Mit einer eindringlichen Erklärung, die zur Verteidigung der Menschenrechte, zu echter Demokratisierung und zu aktiver Gewaltfreiheit als Handlungsweise und Lebensstil aufruft, endete am Sonntag, dem 25. Januar 2026, die vierte Versammlung des Humanistischen Weltforums.

Am zweiten Tag der vierten Versammlung des Humanistischen Weltforums arbeiteten die Aktivist:innen an der Konsolidierung von Vorschlägen und der Planung konkreter Maßnahmen in siebzehn Themenbereichen, mit dem Ziel, die Stimmen der Mehrheit, die eine grundlegende globale Transformation fordert, zu stärken und sichtbar zu machen.

Die am ersten Tag erarbeitete Diagnose war eindeutig: Die Kluft zwischen den Bestrebungen der Völker und den Entscheidungen politischer und wirtschaftlicher Führungsebenen wächst. Demokratische Defizite, Ungleichheit, Klimakrise, Autoritarismus und Desinformation verschärfen die globale Instabilität.

„Das System bringt uns um.“ Dieser Satz eines Teilnehmers war keine rhetorische Floskel. Hunger und Elend, ein ungebremster Rüstungswettlauf, Rassismus und Diskriminierung, Gewalt gegen Frauen und Kinder, organisierte Kriminalität, Hassrede und Umweltkatastrophen zeigen die eklatante Unfähigkeit des Systems und seiner Träger, den Menschen heute eine bessere Lebensqualität zu sichern.

Gleichzeitig betonte die kollektive Analyse, dass Initiativen der Zivilgesellschaft und humanistischer Organisationen weltweit konstruktive Alternativen aufzeigen und Grund zur Hoffnung geben. Eine neue Welt entsteht – diese Signale gilt es sichtbar zu machen und zu stärken.

Haltung des Humanistischen Weltforums zur globalen Krise

Die Teilnehmer:innen bekräftigten die Menschenrechte als Grundlage zwischenmenschlicher Beziehungen, als Garantie des Überlebens und als Horizont für eine öffentliche Politik, die die Lebensqualität aller Menschen gerecht und wirksam sichert.

Sie betonten die Notwendigkeit, überholte Modelle vergangener Jahrhunderte durch eine dezentrale politische Organisation zu ersetzen, in der Demokratie und Pluralismus real sind und von der sozialen Basis ausgehen – mit integrativen, transparenten und rechenschaftspflichtigen Regierungsführungen.

Ebenso wurde die Dringlichkeit hervorgehoben, globale Herausforderungen wie den Klimawandel durch sofortige Maßnahmen und langfristige Umweltverantwortung anzugehen sowie Ungleichheit, Repression, Konflikte und Katastrophen durch Solidarität und globale Zusammenarbeit zu überwinden.

Nichts darf der Herstellung des Friedens im Wege stehen. Dies gilt insbesondere angesichts der destruktiven Haltung, die sich heute in der Aufstockung der Waffenarsenale und der offensichtlichen Aggressivität der untergehenden Großmacht zeigt. Dauerhafter Frieden erfordert, dass die Völker Gewaltfreiheit als Lebensweise annehmen.

Besondere Aufmerksamkeit galt der Stärkung marginalisierter Gruppen, insbesondere von Frauen, Minderheiten und LGBTQ+-Gemeinschaften. Gleichzeitig wurde der Bildung als Instrument der Stärkung, Gerechtigkeit und Transformation große Bedeutung beigemessen.

Der Humanismus, der in verschiedensten Formen und Kulturen über Epochen hinweg präsent war, ist seinem Wesen nach inklusiv und universell. Seine Bedeutung überwindet jegliche identitäre Spaltung und wurzelt in der gemeinsamen Menschenwürde. Er ist eine gelebte Praxis, kein abstraktes Ideal.

Strategisches Handeln

Heute ist es notwendig, organisatorische Formen und kollektive Handlungsweisen zu erneuern. Global koordiniertes Handeln erfordert die Zusammenarbeit mit zahlreichen Organisationen und die Anpassung an den rasanten technologischen Fortschritt.  Entscheidend ist jedoch der gemeinschaftliche Ansatz von der sozialen Basis aus und die Rolle der Jugend als zentrale Akteurin des Wandels. Es gilt, Räume zu schaffen, die Vertrauen, Inklusion und Hoffnung fördern.

Für die Humanist:innen sind Allianzen, Netzwerkarbeit und die wechselseitige Zusammenarbeit mit anderen Organisationen von wesentlicher Bedeutung – ohne jedoch die eigenen Vorschläge preiszugeben. Im Gegenteil: Der Moment verlangt neue, wegweisende Vorstellungen und aussagekräftige Beispiele, die dabei helfen, Unentschlossenheit und Niedergeschlagenheit zu überwinden. Aus einem gemeinsamen ‚Wir‘ heraus Utopie Wirklichkeit werden zu lassen, ist heute der Weg.

Die Kraft der Völker entwickelte sich historisch aus ihren Gründungsmythen, die tief im menschlichen Bewusstsein verankert sind. Die besten Bestrebungen werden wirksam, wenn Aktivist:innen diese Quelle erreichen und daraus neue soziale Horizonte für ihre Gemeinschaften entwickeln.

Vom Dialog zur Aktion

Zu den wichtigsten auf dieser vierten Versammlung vorgeschlagenen Impulsen gehören in erster Linie die Beteiligung und Entwicklung von Initiativen an der Basis, die Unterstützung diskriminierter Bevölkerungsgruppen sowie die Erarbeitung von Lösungen ‚von unten‘ – vom Lokalen hin zum Allgemeinen.

Ebenso zählen der Aufbau von Gemeinschaftsnetzwerken und gewaltfreien Bündnissen sowie Allianzen für den Bildungszugang, den Schutz des Planeten und die Unterstützung neuer Demokratiemodelle zu den vereinbarten Prioritäten.

Die Ablehnung der Militarisierung, die Förderung der Dekolonisierung und die aktive Beteiligung an der Woche der Gewaltfreiheit sowie am 4. Weltmarsch für Frieden und Gewaltfreiheit bilden weitere Leitlinien für künftiges Handeln. Zudem wurden Initiativen zur internationalen Solidarität und die Unterstützung für die Einberufung einer Weltbürgerversammlung im Rahmen einer demokratischen Neuordnung der Vereinten Nationen bekräftigt.

Zudem gilt es, das innere Gefüge des Humanistischen Weltforums durch neue thematische Arbeitsgruppen weiter zu stärken. Parallel dazu soll die mediale Sichtbarkeit erhöht werden, um die Vorbildfunktion des Forums in der Gesellschaft nachhaltig zu festigen.

Die Versammlung endete mit einer bewegenden Erklärung, die wir im Folgenden vollständig wiedergeben.

Ein humanistischer Aufruf in Zeiten der Krise

Wir leben in einer Welt, in der die Hoffnungen der Menschen von den Machthabern zunehmend ignoriert werden. Die Ungleichheit verschärft sich, die Demokratie wird geschwächt, der Planet ist bedroht und Angst wird oft instrumentalisiert, um uns zu spalten. Dennoch organisieren sich Menschen überall: Sie sind füreinander da, leisten Widerstand und schaffen neue Möglichkeiten.

Das Humanistische Weltforum tritt für einen Humanismus ein, der alle einschließt. Über Identitäten, Grenzen und Überzeugungen hinweg bekräftigen wir die Würde jedes Menschen. Humanismus ist keine abstrakte Philosophie: Er ist gelebte Praxis, das, was wir gemeinsam aufbauen und wie wir einander begegnen.

Wir glauben an die aktive Gewaltfreiheit als Lebensform und Kraft der Transformation. Wir verteidigen die Menschenrechte als Grundlage für Freiheit, Gerechtigkeit und das Überleben. Wir setzen auf eine Demokratie, die zuhört, auf eine Bildung, die befähigt, sowie auf Wissenschaft und kritisches Denken als Leitlinien für unser Handeln.

Der Schutz des Planeten ist keine Option, sondern für unser Überleben unerlässlich. Klimaschutz, die Bewahrung der Natur und Solidarität mit jenen, die am stärksten unter den Krisen leiden, sind moralische Gebote. Wir lehnen Militarisierung und Autoritarismus ab und entscheiden uns für Zusammenarbeit, Empathie und Mut.

Veränderung beginnt im Kleinen: in unseren Gemeinschaften, in gemeinsamen Räumen und in kollektiven Aktionen, die zu Bewegungen heranwachsen. Die Jugend ist nicht die Zukunft: Sie ist die Gegenwart. Gemeinsam, von der Basis aus, können wir den Weg von der Not zur Freiheit und von der Isolation zu einem gemeinsamen ‚Wir‘ gehen.

Eine andere Welt ist nicht nur möglich – sie entsteht bereits.

Das Humanistische Weltforum lädt alle Menschen ein, sie gemeinsam zu gestalten.

Die Übersetzung aus dem Spanischen wurde von Kornelia Henrichmann vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!