Widerstand gegen weiße Rassisten in den USA

04.03.2015 - Sabine Bock

Widerstand gegen weiße Rassisten in den USA

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„Amerika ist wunderbar“ singt die Band Rammstein in einem bekannten Song. Auch hier zeigen viele engagierte Menschen ihre Flagge gegen Rassisten und Nazis. Dafür werden sie allerdings oftmals in „Amerika“ ins Gefängnis für ihre Zivilcourage gegen Rechtsextreme eingesperrt. Ein Auszug aus dem Statement des Antifaschisten Jason Hammond aus Chicago zeigt dessen Widerstand.

„Ich schreibe hier diese Aussage nieder, da ich für meine Teilnahme an einer organisierten Aktion gegen eine Gruppe „weißer Rassisten“ im Mai 2012 von einem US-amerikanischen Gericht schuldig gesprochen und zu einer Haftstrafe verurteilt wurde,“ sagte Jason Hammond am 22. Januar 2015 in einem persönlichen Statement.

„Im Jahr 2012 befand sich die Stadt Chicago im „Rebellionszustand“ der Bürger gegen das westliche Militärbündnis und dem dort stattgefundenen NATO-Gipfel. Es organisierten aber auch eine Gruppe von Rassisten ihren eigenen „weißen nationalistischen Wirtschaftsgipfel“ im nahe gelegenen Vorort von Tinley Park. Sie buchten ein Restaurant, um ein Mittagessen unter dem Deckmantel des „Illinois Europäischen Kulturvereins“ abzuhalten. Seit über sechs Monaten wurde dieses Ereignis im „Stormfront.org“, einem sehr beliebten Onlineforum, beworben und gefördert, in dem sich Rassisten und Neonazis austauschten. Uns, den Antifaschisten im gesamten Mittleren Westen Amerikas, die seit längerem Widerstand gegen Rassismus organisieren, war dieser Gipfel der Rassisten bekannt. Durch Nachforschungen hatten wir die Zeit, den Ort und sogar einige Identitäten der Teilnehmer dieses Treffens festgestellt, von denen einige als „Rassisten und Nazis“ bereits bekannt waren, wie die Mitglieder von faschistischen Gruppen, den KKK, die „Nationalsozialistische Bewegung“ und der Rat der konservativen Bürger. Als diese Information bekannt wurde, haben wir beschlossen, die Faschisten unter friedlichen Absichten an dieser Tagung zu hindern und sie im Gespräch zu konfrontieren. Aber leider hat sich nach unserem Eintreffen auf der Veranstaltung der Rassisten und Nazis die verbale Auseinandersetzung in eine körperliche gesteigert, bei denen einige verletzt wurden. Im Nachhinein wurde die Polizei gerufen und zwei der faschistischen Teilnehmer wurden verhaftet, da sie als Flüchtlinge wegen einer weiteren Straftat in einem anderen Bundesstaat gesucht wurden, und weil sie sich in ihrem Besitz von illegalen Schusswaffen befanden. Leider wurden auch nach dem Verlassen des Restaurants fünf Aktivisten aus der „Hoosier“ antirassistischen Bewegung wegen ihrer Beteiligung an der Auseinandersetzung durch die Polizei verhaftet. Sie sind bekannt als „Tinley Park 5“. Sie mussten einige Zeit im Gefängnis von Illinois verbringen und sind danach auf Bewährung freigelassen worden.“ Mehr darüber können Sie bitte nachlesen auf tinleyparkfive oder indianaantifa.org.

„Ein Jahr nach dieser Aktion wurde ich im Juli 2013 außerhalb meines Hauses vom FBI und der Polizei von Tinley Park verhaftet. Ich wurde mit Waffengewalt festgenommen, so wie die anderen fünf Antifaschisten von Tinley Park 5. Meine Anklageschrift besagt, dass die Polizei von Tinley Park einen Bericht des FBI erhielt, die besagt, dass sie mich aus einer DNA-Sammlung identifiziert hatten und sie sich die Szene über ein Überwachungsvideo aus dem Restaurant, in dem das Treffen stattfand, heruntergezogen hatten. Ich befand mich daraufhin zwei Monate lang in Untersuchungshaft im „Cook County Jail“ und hatte aber das Glück, das meine Freunde genug Geld hatten, um mich auf Kaution freizubekommen. Ich habe seit dem gegen diese Anschuldigungen hart gekämpft. Im August 2014 wurde mir der Richter zugewiesen. Im Oktober 2014 bekannte ich mich nicht schuldig im Sinne der Anklage. Aber ich musste alle Beweise prüfen und für mich selbst bewerten, welche Option für mich am besten wäre. Es folgte im November 2014 ein unkooperatives Angebot des Richters, eventuell eine Haftstrafe von 3,5 Jahren anzunehmen. Erst hatte ich Zweifel, weil ich unschuldig bin. Meine Chancen aber, den Fall zu gewinnen, waren sehr niedrig. Es hätte möglicherweise für mich eine höhere Strafe bedeuten können,“ sagte Jason Hammond in seinem Statement.

Die Vereinigten Staaten haben den größten und modernsten Gefängnisindustriekomplex, den die Welt je gekannt hat. Wollte das Gericht den zivilen Ungehorsam der jungen Antifaschisten mit Einsperren in ihren Gefängnissen abstrafen?

„Es war schwer einzuschätzen, ob mein Aufruf sich den Rassisten direkt in den Weg zu stellen und sie verbal zu konfrontieren, ein verlorenes Glücksspiel war, das mit meinem eigenen Leben im Gefängnis gekostet hat. Ich lehne die Belehrungen des Staates und dessen Gerichtssäle ab, die Ratschläge erteilen, was „ziviler Ungehorsam“ für Konsequenzen bedeutet kann,“ ergänzt Jason. „Mein Verbrechen ist das Aufstehen und Flagge zeigen gegen Nazis und Rassisten, die Hass und Gewalt gegen Menschen mit anderer Hautfarbe oder anderer Herkunft versprühen. Meine Handlungen waren im Sinne eines friedlichen Widerstandes gegen Rassismus sowie für die Rechte von Menschen ohne Angst vor rassistische Übergriffe zu leben. In Ferguson, in New York, in Chicago und darüber hinaus sehen wir die Polizei immer stärke militärische Ausrüstung der Nationalgarde gegen friedlich demonstrierende Menschen einsetzen, die nur ihren Protest gegen die ungerechten Morde von Mike Brown und Eric Garner aufzeigen.“

Ganz offensichtlich war Jason Hammond und die anderen Protester nicht auf eine Eskalation, die in Tätlichkeiten endete, vorbereitet. Ein friedlicher Protest muss zwingend über eine gewaltlose Strategie als Antwort auf tätliche Angriffe verfügen, andernfalls verdient er die Bezeichnung friedlich nicht. Dieser Mangel in der Vorbereitung und Durchführung mindert jedoch nicht die moralische Notwendigkeit sich gegen Rechtsextremismus zu stellen und die Zivilcourage, die Hammond und seine Freunde an den Tag legten. Mit Sicherheit lässt sich daraus kein Strafdelikt fabrizieren und eine unbedingte Freiheitsstrafe von 3,5 Jahren kann in dem Fall nur als politisches Urteil gewertet werden. Mein Vorwurf lautet: „Warum schützen die Gerichte und die Polizei die Redefreiheit der Neonazis, die ihren Hass und ihre Gewalt weltweit verbreiten?“, fragte Jason Hammond, der nun seine Haftstrafe angetreten hat.

Der Zwillingsbruder Jeremy Hammond äußerte sich zur Verurteilung seines Bruders:

„Ich bin untröstlich, dass mein Zwillingsbruder Jason Hammond für seine Zivilcourage, die Versammlung von weißen Rassisten in Tinley Park zu stoppen, mit mehreren Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Ich liebe meinen Bruder. Wer ihn je getroffen hat, weiß, dass er ein charmanter, liebevoller und leidenschaftlicher Kamerad ist. Vielleicht haben Sie ihn schon oft auf Straßenprotesten in Chicago getroffen, wo er mit seiner Posaune, seiner Band und deren Musik den Protest der Bürger unterstützte, oder sich freiwillig für das Kochen mit Obdachlosen einsetzte, oder kostenlosen Gitarrenunterricht für Kinder anbot.“

Er hat auch einen eigenen Blog und würde sich sehr freuen, wenn Sie ihm schreiben würden. „Dein Brief ist für den Widerstand! Mit Liebe und Wut“, grüßt Jason Hammond aus dem US-Gefängnis in Vandalia im Bundesstaat Illinois.

Jason-Hammond-Support-Network

Kategorien: Nordamerika, Vielfalt
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