Wir leben in einer Zeit, die sich ihrer Wachsamkeit rühmt. Uns wird gesagt – oft zu Recht –, dass Geschichte niemals endet, dass die Reaktion niemals schläft, dass Unrecht in neuer Gestalt zurückkehrt, sobald wir den Blick abwenden. Diese Lehre erscheint nüchtern, sogar verantwortungsbewusst: Es wird immer eine neue Schlacht geben. Und so bereiten wir uns eher auf Ausdauer als auf Veränderung vor.

von Sam Ben-Meir 

Paul Thomas Andersons One Battle After Another (2025) inszeniert diese Lektion mit bewundernswerter Ernsthaftigkeit. Der Film bietet keinen Triumphalismus, keine Illusion eines endgültigen Sieges. Faschismus, Autoritarismus, Reaktion – wie auch immer man es nennen mag – kehren wieder und wieder zurück. Der Kampf ist dauerhaft.

Doch Dauer ist nicht Neutralität. Zu behaupten, der Kampf ende nie, heißt bereits, Stellung zu beziehen, welche Art von Politik möglich ist – und welche nicht. Stellt man One Battle After Another neben zwei der einflussreichsten zeitgenössischen politischen Philosophen, Slavoj Žižek und Alain Badiou, tritt etwas Deutlicheres zutage. Was wie Realismus erscheint, beginnt eher wie Trost zu wirken. Dieser Beitrag argumentiert, dass sowohl Žižek als auch Badiou uns zu verstehen helfen, warum das Mantra des endlosen Kampfes – so militant es klingen mag – auch als subtile Form der Beruhigung fungieren kann: als Schutz vor der weitaus beunruhigenderen Frage, ob ein anderer politischer Horizont überhaupt möglich ist.

Trost verbinden wir gewöhnlich mit Sanftheit oder Sentimentalität: Feiertagsfilme, Erzählungen von persönlicher Erlösung, Zusicherungen, dass am Ende alles gut wird. Doch Trost kann auch hart sein. Er kann in Gestalt von Realismus, Zynismus oder gar Militanz auftreten. „Es wird immer eine weitere Schlacht geben“ – das mag abgeklärt, erwachsen, illusionslos klingen. Es verweigert falsche Hoffnung, weist naiven Optimismus zurück. Zugleich bewirkt es aber noch etwas anderes: Es normalisiert Wiederholung. Es lehrt uns, eher mit Wiederkehr als mit Bruch zu rechnen, eher mit Bewältigung als mit Veränderung. Dies ist der eigentliche Gegenstand meiner Kritik: nicht an der Hoffnung, sondern an der Ausdauer, die zur Tugend erhoben wird. Der Trost unserer Zeit lautet nicht mehr „Alles wird gut“. Er lautet: „Nichts wird je gut – aber so ist es nun einmal.“

Eine Žižeksche Lesart von One Battle After Another beginnt mit Misstrauen. Žižeks zentrale These lautet seit Jahrzehnten: Ideologie zeigt sich heute selten als Täuschung. Wir wissen oft sehr wohl, wie schlecht es steht. Ideologie wirkt, indem sie bestimmt, was wir für unvermeidlich halten. Aus dieser Perspektive ist das Beharren des Films auf endlosem Kampf nicht bloß Beschreibung, sondern ideologische Setzung. Es lehrt uns, Wiederholung als Realismus zu erleben. Die ständige Wiederkehr des Feindes gilt als Beweis, dass grundlegender Wandel nicht möglich ist – nur Wachsamkeit, Resilienz und Erneuerung.

Žižek würde sich auf die libidinöse Ökonomie des Films konzentrieren: auf das eigentümliche Genießen, das im Widerstand selbst liegt. Die Figuren sind erschöpft, traumatisiert, zynisch – doch sie werden auch durch den Kampf belebt. Ihre Identität ist untrennbar mit Opposition verbunden. Kämpfen ist nicht nur Pflicht, sondern Sinnquelle. Hier führt Žižek eine seiner beunruhigendsten Ideen ein: Jouissance – oder die Lust. Wir leiden nicht nur unter Ideologie, wir beteiligen uns auch an ihr, weil sie Befriedigung bietet. Der endlose Kampf erlaubt es, uns moralisch gerecht zu fühlen, ohne die Destabilisierung zu riskieren, die echte Veränderung erfordern würde. Wir bleiben engagiert, kritisch, wachsam – während die Grundkoordinaten des Systems unangetastet bleiben.

Vor diesem Hintergrund läuft One Battle After Another Gefahr, zu einer Lektion in Scheinaktivität zu werden: ständige Bewegung ohne strukturelle Veränderung. Widerstand wird eher zu einem Ritual als zu einem Bruch. Wir kämpfen nicht, um die Welt zu verändern, sondern um uns selbst zu versichern, nicht mitschuldig zu sein. Der Trost dabei ist hart, aber real: Ihr werdet nie siegen – doch ihr werdet immer gebraucht werden. Dieses Versprechen ist seltsamerweise tröstlich.

Eine explosivere Variante dieser Dynamik zeigt Romain Gavras’ Athena (2022), der den Aufstand in den Pariser Banlieues mit atemberaubender, fast ekstatischer Intensität inszeniert. Die Kamera bewegt sich mit den Randalierenden; Wut wird zur Choreografie, Feuer zur Beleuchtung. Der Aufstand wirkt dringlich, gerecht, lebendig. Und doch bleibt ein seltsamer Überschuss – eine Energie, die sich aus sich selbst zu speisen scheint. Die Revolte stiftet nicht nur Protest, sondern erzeugt Sinn, Zugehörigkeit, ja Erregung. Der Kampf verbindet die Brüder enger als jeder Sieg es könnte. Am Ende lodert das Spektakel hell – doch die Struktur, die es hervorgebracht hat, bleibt bestehen. Der Aufstand hat Identität geschaffen, ohne eine Veränderung herbeizuführen.

Mit außergewöhnlicher gestalterischer Präzision bildet der Film die Wucht der Entscheidung ab; was er nicht zeigt, ist eine Neubestimmung der Situation selbst. Die Revolte ist spektakulär, aber sie ist kein Ereignis. Während Žižek die in der Revolte verborgene Befriedigung aufdeckt, stellt Badiou eine schwierigere Frage: Was hat sich, wenn überhaupt, tatsächlich verändert? Wo Žižek mit Misstrauen beginnt, setzt Badiou bei der Möglichkeit an. Seine Philosophie kreist um eine einzige, anspruchsvolle Idee: das Ereignis. Ein Ereignis ist kein großes Geschehen oder dramatisches Spektakel. Es ist etwas, das mit der bestehenden Ordnung auf eine Weise bricht, die diese Ordnung selbst nicht erklären kann. Politik ist für Badiou nicht endloser Widerstand. Sie ist selten, schwierig, diskontinuierlich. Sie beginnt, wenn etwas zuvor Undenkbares erscheint – und wenn Subjekte sich diesem in Treue verpflichten.

Aus einer Badiouschen Perspektive riskiert One Battle After Another nicht nur ideologische Wiederholungen, sondern versäumt es überhaupt, Politik zu inszenieren. Es gibt Kampf, Mut, Opferbereitschaft – aber kein Ereignis. Es geschieht nichts, was die Koordinaten der Situation neu definiert. Der Feind kehrt zurück, weil nichts die Logik unterbrochen hat, die ihn hervorbringt. Badiou wäre vom Realismus des Films nicht beeindruckt. Er würde ihn als Kapitulation vor der Situation bezeichnen. Indem der Film darauf besteht, dass der Kampf niemals endet, schließt er die Möglichkeit aus, dass etwas wirklich Neues geschehen könnte. Beharrlichkeit wird mit Treue verwechselt. Ausdauer ersetzt Wahrheit. Hier nimmt der Trost eine andere Form an. Uns bleibt die Forderung erspart, uns einem Ereignis zu verpflichten, das Scheitern, Isolation oder Verlust unserer gewohnten Identität voraussetzen würde. Stattdessen wird uns die Sicherheit der Kontinuität geboten: ein Kampf nach dem anderen, ohne entscheidende Risiken.

Žižek und Badiou sind sich in vielem grundlegend uneinig. Der eine betont Ideologie und Genuss, der andere Wahrheit und Bruch. Doch in diesem Fall konvergiert ihre Kritik. Beide würden in One Battle After Another eine Verweigerung der schwierigsten politischen Frage erkennen: Was hieße es, wenn der Kampf nicht mit einer Niederlage, sondern mit einer Transformation endet? Für Žižek droht endloser Widerstand zum ideologischen Supplement des Status quo zu werden. Für Badiou markiert er die Abwesenheit eines Ereignisses, das Treue verdient. In unterschiedlichen Sprachen sagen beide dasselbe: Wiederholung wird mit Ernsthaftigkeit verwechselt. Diese Übereinstimmung verdeutlicht ein tieferes Problem der gegenwärtigen politischen Kultur. Wir haben gelernt, der Hoffnung zu misstrauen, Utopismus als Naivität abzutun und Pessimismus für Reife zu halten. Doch was, wenn Pessimismus selbst zum verführerischsten Trost geworden ist?

Der gefährlichste Trost unserer Zeit ist nicht Optimismus, sondern moralische Wachsamkeit. Wir beruhigen uns mit unserer Aufmerksamkeit, unserer Alertheit, unserer Weigerung, uns täuschen zu lassen. Wir wissen, dass der Feind niemals verschwindet, dass der Kampf endlos ist, dass Geschichte keine Garantien kennt. Aber Wissen kann auch wie eine Betäubung wirken. Es kann uns daran hindern, uns zu fragen, ob unsere politische Vorstellungskraft insgeheim nicht bereits diszipliniert und unterworfen wurde.

One Battle After Another belügt uns nicht; der Film sagt die Wahrheit durch Wiederholung. Aber er lehrt uns auch, was wir nicht begehren sollen: ein Ende des Kampfes, das ein Umdenken in Bezug auf die Welt selbst erfordern würde. Wiederholung ist verführerisch, weil sie uns ethisch mobilisiert, ohne dass wir einen Bruch riskieren. Wir leiden, wir halten durch – und nennen das Politik. Doch Ausdauer ist noch keine moralische Angemessenheit. Leiden rechtfertigt sich nicht selbst. Wachsamkeit ist keine Transformation. Wenn Widerstand von der Möglichkeit der Veränderung getrennt wird, wird er zum Ritual. Die Befriedigung liegt nicht im Sieg, sondern darin, wieder einmal auf der richtigen Seite des Kampfes gestanden zu haben.

Es gibt jedoch Filme, die diesen Trost verweigern. Alfonso Cuaróns Children of Men (2006) versichert uns weder, dass der Kampf weitergeht, noch schmeichelt er unserer Wachsamkeit. Er inszeniert eine Welt, in der sogar der Kampf erschöpft ist – in der Widerstandsbewegungen hohl geworden sind, Politik auf Eindämmung reduziert ist und Hoffnung keine brauchbare Kategorie mehr darstellt. Und doch bleibt Handeln möglich. Theo handelt nicht, weil er an die Zukunft glaubt oder weil die Historie es verlangt oder weil Ausdauer zur Tugend geworden ist. Er handelt ohne Rückversicherung. Verantwortung speist sich hier nicht aus Wiederholung, sondern aus der Konfrontation mit einer singulären Anforderung, die keine Gegenleistung verspricht. So sieht eine Ethik ohne Trost aus, wenn sie dramatisiert wird.

Žižek hilft uns zu erkennen, wie Widerstand als Identität genossen werden kann. Badiou zeigt uns, wie Beharrlichkeit ohne Ereignis politisch leer bleibt. Gemeinsam legen sie die Grenzen einer Kultur offen, die sich selbst dafür beglückwünscht, zu wissen, dass der Kampf niemals endet. Was fehlt, ist nicht Realismus, sondern Mut: der Mut, sich vorzustellen, dass die Wiederholung selbst das Problem sein könnte. Ein Ende des Kampfes zu denken, heißt nicht, sich Utopie oder endgültige Harmonie vorzustellen. Es bedeutet, das Risiko einzugehen, die Koordinaten des Konflikts so radikal zu verändern, dass der Feind, wie wir ihn kennen, keinen Sinn mehr ergibt.

Eine solche Vorstellung ist gefährlich: Sie bedroht Identitäten, die auf Widerstand, moralischer Eindeutigkeit und der Gewissheit aufgebaut sind, ihren Platz im Kampf zu kennen. Das ist der Grund, warum Trost so oft in Form von Wiederholung auftritt. Besser ein weiterer Kampf als ein Sprung ins Ungewisse.

One Battle After Another ist ein ernsthafter Film. Seine Verweigerung des leichten Sieges ist ehrlich. Doch Ehrlichkeit genügt nicht. Die Gefahr besteht darin, dass Ehrlichkeit zum Alibi der Resignation wird. Eine Žižeksche Lektüre warnt: Endloser Widerstand kann Ideologie werden. Eine badiousche Lesart mahnt: Ohne Bruch gibt es keine Politik. Gemeinsam zwingen sie uns zu einer härteren Frage: Kämpfen wir, weil die Welt sich ändern muss – oder weil das Kämpfen selbst zu unserer Überlebensstrategie in einer Welt geworden ist, an deren Wandel wir nicht mehr glauben? Heute Trost abzulehnen, bedeutet nicht, Optimismus zu fordern. Es heißt, den Komfort der Wiederholung zu verweigern und darauf zu bestehen, dass Politik, wenn sie etwas bedeuten soll, mehr riskieren muss als bloße Ausdauer.

Andernfalls wird es immer wieder eine neue Schlacht geben – und sonst nichts.

Übersetzung aus dem Englischen vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam. Wir suchen Freiwillige!


Sam Ben-Meir ist Assistant Adjunct Professor für Philosophie an der City University of New York, College of Technology.