Es gibt keine guten Bomben

23.11.2015 - Attigliano, Italien - Olivier Turquet

Dieser Artikel ist auch auf Italienisch verfügbar.

Es gibt keine guten Bomben
(Bild von http://arabpress.eu)

Der Terrorismus hat mit Sicherheit ein Ziel erreicht: möglichst viele Leute zu terrorisieren. Das überrascht nicht, angesichts der Tatsache, dass der einzige Zweck des Terrorismus offensichtlich der ist, Terror zu säen. Das unterscheidet ihn im übrigen vom Guerillakrieg in all seinen Formen. Der Guerillakrieg gibt vor, eine Kraft der Befreiung zu sein, die sich gewaltsamer Methoden bedient, um Situationen der Unterdrückung und Ungerechtigkeit zu lösen. Mit diesen Mitteln sind wir nicht einverstanden, wohl aber mit den Zweck.

Mit dem Terrorismus sind wir jedoch in keinster Weise einverstanden. Und wir stimmen Chomsky zu, wenn er sagt, der beste Weg, den Terrorismus zu bekämpfen, ist aufzuhören, ihn zu praktizieren.

Denn unter die verschiedenen Formen des Terrorismus müssen wir auch alle Praktiken der Gewalt zählen, die verschiedene Völker durch eine Reihe von Institutionen und Regierungen haben erleiden müssen. Mit irgendeiner ideologischen Rechtfertigung (die Zivilisation, der humanitäre Krieg, die Überlegenheit einer Rasse etc..) wurde gefoltert, gemordet, Staatsstreiche organisiert, Terroristen bewaffnet, in Länder einmarschiert, Embargos verhängt, Bomben geworfen und so weiter und so fort..

Bombardements, speziell in den aktuellen Kriegen, sind terroristische Akte. Es gibt weder intelligente Bombardements, noch intelligente Bomben, aber vor allem existiert das Märchen des chirurgischen Bombardements nicht, das auf militärische Ziele gerichtet sein soll. Es wäre ausreichend, sich nur einmal einen beliebigen Bericht eines Bombardements des letzten Weltkrieges in Italien anzuschauen, um zu verstehen, dass jenseits der unmittelbaren zerstörerischen Effekte die langfristigen Auswirkungen auf die geistige Verfassung der Menschen, die diese erleiden mussten, gleichermaßen zerstörerisch sind. Der einzige Zweck von Bombardements ist der, die Bevölkerung zu terrorisieren und Geld zu verdienen (die geworfenen Bomben werden durch neue ersetzt). Ich bin der Meinung, dass wenn man einen grafischen Vergleich der Anzahl der aktuellen Kriege und der Entwicklung des Waffenmarktes anstellen würde, sehr interessante Übereinstimmungen herauskämen.

Zweitens, falls das erste Argument nicht reichen sollte, da es sich um auf breitem Gebiet verstreute Terroristen handelt, gibt es nichts Ineffizienteres als Bomben zu werfen, um sie zu bekämpfen, auch weil es schwierig ist, zu wissen, wo sich sich bzw. ihre Stützpunkte befinden. Pragmatisch gesehen könnten wir die Ölquellen bombardieren, die sie inzwischen kontrollieren, aber kurioserweise steht das nie auf der Agenda, weil es andere Interessen gibt, die sich darum sorgen, dass die Quellen ihrer Einkünfte beschädigt werden könnten.

Wenn jemand tatsächlich den IS bekämpfen wollte, würde er einfach damit anfangen, kein Benzin mehr zu kaufen (eine Ware, die nicht unbeträchtlicher Infrastruktur bedarf, um transportiert und verkauft zu werden). Er könnte dann auch die Nachschubkarawanen blockieren, die tagtäglich im „islamischen Staat“ ankommen und deren Fotos sich leicht durch eine banale Google-Recherche ausfindig machen lassen („Nachschub IS“ eingeben). Es wäre auch nicht schlecht, wie von verschiedenen Seiten vorgeschlagen, die Beziehungen zu jenen einzustellen, die die Terroristen weiterhin mit Nachschub versorgen.

Eine weltweite Boykott-Kampagne gegen jeden, der auch nur annähernd stillschweigend irgendetwas mit Terrorismus zu tun hat, würde Licht auf die Schattenzone des angeblichen Anti-IS-Humanismus werfen.

Und wenn es jemand wagt, die Flagge der „notwendigen Antwort“ zu schwingen, würden wir mit noch mehr Nachdruck sagen, dass Gewalt niemals notwendig ist und dass, im Gegenteil, Gewalt nur noch mehr Gewalt generiert und dass es nur einen Weg gibt, die Spirale zu durchbrechen: die Leere, die Verweigerung zur Zusammenarbeit durch Gewaltfreiheit, das gehaltene Wort, das Handeln in Einklang mit den eigenen Gefühlen und Ideen, das Behandeln anderer, wie man selbst behandelt werden möchte.

Die Indizien für diesen neuen Wunsch nach Brüderlichkeit, nach Verstehen, nach Gegenseitigkeit, nach einer simplen Umarmung derer, der anders sind als ich aber im Kerzenlicht doch gleich, nach Gemeinsamkeit im Tod, nach menschlicher Essenz, sind in diesen Tagen beeindruckend. Diese Indizien rufen nach jener universellen menschlichen Nation, die wir uns von der Zukunft erwarten: eine Welt, die unter vielen anderen Dingen fordert: „Nie mehr Krieg, nie mehr Gewalt!“. Twittert und taggt also Eure Posts mit #stopptgewalt, #stopviolence.

Übersetzung aus dem Italienischen von Evelyn Rottengatter

Kategorien: Frieden und Abrüstung, Gewaltfreiheit, Meinungen
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