Bauen wir gemeinsam den Frieden auf

17.02.2015 - Milena Rampoldi

Bauen wir gemeinsam den Frieden auf
(Bild von ProMosaik e.V.)

ProMosaik e.V. interviewt Paolo Conte, der als Animator im „Centro di Formazione Giovanile Madonna di Loreto – Casa della Pace“ (Haus des Friedens) in Rom tätig ist. Das Projekt nennt sich „Bauen wir gemeinsam den Frieden auf“. Das Hauptziel betrifft den interreligiösen und interkulturellen Dialog für den Aufbau einer Welt im Sinne des Friedens und der Menschenrechte.

Paolo, was bedeutet für dich konkret ein Haus des Friedens in deinem Viertel?

Wir sind bereits ein „Haus des Friedens“, weil wir alle Menschen und im Besonderen Jugendliche aufnehmen, da unser Zentrum vor allem ein Jugendzentrum ist, dessen Berufung darin besteht, sich um die Ausbildung von Jugendlichen von 13 bis 25 Jahren zu kümmern, indem wir vorab für die humanistische und dann auch für die religiöse Bildung Sorge tragen. Wir verbergen unsere christliche Identität als Zentrum der Muttergottes von Loreto nicht, aber wir betreiben auch keinen, auch nicht indirekten Proselytismus mit den vielen Nicht-Katholiken und Nicht-Christen, die sich an uns wenden.
Indem wir diesen Raum schaffen, in dem sich die Jugendlichen und ihre Familien aufgenommen, geschätzt fühlen und vor allem dazu angespornt werden, sich aktiv an den verschiedenen Tätigkeiten (z.B. am Freiwilligendienst) zu betätigen, bieten wir allen die Möglichkeit, diesen Frieden aufzubauen. Frieden bedeutet aber für uns nicht nur die Abwesenheit von Krieg, sondern ein empathischer Raum voller Zuwendung und Freundlichkeit. Wir sind nicht daran interessiert, einen Ort zu schaffen, an dem die Menschen nur das abholen, was sie brauchen (natürlich bieten wir diese Dienste auch an). Denn unser Hauptziel besteht darin, sie auch zu ihrem interaktiven Beitrag anzuspornen.

Welche sind die Hauptprobleme, mit denen die muslimischen Einwanderer in deinem Viertel zu kämpfen haben?

Sie haben ungefähr dieselben Probleme wie alle anderen Migranten. In erster Linie würde ich sagen, dass sie sich schwer tun mit der Job- und Wohnungssuche, mit der negativen Einstellung der Italiener ihnen gegenüber, mit ihrem fehlenden Vertrauen in die Italiener, mit den unzureichenden Informationen über ihre Rechte, mit dem Vorhandensein mafiöser Vereinigungen unter ihren Landsleuten oder in ihrer ethnischen Gruppe, die sie zur Illegalität führen und in ihnen den Wunsch wachwerden lassen, sich in ein Getto zu verziehen, mit der fehlenden Hoffnung in einer immer schwierigeren Lage, als die Situation, die ihnen von den anderen angepriesen wurden, mit der Schwierigkeit, untereinander zu kommunizieren, sei es mit den Italienern als auch mit den anderen Migranten. Im besonderen Falle der Muslime kann es auch sein, dass sie mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, eine Umgebung zu finden, in der sie ihre Religion leben können und die ihnen dabei helfen kann, die schwierige Auseinandersetzung mit der Realität zu bewältigen.

Welche sind deiner Meinung nach die besten Strategien, um das Zusammenleben unter Menschen verschiedener Religionen zu fördern?

Andere kennenlernen und Anderen die Möglichkeit bieten, sich selbst kennenzulernen und die Mauern der Vorurteile zu überwinden, die auf allen Seiten errichtet werden. Leider gibt es Signale, die gegenteilig ausgelegt werden können. Um dir ein Beispiel aus meiner Erfahrung zu nennen: Wenn wir Italiener eine liebe Person treffen, die wir lange nicht mehr gesehen haben, umarmen wir sie ohne Hintergedanken. Ob es sich nun um einen Mann oder eine Frau handelt, es hat keine beleidigende oder erotische Bedeutung. Mir ist passiert, eine junge Muslimin zu treffen, die sehr krank gewesen war. Als ich sie genesen zusammen mit ihrem Mann wiedertraf, wollte ich sie vor Freude leicht umarmen, aber ich wurde zurückgewiesen, als hätte ich versucht, sie zu vergewaltigen. Meine absolut spontane und unschuldige Geste war sehr negativ ausgelegt worden. Sie beichtete mir dann bei Gelegenheit, dass sie sich sehr darüber gefreut hatte, ihren Mann so eifersüchtig zu sehen. Daher geht es für mich darum, mit Handlungen gegenseitiger Zuwendung die kulturellen und sozialen Wunden zu heilen, indem wir Folgendes klarmachen: Einerseits muss jeder seine eigene Identität wahren, ohne sie einen Tresor zu sperren, indem er dann eine verborgene fiktive Realität schafft.

Welche Hauptziele möchtest du mit dem Bildungszentrum erreichen?

Wir versuchen, die Jugendlichen auszubilden, indem wir für jeden maßgeschneiderte Methoden nutzen. Dies bedeutet, dass man für jeden Jugendlichen versucht, einen besonderen und unwiederholbaren Wachstumsverlauf zu schaffen, weil das wahre Ziel darin besteht, aus dieser Person einen Mann und eine Frau zu machen, der/die in der Lage ist, ehrlich zu sagen: „Ich glaube, ich hoffe, ich liebe“. Eine Person, die in der Lage ist zu entdecken, dass sie glauben, hoffen und lieben kann, ist eine glückliche Person, unabhängig von der Kultur, aus der sie stammt.

Was denkst du über unser multikulturelles Modell des Mosaiks?

Wir nutzen das Konzept des Mosaiks bereits und werden es auch in Zukunft tun, weil es in Verbindung mit dem wenn auch nicht gleichen, aber doch ähnlichen Konzept unseres Kirchenfensters sehr gut darstellt, was wir gerade machen.
Unsere unverborgenen Unterschiede, die wir mit Zuwendung und Freundlichkeit mit den anderen teilen, können uns endlich die Chance geben, von einer grauen und schwer erkennbaren Realität der Hinterseite des Mosaiks an die Vorderseite vorzudringen. Wenn wir alle erkennen, dass wir von einem einzigen Gott stammen (obwohl wir uns manchmal im Detail unterschiedlich an Ihn wenden) und anerkennen, dass wir alle Seiner Barmherzigkeit bedürfen, können wir endlich verstehen, was Gott für uns im Hier und Jetzt vorgesehen hat.

Kategorien: Europa, Humanismus und Spiritualität, International, Vielfalt
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