In Anlehnung an alte militärische Taktiken erlebt die Welt heute eine neue Ausbreitung von Blockaden. Das gezielte Ersticken belagerter Bevölkerungen – durch die Vorenthaltung von Lebensmitteln, Medikamenten sowie Energie- und Wirtschaftsressourcen – verfolgt ein klares Ziel: das Leid der Menschen zu verschärfen, damit sie ihre Unzufriedenheit gegen die eigenen Regierungen richten. Bereits für sich genommen stellt diese Strategie eine schwerwiegende Verletzung grundlegender Menschenrechte dar – und sollte international strafbar sein.

Die Krise, die das kubanische Volk heute durchlebt, ist nicht primär das Ergebnis interner Politik, so verbesserungswürdig oder reformbedürftig diese auch sein mag, sondern vor allem Folge einer seit über sechs Jahrzehnten andauernden Blockade. Sie wurde von aufeinanderfolgenden Regierungen der Vereinigten Staaten als instinktive Reaktion auf eine Revolution verhängt, die versuchte, souveräne Alternativen zu den historischen Demütigungen und Ausbeutungsformen zu schaffen, die neue wie auch alte Spielarten des Kolonialismus diesem Volk eingebrannt hatten.

Die Abriegelung wird heute durch zusätzliche Druckmaßnahmen sowie eine verstärkte US-Marinepräsenz in der Karibik weiter verschärft. Nach einer Phase relativer Annäherung während der Präsidentschaft Barack Obamas hat das Bündnis antirevolutionärer kubanischer Exilkreise in Miami – gemeinsam mit den politischen Kräften um Donald Trump – seinen konfrontativen Kurs gegenüber der Insel wieder deutlich verschärft. Prominente Vertreter wie Staatssekretär Marco Rubio stehen exemplarisch für eine politische Linie, die seit Jahrzehnten von tief verwurzelten Ressentiments und Rachegelüsten gegenüber dem kubanischen System geprägt ist.

Doch Kuba ist nicht das einzige Land, das im Namen einer angeblichen „Freiheit“ massiven Eingriffen in seine Souveränität ausgesetzt ist. Auch Venezuela sieht sich, als Verbündeter Kubas im Streben nach regionaler Integration und Unabhängigkeit, vergleichbaren Druckmechanismen ausgesetzt.

Das bolivarische Venezuela, getragen vom demokratischen Impuls eines Volkes, das jahrzehntelanger Ausbeutung überdrüssig war, verwandelte seine Ölressourcen in sozialen Fortschritt und teilte sie über Initiativen wie PetroCaribe mit Nachbarstaaten.  Dieses Modell solidarischer Energiepolitik, das ärmeren Ländern bevorzugte Konditionen bot, rief den Groll des selbsternannten Herrschers des Norden hervor, der nicht zögerte, alle verfügbaren Mittel einzusetzen, um dieses neue Symbol von Zusammenarbeit und Solidarität zu stürzen.

Dasselbe Muster von Internierung und Hungersnot – und in der Folge von Vernichtung – wurde bereits gegen die jüdische Bevölkerung in den Ghettos des von den Nazis besetzten Europas angewendet, die als städtische Konzentrationslager unter freiem Himmel fungierten. Ein ähnliches Schema hat die israelische Regierung unter Netanjahu benutzt, um den systematischen Tod Zehntausender Bewohner des Gazastreifens herbeizuführen.  Die Barbarei, der die expansionistische Ultrarechte – sowohl die lokale als auch die in den Vereinigten Staaten verankerte – das palästinensische Volk sowie dessen legitimes Recht auf eine freie Nation aussetzt, weckt unweigerlich Erinnerungen an die Bantustans in Südafrika unter dem Apartheidregime, das in den 1970er Jahren enge wirtschaftliche und militärische Beziehungen zur israelischen Regierung unterhielt.

Parallel dazu verändert sich die geopolitische Landschaft grundlegend. Mit dem Aufstieg der BRICS-Staaten entsteht ein neuer Machtpol, dessen Interessen nicht mit den monopolistischen Interessen der großen US-Konzerne übereinstimmen. In dieser Umbruchsituation greift die führende Weltmacht zunehmend auf ein altbekanntes Mittel einer sich im Niedergang befindenden Hegemonialmacht zurück: rohe Gewalt, gnadenlose Aggression und Krieg.

Zu den Faktoren, die die aktuellen Spannungen verschärfen, gehört möglicherweise auch die Erweiterung des BRICS-Bündnisses im Jahr 2024. Der Beitritt von Ländern wie Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie die engere Anbindung weiterer rohstoffreicher Staaten wie Saudi-Arabien, Nigeria und Kasachstan stärken diesen Block als Gegengewicht zur bisherigen atlantischen Dominanz.

Im aktuellen Kriegsszenario zeigt sich zudem, wie strategisch bedeutende Handelsrouten zunehmend als Druckmittel eingesetzt werden. So hat der Iran nachdem er angegriffen wurde zeitweise den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus eingeschränkt, während verbündete Kräfte im Jemen mit ähnlichen Maßnahmen im Bab al-Mandab drohen – einem strategisch wichtigen Zugang zum Roten Meer und zum Mittelmeer.

Darüber hinaus sind physische und politische Mauern zu einem alltäglichen Phänomen geworden, die – oft in naiver Weise – darauf abzielen, Bevölkerungsgruppen in einer längst global vernetzten Welt voneinander zu trennen. An den Grenzen der Vereinigten Staaten und Europas werden Menschen aufgehalten, die vor Krieg, Elend und Perspektivlosigkeit fliehen – oft als Folge globaler Machtverhältnisse, zu deren Entstehung gerade diese Regionen beigetragen haben. Selbst wenn es gelingt, diese Barrieren zu überwinden, sehen sich viele Migranten weiterhin mit Diskriminierung und Gewalt konfrontiert.

Doch wie so oft in der Geschichte gilt: Während sich manche Türen schließen, öffnen sich andere.

Anzeichen neuer Hoffnungen einer neuen Generation

In den vergangenen Jahren kam es in mehreren Ländern – darunter Sri Lanka, Bangladesch, Nepal, Peru und Madagaskar – zu massiven Protestbewegungen, die vor allem von der sogenannten Generation Z getragen wurden. Ihr Protest richtet sich gegen Korruption und Vetternwirtschaft, soziale Ungleichheit und fehlende Zukunftsperspektiven. Gleichzeitig artikulieren sie den Anspruch auf eine gerechtere Nutzung gemeinsamer Ressourcen.

Diese Bewegungen haben in einigen Fällen zum Sturz etablierter Regierungen geführt und politische Prozesse angestoßen, die von breiten Teilen der Bevölkerung getragen werden und neue Hoffnungen wecken.

In Sri Lanka etwa wurde im Septembe 2024 mit Anura Kumara Dissanayake ein Präsident gewählt, der soziale Reformen zugunsten der ärmeren Bevölkerungsschichten eingeleitet hat, darunter Maßnahmen wie eine universelle Mindestrente, die Umverteilung von Land sowie steuerliche Anpassungen.

Auch in Bangladesch führten Wahlen nach einer Übergangsphase zu einem klaren politischen Mandat, begleitet von einem breiten gesellschaftlichen Konsens über notwendige Verfassungs- und Gesetzesreformen, die aus den Protestbewegungen hervorgegangen sind.

Ebenso bemerkenswert sind die politischen Entwicklungen in Nepal, wo nach massiven Protesten eine neue politische Kraft an Einfluss gewann, die mit jüngeren Kandidaten antritt und an frühere Reformbewegungen anknüpft, die sich gegen Korruption und strukturelle Ungleichheit richteten.

Ob diese Prozesse langfristig Bestand haben, hängt unter anderem davon ab, inwieweit es ihnen gelingt, den Widerstand etablierter Machtstrukturen zu überwinden. Dennoch ist an vielen dieser Orte eine neue Aufbruchsstimmung spürbar.

Wie außen, so innen

In seinem Werk „Briefe an meine Freunde“ legt der humanistische Denker Silo dar, dass die Menschheit zunehmend vor einer grundlegenden Wahl steht: zwischen einem sich vertiefenden, zerstörerischen Chaos und einer Revolution als Weg zur Überwindung der Unterschiede unter den Unterdrückten. Bereits vor mehr als drei Jahrzehnten formulierte er die Warnung, es sei selbstmörderisch, die Zukunft jenen zu überlassen, die den gegenwärtigen Prozess hervorgebracht haben.

Der Versuch, das wachsende Chaos innerhalb der bestehenden Strukturen zu ordnen, droht, es weiter zu beschleunigen. Es bedarf vielmehr einer tiefgreifenden Transformation des Systems, das sich stärker für die Vielfalt menschlicher Bedürfnisse und Bestrebungen öffnen muss.

Dabei geht es nicht nur um soziale und politische Veränderungen, sondern auch um eine tiefgreifende, menschliche Revolution, die neue Werte hervorbringt und die erschöpften Paradigmen der Gegenwart ersetzt.

In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage nach einer inneren, mentalen Transformation, die notwendig ist, damit sich sowohl die individuelle als auch die gesellschaftliche Wirklichkeit nachhaltig wandeln kann.

In Anlehnung an die alte hermetische Formel der Smaragdtafel ließe sich sagen: Das was aussen ist, ist wie das was innen ist. In diesem Sinne lassen sich äußere Blockaden auch als Spiegel innerer Blockaden verstehen – als Ausdruck ungelöster Spannungen im Individuum ebenso wie in der Gesellschaft.

Die Überwindung dieser Spannungen erfordert mehr als einfache Lösungen oder bloßen Rückzug. Weder oberflächliche Selbsthilfe noch Verdrängung oder Flucht bieten einen wirklichen Ausweg. Auch rein individuelle Ansätze greifen zu kurz, wenn sie nicht mit einem bewussten, gemeinsamen Handeln verbunden sind.

Ein möglicher Weg liegt vielmehr in einem kohärenten, solidarischen und kollektiven Handeln, das sowohl die äußeren Bedingungen verändert als auch zur inneren Integration beiträgt. Ein solcher Prozess kann dazu beitragen, die Widersprüche zu überwinden, die Menschen und Gesellschaften spalten, und neue Formen des Zusammenlebens zu ermöglichen.

In diese Richtung zu wirken – mit Klarheit, Entschlossenheit und dem Bewusstsein für die gemeinsame Zukunft der Menschheit – bleibt eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit.

Die Übersetzung aus dem Spanischen wurde von Kornelia Henrichmann vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!