SAMIZDATA – Beweis der Verschwörung

12.09.2015 - Sabine Bock

SAMIZDATA – Beweis der Verschwörung
(Bild von nomeproject.com)

In der Ausstellung SAMIZDATA werden Infrarotbilder u.a. von den Journalisten Glenn Greenwald und David Miranda aus Sao Paulo gezeigt. Sie publizierten die ersten geheimen Dokumente und Programme der NSA von Whistleblower Edward Snowden (links). Die WikiLeaks Mitarbeiterin und Journalistin Sarah Harrison begleitete Edward Snowden im Sommer 2013 von Hongkong nach Moskau. Aus Schutz lebt sie in Berlin, wie einige ihrer Whistleblower-Kollegen (rechts).

Am Donnerstag, 10. September 2015 wurde bei der NOME Galerie in Berlin-Friedrichshain die Ausstellung „SAMIZDATA: Beweis der Verschwörung“ eröffnete. Es ist die erste Einzelausstellung von Jacob Appelbaum in Deutschland vom 11. September bis 31. Oktober 2015 in Deutschland zu präsentieren. Präsentiert und kuratiert wird die Ausstellung von Tatiana Bazzichelli in Kooperation mit dem Disruption Network Lab.

Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf den russischen Begriff „Samizdat“, der Ende der 1950er Jahre in der Sowjetunion und dem ehemaligen Ostblock die Verbreitung und Vervielfältigung zensierter Literatur auf nichtoffiziellen Kanälen bezeichnete. Übertragen auf das 21. Jahrhundert passt das Konzept zu Aspekten der Snowden-Affäre und WikiLeaks, innerhalb der sich involvierte Personen für die Verbreitung von Informationen in Gefahr bringen.

Mit SAMIZDATA präsentiert Jacob Appelbaum Kunstwerke, die eine Kritik am fortschreitenden Verlust von Freiheit darstellen; höheres Ziel dabei ist es, vor dem Hintergrund und im Kontext des investigativen Journalismus und des Leakens von Dokumenten mehr Transparenz zu schaffen.

Zum ersten Mal zeigt der Künstler eine Serie von sechs farbigen Infrarot-Fotografien in Form von Cibachrome-Drucken, Porträts seines eigenen Netzwerkes von Freunden und Kollegen: Laura Poitras, Glenn Greenwald und David Miranda, Julian Assange, Sarah Harrison, William Binney und Ai Weiwei. Die Arbeiten waren ursprünglich als Zeichen der Bewunderung und des Respekts für die porträtierten Personen und ihre Arbeit entstanden, die schließlich zur „Snowden-Affäre“ geführt hatte und noch darüber hinaus geht. Jacob Appelbaum nutzt für die Fotografien farbigen Infrarot-Film, der ursprünglich für das Aufspüren von getarnten Zielen entwickelt und in der Agrarüberwachung sowie in forensischen Untersuchungen eingesetzt wurde. Mit dem Infrarot-Film entstehen Bilder, die mehr Informationen als Standardfilm enthalten.

Das 2. Ausstellungsstück ist P2P „Panda to Panda“

Es ist ein in Kooperation mit dem international gefeierten chinesischen Künstler Ai Weiwei entstandenes Projekt, das im Jahr 2015 von Rhizome und dem New Museum in New York in Auftrag gegeben worden war. Für diese Arbeit schredderten die beiden Künstler NSA-Dokumente, die einst Laura Poitras und Glenn Greenwald zugespielt worden waren, und befüllten damit in Ai Weiweis Heimatstadt Beijing Pandabär-Plüschtiere. In jedem Pandabären befindet sich zudem eine Micro SD-Speicherkarte, auf der Weiwei und Appelbaum jeweils eine Überraschung abgespeichert haben. In einem kurzen Interview am Eröffnungstag der Ausstellung erklärte Jacob Appelbaum in deutscher Sprache: „Zwanzig Pandabären wurden aus Beijing herausgeschmuggelt und reisten um die Welt, wobei sie ein menschliches Netzwerk des Daten-Schmuggelns SAMIZDATA bildeten.“ „Panda to Panda“ nimmt Bezug sowohl auf einen umgangssprachlichen Ausdruck für die chinesische Geheimpolizei, als auch auf die sogenannte Peer to Peer-Kommunikation (P2P), eine dezentralisierte Anwendungsstruktur, die Aufgaben oder Arbeitspensum auf verschiedene Teilnehmer, „Peers“, verteilt.

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Jacob Appelbaum ist ein post-nationaler freier Spezialist für Computersicherheit, Journalist und Künstler aus den USA. Bei der Eröffnung der Ausstellung SAMIZDATA erläutertete er persönlich die „Panda to Panda“ Story und die Bedeutung der Infrarotbilder für das Aufspüren von getarnten Zielen. Er lebt und arbeitet jetzt in Berlin. (Bild von Sabine Bock)

Die 3. Arbeit „Schuld, Scham und Angst“

Sie besteht aus Schmuckstücken, gefüllt mit verschiedenen Materialien: geschredderte Notizen von Journalisten, historische sowie nicht redigierte geheime Dokumente aus dem Sommer der Snowden-Enthüllungen und den darauffolgenden Jahren. Der Titel bezieht sich auf die Emotionen von Journalisten, die mit diesen Materialien arbeiten: „Angst“, das Gefühl, aus welchem heraus die Dokumente geschreddert werden; „Schuld“ und „Scham“ in dem Bewusstsein der Tatsache, dass auch Journalisten zu Kollaborateuren in einer Kultur der Geheimhaltung geworden sind. Die Arbeit wurde in Zusammenarbeit mit Manuela Benetton, Berit Gilma und Lusi Tornado hergestellt.

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Infrarotfotografien der Ausstellung SAMIZDATA u.a. mit einem Porträt von Julian Assange „Unbekannten Ort außerhalb von London“, aufgenommen im Jahr 2012. (Bild von nomeproject.com)

SAMIZDATA: Beweis der Verschwörung wird in Zusammenarbeit mit einer Konferenz SAMIZDATA: Taktik und Strategien des Widerstandes von Tatiana Bazzichelli präsentiert. Die zweitätige Konferenz (11.-12. September 2015) im Kunstquartier Bethanien bringt Hacker, Künstler und Kritiker zusammen, die im Kontext der Snowden-Enthüllungen die Konzepte von Widerstand und sozialer Gerechtigkeit aus verschiedensten Blickwinkeln beleuchten. Unter den Teilnehmer sind Jacob Appelbaum, Laura Poitras, Jaromil, Jørgen Johansen und Sophie Toupin.

Weitere Informationen über die Partner-Konferenz auf der Disruption Network Lab-Website.

Kategorien: International, Kultur und Medien, Menschenrechte
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