Rund um die Welt veröffentlichen Medien unzählige Bilder von Nicolas Maduro. Echte und falsche sind kaum auseinanderzuhalten.

Marco Diener für die Online-Zeitung INFOsperber

Auch Infosperber brachte gestern ein Bild des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro in Handschellen. Möglicherweise hätten wir das besser nicht getan. Denn immer deutlicher zeigt sich, dass viele Bilder von seiner Festnahme und von den Jubelfeiern in Caracas nicht echt oder uralt sind.

Der französische Fernsehsender France 24 hat die Bilder untersucht. Ins Visier nahmen die France-24-Leute unter anderen jene Bilder, die zeigen, wie Beamte der amerikanischen Drogenbekämpfungsbehörde DEA den Präsidenten abführen. Misstrauisch wurden die Leute von France 24, weil die Bilder aus unterschiedlichen Perspektiven aufgenommen wurden.

Mal von vorne, mal von oben: Nicolas Maduro nach seiner Festnahme. © Bildschirmfoto France 24

Auf den ersten Blick scheinen die Bilder trotzdem echt. Die Uniformen sehen auf den verschiedenen Bildern gleich aus. Maduros Anzug ebenfalls. Doch die französischen Journalisten fanden heraus, dass die Bilder vom «KI»-Programm «Nano Banana Pro» von Google erstellt worden sind.

Denn Google versieht die Bilder mit einem Wasserzeichen. Dieses kann vom Analysewerkzeug Sinth-ID, das in Google-Lens integriert ist, erkannt werden. Das Analyseresultat lautete: «Créée avec l’IA de Google.»

Das Werk von «Nano Banana Pro», der «Künstlichen Intelligenz» von Google. © France 24/Google Lens

Auffallend ist auch der verschwommene Fleck, der eigentlich die Hand zeigen sollte, mit welcher der Soldat links im Bild den Präsidenten hält. Bildgeneratoren haben noch immer grosse Mühe, Hände realistisch abzubilden.

Auch von «Nano Banana Pro» stammt laut France 24 das Bild, das den venezolanischen Präsidenten im orangen Sträflingsanzug zeigt.

Maduro im orangen Sträflingsanzug. © France 24/El Nacho auf X

Ebenfalls als falsch haben die France-24-Leute das Bild entlarvt, das Maduro in einem Flugzeug in einer Art Pyjama zeigt. Bereits am Wochenende war die «New York Times» wegen der seltsamen zweiten Fensterreihe misstrauisch geworden.

France 24 wies nun nach, dass der Soldat links im Bild einen Kampfanzug mit einem Tarnmuster trägt, das die amerikanische Armee bereits im Jahr 2019 durch ein neues ersetzt hat.

Falsches Tarnmuster auf der Uniform. © France 24/campomedia.org/X

Das Pyjama ist weiss. Gleichentags erschienen die berühmten Bilder von Maduro in Handschellen. Auf diesen Bildern trägt er nicht das weisse Pyjama, sondern einen grauen Trainingsanzug – wahrscheinlich von Nike.

Die Redaktoren der «New York Times» hegen grosse Zweifel an der Echtheit. Vor allem wegen des extremen Hochformats. Es sehe aus, als ob «ein Grossteil des Inhalts des Originalbilds entfernt worden wäre». Zudem sei das Bild von schlechter Qualität. Es sehe aus, als würde es aus dem Fotodrucker stammen.

Diese Bilderreihe von Maduro im Trainingsanzug veröffentlichte gestern auch Infosperber. © The White House/X

Die «New York Times» liess das Bild durch mehrere «KI»-Detektoren laufen. Doch das Ergebnis war nicht eindeutig. Manche Detektoren gaben an, das Bild sei nicht echt, andere kamen zum gegenteiligen Schluss.

Eindeutig ist hingegen das letzte Beispiel: Ein Video zeigt angebliche Jubelszenen in den Strassen von Caracas nach der Festnahme von Maduro. Das Video ist mit grösster Wahrscheinlichkeit echt. Aber es stammt nicht aus diesem Jahr, sondern wurde im Juli 2024 aufgenommen. Und es zeigt nicht Jubelszenen, sondern eine Protestdemonstration nach den damaligen Wahlen.

Echt, aber vom Juli 2024: Bild von einer Demonstration in Caracas. © France 24/X/@ Real Alex Jones/Bentus Noticias

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