Rücktritt des FIFA-Präsidenten Blatter wegen Korruptionsermittlungen?

03.06.2015 - Sabine Bock

Rücktritt des FIFA-Präsidenten Blatter wegen Korruptionsermittlungen?

Der plötzliche Rücktritt von FIFA-Präsident Blatter hat die Fußballwelt überrascht. Der mögliche Grund seines Rücktritts ist nun bekannt: Das FBI hat seine Ermittlungen offenbar auch auf Sepp Blatter ausgeweitet. Im Korruptionsskandal bei der FIFA ermitteln die US-Bundespolizei FBI und die US-Staatsanwaltschaft offenbar nun auch gegen den Präsidenten.

Die Zeitung New York Times, der TV-Sender ABC sowie die Nachrichtenagentur Reuters berichteten dies übereinstimmend unter Berufung auf namentlich nicht genannte Funktionäre. Blatter hat überraschend seinen Rücktritt angekündigt, obwohl er nur vier Tage vorher zum FIFA-Präsidenten wieder gewählt wurde. Die US-Ermittlungen und Festnahmen gegen andere FIFA-Funktionäre hängen auch mit seinem Rücktritt zusammen. So berichtete die New York Times, dass US-Ermittler ein Verfahren gegen Blatter anstreben würden. Einzelheiten, was die Ermittlungen ergeben haben oder ob sie andauern, wurde bisher noch nicht bekannt. Unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Fußballfunktionär berichtet die Zeitung, dass vermutet wird, dass auch rechtliche Überlegungen ein Grund für Blatters Rücktritt sein könnten. Denn weitere öffentliche Aussagen in seiner Rolle als FIFA-Präsident könnten demnach Blatters Verteidigung im Fall eines Gerichtsverfahrens erschweren.

Bereits am 25. Mai hatte das US-Justizministerium seine Ermittlungen wegen organisierten Verbrechens und Korruption gegen 14 Personen öffentlich gemacht. Dabei wurden sieben hochrangige Fußball-Funktionäre in Zürich festgenommen. Unter ihnen waren die Blatter-Stellvertreter Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo. Der FIFA-Präsident wurde durch das US-Justizministerium damals nicht genannt. Das FBI ermittelt auch gegen FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke . Der Vertraute des FIFA-Präsidenten wird verdächtigt, zehn Millionen US-Dollar Schmiergeld an Jack Warner überwiesen zu haben.

Dagegen teilte die Schweizer Bundesanwaltschaft nach Blatters Rücktrittsankündigung mit, dass der FIFA-Präsident in ihren Ermittlungen kein Beschuldigter ist. „Das Verfahren der Bundesanwaltschaft wurde wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie des Verdachts der Geldwäscherei gegen unbekannt eröffnet“, hieß es in deren Mitteilung. „Dementsprechend ist Joseph S. Blatter kein Beschuldigter.“ Sein Rücktritt soll keinen Einfluss auf das Strafverfahren haben. Die US-Ermittler gaben dazu keine Stellungnahme ab. Doch sogar aus dem Blatter-Umfeld kommen Vermutungen. Die Nachrichtenagentur AP zitierte dessen langjährigen Freund, Walter Gagg: „Ich hatte ein sehr gutes Treffen mit ihm heute früh. Dann kamen die anderen Informationen aus den USA mit diesem und jenem.“ Ein weiteres Indiz für die Untersuchungen aus Amerika für den FIFA-Präsidenten.

Seinen Rücktritt begründete der FIFA-Präsident so: „Meine tiefe Fürsorge für die FIFA und ihre Interessen, die mir sehr am Herzen liegen, haben mich zu dieser Entscheidung bewegt.“ Seit 17 Jahren ist Blatter nun FIFA-Präsident und hatte bei seiner Neuwahl vor vier Tagen verkündet. „Die FIFA benötigt eine tiefgreifende Umstrukturierung“, sagte er. Die Entscheidung zum Rücktritt habe er selbst getroffen, nachdem er gründlich seine Präsidentschaft und die letzten 40 Jahre seines Lebens betrachtet habe. Bis zur Neuwahl wird er weiter als FIFA-Präsident arbeiten. Er wolle weitreichende, grundlegende Reformen vorantreiben und die Korruptionsvorwürfe in der FIFA aufklären. Dies fordert auch die Mehrzahl der Anhänger, der weltweit beliebtesten Sportart. Während des Verlesens seines Statements wirkte er ernst und stark angespannt. Ohne Fragen zu beantworten, verlies er sofort den Sitzungsraum. Drei Tage zuvor noch hatte er nach seiner Neuwahl an derselben Stelle die Fragen nach der Zukunft der FIFA herausfordernd beantwortet.

Fußball ist nicht von der Politik zu trennen. Welche politische Wirkung der Fußball hat, zeigte der deutsche Sieg bei der Weltmeisterschaft 1954 in Bern. Der Überschwang erklärte sich nicht zuletzt dadurch, dass Deutschland seine Abseitsstellung in der Völkergemeinschaft durch das „Wunder von Bern“ relativieren konnte. Nichts trägt mehr zur Bildung einer internationalen friedlichen Gemeinschaft bei, als der bekannteste Sport: Fußball. Sport verbindet die Völkergemeinschaft, wo es die Politik oftmals nicht schafft. Deswegen muss die Korruption der FIFA schnellstmöglich aufgedeckt und behoben werden.

Kategorien: International
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