“, und wir hätten natürlich recht, aber nur teilweise. Gaddafi – sicherlich kein netter Mann, aber auch nicht schlimmer als andere Autokraten in der Region – beging dasselbe Verbrechen wie Saddam Hussein. Er versuchte, die Hegemonie des Dollars zu erschüttern, indem er vorschlug, dass Öl-Transaktionen künftig in Gold-Dinaren abgerechnet werden, eine Euro-ähnliche Währung für ganz Afrika. Das wäre durchaus möglich gewesen, besonders weil Gaddafi auf einem netten großen Topf voller Gold saß. Es hätte Afrika auch weniger abhängig gemacht und weniger ausbeutbar.“

„Vor einigen Jahren geschah es, dass Saddam seine Öl-Transaktionen auf den Euro umstellte und die OPEC sich ihm anschliessen wollten. Viele Analysten glauben, dies hätte zu einem Werteverlust des Dollars um bis zu 40% geführt. Dann begannen die USA über Massenvernichtungswaffen zu sprechen, mit welchen sie zumindest in Bezug auf den Dollar sicherlich recht hatten.“

Neue Enthüllungen, von Hillary Clintons Emailspeicher herrührend, bringen Details zutage zu dem, was damals als Verschörungstheorien gegolten hatte.

Gemäß dem Foreign Policy Journal zeigen neu entdeckte Emails, dass Libyens Plan, eine Gold-gedeckte Währung zu schaffen, die mit dem Euro und dem Dollar konkurrieren sollte, ein Motiv der NATO Intervention war:

„Die Bedrohung Französischer Interessen durch Libyens Öl und Gold

Obwohl die von Frankreich vorgeschlagene UN Resolution des Sicherheitsrat 1973 behauptete, die Flugverbotszone werde zum Schutz der Zivilbevölkerung eingerichtet, erzählt eine im April 2011 gesendete Email an Hillary Clinton mit der Betreffzeile „Frankreichs Kunde und Gaddafis Gold“ von weniger noblen Zielen.

Die Email benennt den Französischen Präsidenten Nicholas Sarkozy, der die Attacken auf Libyen mit fünf spezifischen Zielen führe: Libyens Öl zu bekommen, den Französischen Einfluss in der Region sicher zu stellen, Sarkozys Reputation zuhause zu erhöhen, die Französische Militärmacht zu stärken und Gaddafis Einfluss auf das, was als „Frankophones Afrika“ bezeichnet wird, zu bremsen.

Am erstaunlichsten ist der langatmige Teil, der die große Bedrohung des Französischen Franc (CFA), der als die bevorzugte Währung in Afrika zirkuliert, durch Gaddafis Gold- und Silberressourcen darstellt, die geschätzt werden auf „143 Tonnen Gold und einer ähnlichen Menge Silber“.

Während die Märkte Zeichen ähnlich denen des Vor-2007/2008 Zusammnebruches zeigen (was zu erwarten war, denn das Bankensystem hat allen Versuchen, die spekulative Seite von der realen Wirtschaft zu trennen, widerstanden) und die Flüchtlingskrise, hervorgerufen durch die Kriege im Mittleren Osten, beginnt, die öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen, ist es an der Zeit, die Richtung der internationalen, nationalen und persönlichen Wege dieses Systemes zu reflektieren.

Eine neue Sensibilität entsteht

…welche den Wert des Menschen über das Geld stellt, Wege vorschlagend, um den Zugang zu Gesundheit, Bildung und den basalen Grundbedürfnissen von jedem zu ermöglichen. Dies bedeutet, Spekulation zu beseitigen, Arbeitermitbeteiligung im Managment und bei den Profiten zu favorisieren, Kooperativen, bedingungsloses Grundeinkommen und viele andere Vorschläge von Organisationen, die eine offene Zukunft sehen, jedenfalls wenn wir es schaffen, eine neue Richtung einzuschlagen. Der beste Weg, Terrorismus zu besiegen, ist es, eine Welt zu schaffen, die frei von Ungerechtigkeit und Diskriminierung ist. Wir mögen immernoch Fanatiker haben, aber sie werden keine Anhänger mehr finden.

Dies ist der Moment für aktive Gewaltlosigkeit: Ein Motor, um das System zu verändern, ohne Ressentiment und Rache, egal wie wütend wir über die „Davos-Leute“ sind. Nur wenn wir an der Wurzel aller Gewalt die Angst erkennen, werden wir fähig sein, Versöhnung als eine Strategie für eine andere, humanere Welt einzubringen. Wir müssen auch dem Druck der Medien, die Konzernen angehören, widerstehen, die versuchen, uns als dumm hinzustellen, wenn wir den neuen Vorschlägen von Plan B für Europa (DiEM25), Jeremy Corbyn, Podemos, Rethinking Economics, Indignados, Occupy und all den anti-Kriegs und anti-Nuklear Bewegungen folgen. Auf Margaret Thatcher’s TINA (there is no alternative way – es gibt keine Alternative) müssen wir antworten WATA (we are the alternative – wir sind die Alternative).

Kategorien: Gewaltfreiheit, Interviews, Meinungen, Wirtschaft
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