Heute, mehr denn je, muss die Gewaltfreiheit gewinnen

10.01.2015 - Paris - Marie-Laurence Chanut Sapin

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Französisch verfügbar.

Heute, mehr denn je, muss die Gewaltfreiheit gewinnen
(Bild von Pressenza)

Ich wohne in Paris, genauer gesagt in Seine-Saint-Denis, einem Vorort (wie viele wissen, in diesem Distrikt, den man regelmäßig als „brennend“ bezeichnet) und wie viele hier macht mich das Massaker im Charlie Hebdo und die Ereignisse, die noch heute darauf folgten, fassungslos.

Als ich vor 25 Jahren begonnen habe, mich für die Gewaltlosigkeit einzusetzen, sagte man mir: „Du übertreibst. Die Welt ist nicht so gewalttätig, wie Du sie beschreibst.“

Später sagte man mir: „Ja, das ist wahr, es wäre gut, die Dinge zu ändern, aber wie?“

Und jetzt höre ich: „Ist das nicht eine Utopie, eine gewaltfreie Welt?“

Es ist wahr, dass wir nicht mehr so tun können, „als ob“, sondern dass die Frage lautet: „Was können wir tun?“ oder „Wie?“ und dass man sich vor der Größe der Aufgabe hilflos fühlt.

Nach der Schiesserei in den Büros von Charlie Hebdo stand ich wie viele unter Schock und habe mich gefragt, was ich tun kann.

Ich bin zu dem Versammlungsplatz in Paris gegangen, um den Lesern von Pressenza zu berichten und das Gefühl auszudrücken und den Willen von allen, die Freiheit des Ausdrucks zu schützen.

An diesem Abend bin ich inmitten einer Masse von Menschen umhergelaufen, die sehr aufmerksam darauf war, keine Ausschreitungen zuzulassen und die sehr bedacht darauf war, eine Verwechslung von Terrorismus und Islam zu vermeiden.

Ich habe an einer Versammlung in meinem Bezirk teilgenommen, Kerzen an mein Fenster gestellt, etc…

Als die Attacken an den folgenden zwei Tagen andauerten, weigerte ich mich, von der Angst, die mich schleichend davon überzeugen wollte, die Strasse sei gefährlich, überwältigt zu werden.

Und vor allem konzentrierte ich mich wieder auf die Werte, die von Anfang an meinen Aktivismus orientiert haben.

Der universelle Humanismus schlägt sechs Punkte vor, die mehr denn je angebracht sind:

  • Der Mensch als zentraler Wert und Sorge
  • Die Bekräftigung der Gleichheit aller Menschen
  • Die Anerkennung der Vielfalt der Personen und Kulturen
  • Das Streben, das Wissen, über das hinaus zu entwickeln, was momentan als Wahrheit akzeptiert wird.
  • Die Anerkennung der Freiheit der Meinung und des Glaubens
  • Die Ablehnung jeder Form von Gewalt

Dem möchte ich noch zwei Prinzipien der gültigen Handlung hinzufügen, über die man nachdenken und reflektieren kann:

  • Wenn Du die anderen so behandelst, wie Du selbst behandelt werden möchtest, befreist Du Dich.
  • Wichtiger, als auf welche Seite die Ereignisse Dich gestellt haben, ist es, dass Du verstehst, dass Du selbst keine Seite gewählt hast. [1]

Also werde ich nicht aufgeben, denn ich weiß aus Erfahrung, dass die Menschen fähig sind, sich umeinander zu kümmern und die Rache zurückzuweisen.

Und auch, weil Toleranz und Brüderlichkeit (Geschwisterlichkeit) und die Vielfalt der Kulturen an Boden gewinnen.

Und schliesslich, weil ich eine gewaltfreie Welt fordere und die Verantwortung habe, in Kohärenz damit, meinen Teil zum Aufbau beizutragen.

Es war gut, mich heute daran zu erinnern, so wie es gut war, die Worte eines guten Freundes an der Pinnwand eines berühmten sozialen Netzwerkes gepostet zu lesen: „Befreie den Frieden. Man findet ihn in jedem von uns, aber damit er existiert, müssen wir ihn herauslassen, ihn ausdrücken, ihn nehmen, teilen, erstrahlen lassen.“

Lasst uns auch die Gewaltlosigkeit befreien, wir, die wir als Menschen das wert sind.

[1] Auszug aus dem Buch „Die Erde menschlich machen“ von Mario Rodriguez Cobos

Übersetzung Johanna Heuveling

Kategorien: Europa, Gewaltfreiheit, Humanismus und Spiritualität, Meinungen, Menschenrechte, Vielfalt
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