Navdanya und Regeneration International haben zusammen mit zwei sri-lankischen Organisationen, dem Lanka Organic Agriculture Movement (LOAM) und Earth Restoration, im Oktober 2023 eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie zu den Anschuldigungen in der internationalen Presse Stellung nehmen, die Umstellung auf biologischen Landbau habe Sri Lanka in ein wirtschaftliches Chaos gestürzt.

Gemeinsame Erklärung und Gegendarstellung verzerrter Medienberichte über Sri Lankas biologischen Weg

Agrarindustrielle Kartelle und Medienartikel behaupteten, das wirtschaftliche Chaos in Sri Lanka sei von der Regierung verursacht worden, die das Land zur Umstellung auf ökologischen Landbau zwang.

Die in den Artikeln enthaltenen falschen Darstellungen, Unwahrheiten und der Sprachstil, die alle bekannt erscheinen, zeigen, dass Spindoktoren sie für eine PR-Firma im Auftrag von Pestizid- und Agrarkartellen geschrieben haben. Die Artikel wurden von Journalisten entgegen seriöser journalistischer Vorgehensweisen per »copy & paste« erstellt, ohne die Fakten geprüft zu haben.

Es hieß, die sri-lankische Regierung habe Landwirte durch das Verbot von chemischen Düngemitteln zum Umstieg auf biologische Landwirtschaft gezwungen. Dies habe zu Missernten und Nahrungsmittelknappheit geführt, was Unruhen ausgelöst und wirtschaftliches Chaos verursacht habe.

Das ist eine grobe Verzerrung der Wahrheit durch eine falsche Verknüpfung von Teilaspekten. Das Wirtschaftschaos wurde nicht dadurch verursacht, dass das Land auf Bio umstellte, denn es hatte noch gar nicht auf Bio umgestellt. Die Regierung hatte lediglich geplant, dies in Zukunft zu tun.

Die wirtschaftlichen Probleme Sri Lankas

Sri Lanka befand sich in ernsten wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die durch die Anhäufung von Finanzschulden verursacht wurden. Diese Schulden waren durch eine Kombination von Faktoren entstanden, die mit der finanziellen Schwächung, der Beschädigung der Infrastruktur und den sozialen Verwerfungen durch den jahrzehntelangen Bürgerkrieg begonnen hatten.

Darüber hinaus haben Steuersenkungen im Jahr 2019 die Staatseinnahmen verringert und die Staatsverschuldung des Landes vertieft. Die Covid-19 Pandemie ließ 2020 die Tourismusindustrie zusammenbrechen. All diese Faktoren führten zu einem erheblichen Anstieg der Inflation, trugen zur Verknappung von Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs bei und führten so zu einer erhöhten Ernährungsunsicherheit in Sri Lanka. Anfang 2021 befand sich das Land in ernsten wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten.

Am 27. April 2021 verbot das Ministerium für Ein- und Ausfuhrkontrolle den Import von chemischen Düngemitteln, da diese mit über 400 Millionen Dollar zum Handelsdefizit beitrugen. Dies war der Beginn einer Reihe von Maßnahmen, die vorgeschlagen wurden, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Die biologische Landwirtschaft war nicht die Ursache für das wirtschaftliche Chaos in Sri Lanka

Das Verbot von chemischen Düngemitteln und Agrochemikalien sollte Sri Lanka nicht zu einem Bio-Land machen, sondern die lähmende Staatsverschuldung Sri Lankas reduzieren. Eine präsidiale Arbeitsgruppe wurde gebildet, um eine grüne, klimawandel-resiliente Wirtschaft zu entwickeln, in der die biologische Landwirtschaft ein Aspekt war.

Sir Lanka hat jedoch nie ein nationales Programm zur Umstellung auf biologischen Landbau durchgeführt. Die Kampagne, die den Zusammenbruch der Wirtschaft des Landes auf den biologischen Landbau schiebt, ist daher reine, auf einer Reihe von Lügen beruhende Falschinformation, die von einer PR-Firma an gutgläubige Journalisten weitergegeben wurden, die die Fakten nicht überprüften.

Die Oligarchien der Reismühlen trugen zum Chaos bei

Die übliche Zurückhaltung von Reisvorräten und die künstlichen Preiserhöhungen, die die Oligarchie der Reismühlen jedes Jahr nach der Haupterntezeit vornehmen, führten zu einer künstlichen Verknappung, die zum Chaos beitrug, das die Unruhen auslöste. Weitere Faktoren waren die Verknappung von Treibstoff und lebenswichtigen Gütern sowie die übermäßige Inflation, die alles teurer und für viele unerschwinglich machte.

Umstellung auf Bio

Die plötzliche Reduzierung der Düngemittel führte zu einem Rückgang der Reisproduktion. Dies lag jedoch nicht daran, dass das Land auf biologischen Landbau umstellte. Die Umstellung eines landwirtschaftlichen Betriebs auf biologischen Landbau dauert drei Jahre, die einer Region oder eines ganzen Landes Jahrzehnte, wie im Falle des erfolgreichen Übergangs in Bhutan und Sikkim. Lediglich den Einsatz von chemischen Düngemitteln zu stoppen, macht einen Betrieb noch nicht biologisch. Kuba hat den Übergang zur biologischen Landwirtschaft erfolgreich gemeistert, als Düngemittel und Öl blockiert wurden.

Die nationale und internationale Bio-Branche empfahl der Regierung von Sri Lanka, Pläne für die Umstellung auf den biologischen Landbau zu entwickeln und riet von einer plötzlichen Einstellung von Düngemitteln und Agrochemikalien ab. Solch ein Plan wurde jedoch für Sri Lanka nie entwickelt, obwohl einige Vorschläge gemacht wurden, um den Prozess einzuleiten, dessen Umsetzung aber mehrere Jahre benötigen würde.

Die biologische Landwirtschaft ist kein System des Laissez-Faire. Der bloße Verzicht auf chemische Düngemittel und giftige Agrochemikalien macht einen Bauernhof nicht zum Biobetrieb. Der biologische Landbau verfügt über eine Vielzahl von Bewirtschaftungssystemen zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit und zur wirksamen Bekämpfung von Unkraut, Schädlingen und Krankheiten. Diese Systeme brauchen Jahre, um sich zu entwickeln, was einer der Gründe für die dreijährige Übergangsphase zur Erlangung der Bio-Zertifizierung ist.

Höhere Erträge durch biologischen Landbau

Die Umstellung auf biologischen Landbau muss nicht zwangsläufig zu Ertragseinbußen führen. Optimierte und bewährte ökologische Systeme erzielen gleich hohe oder höhere Erträge als industrielle und landwirtschaftliche Systeme, insbesondere in Entwicklungsländern wie Sri Lanka.

Noémi Nemes von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) analysierte über 50 wirtschaftliche Studien. Sie erklärte, die Daten: »… zeigen, dass ökologische Systeme in den meisten Fällen profitabler sind als nicht-ökologische Systeme. Höhere Marktpreise und Prämien, niedrigere Produktionskosten oder eine Kombination aus beidem führen im Allgemeinen zu relativ höheren Gewinne aus dem biologischen Landbau in Industrieländern. Die gleiche Schlussfolgerung lässt sich aus Studien in Entwicklungsländern ziehen, aber dort sind höhere Erträge in Kombination mit hohen Prämien der Grund für ihrer vergleichsweise höhere Profitabilität.«

Entscheidend ist, dass die biologische Landwirtschaft in Entwicklungsländern höhere Einkommen und Erträge bringt. Die Erträge können erheblich gesteigert werden, wenn die Landwirte darin ausgebildet werden, ihre traditionellen Methoden mit wissenschaftlich fundierten regenerativen und ökologischen Verfahren zu ergänzen.

Steigerungen der Reisproduktion

Reis ist das wichtigste Grundnahrungsmittel in Sri Lanka. Es gibt zahlreiche Belege dafür, dass die Produktion und Profitabilität von Reis durch regenerative und biologische Landwirtschaft auf Grundlage der Wissenschaft der Agrarökologie steigen.

Ein von MASIPAG auf den Philippinen durchgeführtes Forschungsprojekt ergab, dass die Erträge von Bio-Reis ähnlich hoch waren wie bei industriellen Systemen. Das Forschungsprojekt verglich signifikant das Einkommen zwischen ähnlich großen industriellen und biologischen Betrieben und stellte fest, dass das durchschnittliche Einkommen der Biobetriebe um 150 % höher war als das der industriellen Betriebe.

Die Verbesserungen in Wissenschaft und Praxis des Systems der Reisintensivierung (SRI), die regenerative und ökologische Systeme nutzen, erzielen beeindruckende Erträge, die höher sind als der Durchschnitt der Systeme mit chemischen Düngemitteln.

Professor Uphoff von der Cornell University stellt fest: »SRI-Methoden haben es armen Bauern in vielen Fällen ermöglicht, ihre Erträge zu verdoppeln, zu verdreifachen oder sogar zu vervierfachen, und zwar nicht nur individuell, sondern auf Dorfebene, und ohne neue Sorten oder agrochemische Mittel zu kaufen.«

Die Zukunft

Die neue sri-lankische Regierung arbeitet mit dem Lanka Organic Agriculture Movement (LOAM), Earth Restoration und anderen Akteuren zusammen, um einen Plan für die Einführung der biologischen Landwirtschaft zu entwickeln.

Das Umstellungsprogramm ist wegen der derzeit außergewöhnlich hohen Preise für synthetische Düngemittel und des schlechten Wechselkurses der sri-lankischen Währung essenziell; die meisten Bauern können sich Düngemittel nicht mehr leisten. Sie verschulden sich hoch, wenn sie sie verwenden, oder sie haben Ertragseinbußen, weil ihnen keine wirksamen Alternativen beigebracht wurden.

Die Einführung optimierter bewährter ökologischer und regenerativer Systeme, die auf der Wissenschaft der Agrarökologie beruhen, wird den Landwirten gute Erträge und höhere Einkommen ohne diese teuren und giftigen Chemikalien sichern.

Die Welt wird zu einer biologischen Landwirtschaft ohne fossile Brennstoffe übergehen müssen, um dem Klimawandel zu begegnen, denn die industrielle Landwirtschaft und die Emissionen fossiler Brennstoffe sind signifikante Treiber des Klimawandels.

Navdanya und Regeneration International werden die sri-lankische biologische Bewegung weiterhin bei der Erreichung dieses wichtigen Ziels unterstützen.

Thilak Kariyawasam, Lanka Organic Agriculture Movement (LOAM), https://loam.lk

Dr. Ranil Senanayake, EarthRestoration, https://restore.earth

Dr. Vandana Shiva, Navdanya, www.navdanya.org/

Dr. André Leu, Regeneration International, www.regenerationinternational.org

Deutsche Übersetzung von vandana-shiva.de

Titelbild: Theja D Senanayake / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0 Deed

Der Originalartikel kann hier besucht werden