Friedensnobelpreis geht an Kinderrechtsaktivisten

10.10.2014 - Johanna Heuveling

Friedensnobelpreis geht an Kinderrechtsaktivisten
(Bild von Sathyarthi (Foto: Andrea de Silva, wikimedia Commons) und Yousafzai (Foto: David Levy, wikimedia Commons))

Die siebzehnjährige Pakistanerin Malala Yousafzai und der sechzigährige Inder Kailash Satyarthi erhalten den Friedensnobelpreis 2014 „für ihren Kampf gegen die Unterdrückung von Kindern und jungen Menschen und für das Recht aller Kinder auf Bildung“. Das Nobelpreiskomitee setzt damit gleich mehrere Zeichen. Es würdigt die Kinderrechtscharta, die dieses Jahr 25 Jahre alt wird, und es macht aufmerksam auf Ausbeutung von Kindern für finanziellen Nutzen und ihre Unterdrückung durch radikale Kräfte. Das Komitee möchte es auch als Signal verstanden wissen, dass eine Muslima und ein Hindu, eine Pakistanerin und ein Inder ausgezeichnet werden.

Prof. Lothar Krappmann, Bildungsforscher und ehemaliges Mitglied des UNO Ausschusses für die Rechte der Kinder, freut sich sehr über diese Würdigung: „Es ist so dringend, die grundlegenden Rechte der Kinder der Welt besser bekannt zu machen und durchzusetzen. Dieser Friedensnobelpreis ermutigt die Kinderrechtler, trotz aller Widerstände und Rückschläge nicht aufzugeben, so wie auch Malala Yousafzai aus Pakistan und Kailash Satyarthi aus Indien trotz Bedrohung und Attacken nicht aufgegeben haben. Der Ausschluss von Mädchen von der Schule, die Ausbeutung arbeitender Kinder ruinieren das Leben von Millionen von Kindern. Hoffentlich wird der Preis die Aufmerksamkeit auch auf Armut, Hunger, fehlende medizinische Versorgung, Krieg und Gewalt gegen Kinder lenken und neue Anstrengungen fördern. Ganz großer Dank an das Preiskomitee!“

Er bemerkt auch, dass beide gezeigt hätten, dass man nicht nur im Namen von Kindern für Kinderrechte streiten könne, sondern auch mit Kindern. Es sei auch wichtig, dass sie beide aus Entwicklungsländern kämen, denn häufig gäbe es den Vorwurf, die Kinderrechte seien ein westliches Produkt.

Trotz ihres großen Altersunterschiedes zeigen beide eine beeindruckende Biographie. Malala Yousafzai engagiert sich seit sie elf ist, seit in ihrer Heimat radikal-islamische Taliban die Rechte für Mädchen immer mehr einschränken. Mädchen sollen nicht zur Schule gehen, nicht Musik hören, nicht tanzen und sich öffentlich bedecken. Insbesondere über das Verbot des Schulbesuches, aber auch über diverse Greueltaten der Taliban bloggte Malala auf der BBC Webseite. Hier schrieb sie zum Beispiel: „… Zu dieser Zeit waren die Mädchen nicht besonders erfreut über den Anfang der Ferien, weil sie wussten, dass, wenn die Taliban ihre Verordnung durchsetzen, sie nicht mehr in die Schule zurückkehren können.“

Sie wollte mit ihrem Internet-Tagebuch die Öffentlichkeit darüber informieren, was in ihrer Gegend geschah, und wurde dadurch rasch eine Berühmtheit in Pakistan. 2011 erhielt sie dort bereits einen nationalen Friedenspreis.

2012 trotzte sie mit anderen Mädchen den Taliban und ging dennoch zur Schule. Daraufhin wurde sie von Talibankämpfern im Schulbus niedergeschossen und erlitt schwere Verletzungen am Kopf. Mit viel Glück und aufwendigen Behandlungen überlebte sie dieses Attentat. Sie liess sich jedoch nicht verschrecken und engagierte sich nur noch stärker.

Durch die durch das Attentat gewonnene Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit war es ihr möglich, in den obersten Gremien für die Rechte der Kinder, besonders der Mädchen auf Bildung, zu sprechen, was sie mit großem Talent und Mut tat. Dabei liess sie auch Kritik an der Politik westlicher Regierungen hören. So äusserte sie sich zum Einsatz von Drohnen gegen Terroristen: „Ich habe auch meine Besorgnis ausgedrückt, dass Drohnenangriffe Terrorismus fördern. Durch diese Taten werden unschuldige Opfer getötet, und das führt zu Abscheu in der Bevölkerung Pakistans. Wenn wir unsere Bemühungen erneut auf Bildung fokussieren, wird das einen großen Einfluss haben.“

Kailash Satyarthi ist seit den achtziger Jahren im Einsatz. Ebenfalls sehr jung, als 26jähriger bereits, wurde er 1980 Generalsekretär der Bonded Labour Liberation Front / Bachpan Bachao Andolan (Organisation zur Befreiung von Sklaverei). 1989 ist er ein Mitbegründer der South Asian Coalition on Child Servitude – SACCS (Südasiatisches Bündnis gegen Kindersklaverei). 1994 wurde das ‚Rugmark‚-Kontrollsiegels eingeführt, welches Produkte auszeichnet, die aus überprüften Betrieben ohne Kinderarbeit stammen. Außerdem baute er die Rehabilitationszentren ‚Mukti Ashram‘ in Delhi und ‚Bal Ashram‘ in Jaipur für ehemalige Kindersklaven.

Im Besonderen wird er für die zahlreichen friedlichen Proteste ausgezeichnet, die er organisiert hat, wie 1998 den „Weltweiten Marsch gegen Kinderarbeit“. Dieser hatte eine große Öffentlichkeitswirkung und hat vielen Menschen ermöglichte, sich an diesem Kampf zu beteiligen. Aus dem Marsch gingen NGOs hervor, die die geforderte Befreiung der Kinder von Ausbeutung mit ihrem Recht auf Bildung verbanden.

Das Nobelpreiskomitee sieht Satyarthi damit ganz in der Tradition Gandhis, würdigt aber auch sein Engagement für das Entwickeln von internationalen Konventionen für die Rechte von Kindern. 60% der Menschen in armen Ländern seien unter 25 und 168 Millionen Kinder werden in Kinderarbeit ausgebeutet. Die Verletzung der Rechte von Kindern führe zu einer Fortsetzung der Gewalt von Generation zu Generation. So schreibt das Nobelpreiskomitee in seiner Erklärung.

Kategorien: Asien, Erziehung, Gewaltfreiheit, International, Menschenrechte
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