Zwischen 8.000 und 20.000 chilenische Kinder und Babys aus armen, jungen Familien wurden während der Pinochet-Diktatur in den 1970er und 1980er Jahren irregulär von europäischen und nordamerikanischen Familien adoptiert, etwa 2.100 allein in Schweden. Mehr als 260 von ihnen haben sich, inzwischen erwachsen, auf die Suche nach ihrer Herkunft gemacht, ihre biologischen Familien und ihre Identität wiedergefunden. Mehrere Organisationen in Chile und Schweden machen Druck auf ihre Regierungen, damit diese die Suche begleiten und Verantwortliche finden. Doch bisher treffen sie nur auf Ablehnung.

Bei Adoptionen dieser Art kamen in Chile – so wie auch in Spanien während des Franco-Regimes – vor allem drei Strategien zum Einsatz: Zum einen wurden viele Mütter getäuscht. Ihnen wurde gesagt, ihre Kinder seien tot geboren worden, wobei sie weder die Leiche sehen durften noch eine Sterbeurkunde erhielten. Zum andere wurden Frauen – von denen viele weder lesen noch schreiben konnten – gezwungen, eine Einwilligung zur Übergabe ihres Kindes zu unterzeichnen. Weitere Frauen wurden schlicht für unfähig erklärt, ihre Kinder aufzuziehen.

Vor allem Kinder aus armen Familien und Mapuche-Gemeinschaften adoptiert

Die Opfer waren arm, viele gehörten der indigenen Gemeinschaft der Mapuche an. So auch im Fall von María Diemar, die am 3. Juli 1975 im Süden Chiles geboren wurde und im Alter von zehn Monaten nach Schweden kam. Als María am Flughafen ankam, hatte sie einen chilenischen Reisepass, einen Personalausweis, das Urteil des Jugendgerichts von Temuco [red. Anm.: Stadt in Südchile] und ihre Geburtsurkunde dabei. „In diesen Dokumenten war der Name meiner chilenischen Mutter eingetragen. Einige Dokumente wurden bei der schwedischen Adoptionsagentur hinterlegt, andere haben meine Eltern aufbewahrt“, sagt María.

„Als ich drei Jahre alt war und mein Bruder nach Schweden kam, erklärten meine Eltern mir, dass ich auch mit dem Flugzeug gekommen war und dass unsere Familien in Chile nicht für uns sorgen konnten, weil sie arm und jung waren. Für mich war Chile etwas Abstraktes. Aber als ich zehn Jahre alt war, zeigten sie mir eine Übersetzung des Urteils [vom Jugendgericht]. Als ich das selbst lesen konnte, veränderte das mein Leben. Von da an wusste ich, dass meine Mutter in Chile lebte, und ich beschloss, sie zu suchen, Spanisch zu lernen und nach Informationen über Chile zu suchen“, erzählt María.

Nach Angaben der Historikerin Karen Alfaro von der chilenischen Universidad Austral weisen die ersten Berichte der chilenischen Kriminalpolizei die Verantwortung für die irregulären Adoptionen der schwedischen Adoptionsbehörde zu, deren Mitarbeiter*innen – meist Sozialarbeiter*innen – Kinder aus hauptsächlich armen Familien entführten. Allerdings waren auch öffentliche Krankenhäuser, Ärzt*innen, Kinderheime und Kindergärten an dem Handel mit Kindern beteiligt.

Zahl der nach Schweden adoptierten Kinder aus Chile im Verlauf der Diktatur / Foto: Dagens Nyheter/Interferencia

Kindesraub im Laufe der Zeit

Die internationalen Kindesadoptionen begannen bereits vor der Machtübernahme Pinochets (1973), wurden aber bis 1978 zu einem wichtigen Bestandteil einer Strategie der Militärdiktatur, mit der diese die Kinderarmut reduzieren wollte, indem sie die bedürftigsten Kinder außer Landes schickte. So setzte der Staat die Mütter unter Druck, ihre Kinder abzugeben. Die von der Diktatur verbreitete Angst verhinderte, dass es zu größerem Widerstand kam.

Die Historiker*innen Karen Alfaro und Luis Morales sind die Autor*innen einer wissenschaftlichen Untersuchung über chilenische Kinder, die von schwedischen Familien zwischen 1973 und 1990 adoptiert wurden. Verschiedene internationale Medien wie The Guardian und die schwedische Zeitung Dagens Nyheter berichteten darüber und erregten weltweites Aufsehen. Alfaro meint: „Wer sagt, dass es nicht nur um die Diktatur geht, versucht, das Thema zu entpolitisieren. Von 1965 bis 1988 war die Legalisierung von Adoptionen durch ein Gesetz geregelt, demzufolge bei einer Adoption die Namen der Herkunftsfamilie aus den Dokumenten gestrichen wurden. Viele Adoptionen erfolgten innerhalb dieses rechtlichen Rahmens, aber man muss zwischen nationalen und internationalen Adoptionen unterscheiden. Während der Diktatur kam es zu den meisten internationalen Adoptionen auf Grundlage dieses Gesetzes, aber auch aufgrund einer Politik, mit der die Diktatur international für sich warb“.

Bündnisse der Diktatur mit konservativen bis rechtsextremen Sektoren in Schweden

Anfang der 1970er Jahre waren bereits erste Berichte aufgetaucht, nach denen Frauen unter Druck gesetzt wurden, ihre Kinder abzugeben. Dennoch gelang es erst 2017 mit einer Dokumentarserie von Alejandro Vega auf dem TV-Kanal Chilevisión, das Thema auf die öffentliche Tagesordnung zu setzen. „Ich konnte herausfinden, dass die Diktatur die Adoption in die Länder gefördert hat, die viele chilenische Exilierte aufgenommen hatten, um damit der Kampagne gegen die Diktatur entgegenzuwirken und Bündnisse mit konservativen Sektoren zu schließen“, erklärt Alfaro.

Ulf Hamacher, Leiter der extrem rechten Schwedisch-Chilenischen Gesellschaft / Foto: Interferencia

„Im Fall Schwedens wurde eine Verbindung zur Schwedisch-Chilenischen Gesellschaft (Sociedad Suecia-Chile) aufgebaut, die zum extrem rechten Spektrum gehört, das eine pro-chilenische Kampagne zur Entwicklung von Geschäftsbeziehungen und diplomatischen Beziehungen fördert. In diesem Rahmen wurde auch eine Verbindung zur schwedischen Adoptionsbehörde etabliert, die während der Diktatur über öffentliche Einrichtungen wie die [Kinderschutzeinrichtung] Casa Nacional del Niño in Chile tätig war und der es auch gelang, Netzwerke mit hochrangigen Beamten aufzubauen. So erklärte Alfaro gegenüber Interferencia, führende Mitglieder der Schwedisch-Chilenischen Gesellschaft seien in extrem rechten Parteien bis hin zu faschistischen Bewegungen wie Neues Schweden aktiv gewesen. Einer der Anführer der Schwedisch-Chilenischen Gesellschaft war nach Alfaros Angaben Ulf Hamacher, eine schwedischer Faschist, der auf Fotos offen den Arm zum Hitlergruß hebt.

Hinter den Adoptionen stand demnach ein wichtiges Motiv: Die internationalen Beziehungen des Landes, die nach dem Militärputsch gegen die Regierung von Salvador Allende 1973 abgebrochen worden waren, wiederaufzubauen. Das galt besonders für Länder und Regierungen, die nicht nur chilenische Exilierte aufgenommen hatten, sondern darüber hinaus auch Menschenrechtsverletzungen kritisch gegenüberstanden, darunter auch Schweden.

Der Fall María Diemar

Die Schwedin Anna Maria Elmgren kam 1965 nach Chile und organisierte als Vertreterin der schwedischen Adoptionsbehörde die Verschickung von Kindern. Obwohl das chilenische Adoptionsrecht eine zweijährige Phase der Pflegeelternschaft in Chile vorschreibt, bevor eine Adoption ins Ausland eingeleitet werden kann, erteilte der für den Fall zuständige Richter Anna Maria Elmgren die Erlaubnis, María Diemar im Alter von nur zwei Monaten außer Landes zu bringen. Ebenso wie in diesem Fall taucht Elmgrens Name in offiziellen Dokumenten immer wieder als Vormund bei schnellen Adoptionen nach Schweden auf.

Dank eines DNA-Tests fand María schließlich heraus, dass sie zu fast 98 Prozent von Mapuche abstammt. „Ich dachte, es wäre einfach, meine Mutter zu finden, wenn ich ihren Namen wüsste, aber so war es nicht“, sagt sie. Ihren Adoptiveltern erzählte sie nichts über ihre Mapuche-Herkunft und die Papiere in ihrer Heimatstadt Temuco deuten darauf hin, dass der Adoptionsprozess nie abgeschlossen wurde. „Ich begann die Suche 1995, als ich 20 Jahre alt war. Aber weder von der schwedischen Adoptionsagentur noch an den Orten, die ich in Chile aufsuchte, erhielt ich irgendwelche Informationen. Nur auf dem Standesamt in Santiago sagte mir eine Frau, dass meine Mutter am Leben sei, dass sie verheiratet sei und immer noch im Süden lebe, aber dass sie mir ihre Kontaktdaten nicht geben dürfe”.

María Diemar / Foto: El Salto

Keine Einzelfälle, sondern ein organisierter Plan

1998 wandte sich die Adoptionsagentur an María, um ihr den Kontakt zu einer Chilenin zu vermitteln, die sich in Santiago um sie gekümmert hatte, bevor sie das Land verließ. „Ich rief sie an und ging zu ihr. Sie wohnte in einem Stadtviertel, in dem zehn weitere Frauen lebten, die in den 1970er oder 1980er Jahren Kinder im Auftrag der Agentur betreut hatten. Tita, die Frau, die sich um mich gekümmert hatte, erzählte mir, dass sie 300 bis 400 Kinder betreut hat. Ihre Schwester Teresa berichtet in Alejandro Vegas Dokumentarfilmen, dass sie für diese Arbeit bezahlt wurde. Das war ein Schock für mich”, erinnert sich María. So begann sie zu verstehen, dass hinter all diesen Adoptionen ein organisierter Plan stand.

María Diemar kehrte nach Schweden zurück und bat die schwedische Adoptionsagentur um Unterstützung bei der Suche, allerdings ohne Erfolg. Erst im Jahr 2003 halfen ihr eine chilenische Journalistikstudentin und deren Onkel, ihre Mutter zu finden. Sie bestätigten, dass Marías Mutter am Leben war, und auch, dass sie ihre Tochter nicht zur Adoption freigeben wollte. María konnte ihre leibliche Mutter nicht persönlich kennenlernen, da diese verheiratet ist und Angst vor der Reaktion ihres Mannes hat. Doch sie konnte einigen ihrer Geschwister Kontakt aufnehmen, Fotos und Briefe von ihnen erhalten und einige Male mit ihrer leiblichen Mutter telefonieren.

US-amerikanische Adoptiveltern zahlten zwischen 6.500 und 150.000 Dollar pro Kind

In den vergangenen zehn Jahren haben Journalist*innen und Wissenschaftler*innen zahlreiche Beweise für irreguläre Adoptionen wie diese gefunden. Die Historikerin Alfaro fand heraus, dass europäische und US-amerikanische Adoptivfamilien internationalen Agenturen zwischen 6.500 und 150.000 Dollar pro Kind zahlten. Ein Teil dieses Geldes ging an chilenische “Fachkräfte”, die bereit waren, „geeignete“ Kinder zu identifizieren und sie von ihren biologischen Familien zu trennen.

In einem von The Guardian veröffentlichten Artikel heißt es: “Im Juni 2017 durchsuchten Ermittler*innen der Polizei das Haus von Telma Uribe Ortega, einer pensionierten Sozialarbeiterin und ehemaligen Mitarbeiterin Elmgrens, in Santiago. Dabei entdeckten sie die Akten von 579 ins Ausland geschickten Kindern“. Die Akten enthielten demnach Informationen über die adoptierten Kinder, die schlechten Lebensbedingungen ihrer Mütter, eine Liste von 29 Sozialarbeiter*innen, die als „Entführer*innen“ bezeichnet wurden, und Einzelheiten über das Geld, das in diesem Rahmen geflossen ist. Uribe lebt, weigert sich aber, sich dazu zu äußern.

Ermittlungen und Untersuchungskommission in Chile eingesetzt

Unter dem Druck verschiedener Organisationen, die die Suche nach der geraubten Identität dieser Kinder unterstützen, setzte der chilenische Kongress im September 2018 eine Untersuchungskommission ein, die Zeugenaussagen von Kindern, Müttern und verschiedenen institutionellen Akteuren anhörte. Im Juli 2019 veröffentlichte die Kommission einen 144-seitigen Bericht, in dem eine „Mafia“ von Gesundheitsfachleuten beschrieben wird, die durch ein „lukratives Geschäft“ eine fortwährende Versorgung mit Babys sicherstellten – eine Praxis, die im Laufe der Zeit ganz im Stile der Franco-Diktatur immer ausgefeilter wurde. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass es sich um Verbrechen gegen die Menschlichkeit handelt.

Da laut chilenischem Adoptionsgesetz Einträge bei öffentlichen Behörden vernichtet werden konnten, existierten oft keine Dokumente über die schnellen Adoptionen unter Mitwirkung schwedischer Behörden. Deshalb schlug die chilenische Untersuchungskommission des Einrichtung einer weiteren Kommission mit Ermittlungsbefugnis auf nationaler und internationale Ebene vor sowie die Einrichtung einer DNA-Bank, die erleichtern sollte, dass Familien sich wiederfinden.

Angesichts der Ergebnisse des Berichts und des durch Presseveröffentlichungen über verschiedene Untersuchungen aufgebauten Drucks sahen sich die chilenische und auch die schwedische Regierung im Januar 2022 gezwungen, öffentliche Erklärungen abzugeben. Hernán Larraín, der bis zum Regierungswechsel im März 2022 chilenischer Justizminister war, kündigte einen Pilotplan an, um die Suche nach den Familien von 700 Opfern illegaler Adoptionen zu begleiten.

Auch schwedische Behörden sind verantwortlich, helfen aber kaum bei der Aufklärung

„Schweden verfolgte vor allem unter der Ägide von Olof Palme [ab 1969 Premierminister] eine andere Politik, vollzog jedoch 1978 eine Kehrtwende und ging von einer sehr entschiedenen Verurteilung der Diktatur zur Wiederaufnahme von Handelsbeziehungen mit der Diktatur in den 1980er Jahren über“, so die Historikerin Alfaro. Mit ihren Recherchen konnte sie nachweisen, dass die Kinder Chile nicht als Adoptierte verlassen hatten, sondern unter der Vormundschaft einer dritten Person, bei der es sich um Elmgren, Vertreter*innen von Stiftungen oder sogar Flugbegleiter*innen handeln konnte. Das heißt, der Adoptionsprozess fand zum überwiegenden Teil im Ausland statt. „Das belegt auch die Verantwortung der Aufnahmestaaten”, erklärt die Alfaro und ergänzt: “Einige schwedische Richter*innen erkundigten sich nach der Vorgeschichte dieser Kinder und danach, warum so viele chilenische Kinder ankamen, sie nahmen also gewisse Unregelmäßigkeiten wahr, ergriffen aber nicht die notwendigen Maßnahmen, forschten nicht nach, was da vor sich ging“.

Am 15. März 2022 verkündete die Organisation Hijos y Madres del Silencio („Kinder und Mütter der Stille“) – eine Gruppe, die die Suche nach Opfern illegaler Adoptionen und von Kindesraub in Chile unterstützt – die 263. Zusammenführung von Familien. In Schweden haben die inzwischen erwachsenen Kinder eine Recherchegruppe zu illegalen Adoptionen gegründet, Chileadoptions. Deren Sprecherin ist María Diemar: „Es ist auffällig, dass man sich in Schweden immer darauf verlassen kann, dass der Staat einem hilft, wenn einem etwas zustößt, aber bei dem Thema der illegalen Adoptionen hilft er uns überhaupt nicht“, sagt Diemar. „Es ist merkwürdig, dass schwedische Regierungsvertreter*innen sich bei unseren Treffen nicht einmal Notizen machten“.

Untersuchung einer schwedischen Kommission soll 2023 Ergebnisse liefern

Die Nachrichten, die in verschiedenen Ländern über mögliche Unregelmäßigkeiten bei Adoptionen kursierten, zwangen auch die schwedische Regierung zur Einrichtung einer Kommission, die die über 60.000 internationalen Adoptionen untersuchen soll, die seit 1950 vor allem aus Ländern wie Chile, Kolumbien, Südkorea, China und Sri Lanka durchgeführt wurden. Die schwedische Sozialministerin Lena Hallengren betont, dass die Untersuchung, die 2023 Ergebnisse vorlegen soll, einen besonderen Schwerpunkt auf China und Chile legen wird: „Der Ermittler wird untersuchen, ob Unregelmäßigkeiten in den Ländern aufgetreten sind, in denen die meisten Adoptionen stattfanden, sowie in Ländern, in denen ein starker Verdacht auf Unregelmäßigkeiten besteht“.

Gegenüber dem Guardian erklärte Kerstin Gedung, die derzeitige Leiterin der Adoptionsbehörde, die Gesetze seien heute besser, die Institution habe zur Entwicklung von Richtlinien und ethischen Standards für internationale Adoptionen beigetragen. „Wir haben uns an den rechtlichen Rahmen gehalten, der in den 1970er und 1980er Jahren in Chile galt. Die Adoptionen waren juristisch korrekt und wurden von den Gerichten in Chile und Schweden bestätigt“, so Gedung.

Das Recht auf Identität

Im chilenischen Verfassungskonvent wurde im Februar 2022 eine Initiative für eine Verfassungsnorm vorgelegt, die das Recht auf Identität der Herkunft in der neuen Verfassung verankern sollte. Diese wurde jedoch mit knapp der Hälfte der Stimmen abgelehnt. Alfaro hofft, dass sich eine solche Regelung dennoch aus anderen Verfassungsnormen über Menschenrechte ableiten lässt, die bereits beschlossen wurden und Teil des neuen Verfassungsentwurfs sind. Die Historikerin setzt dabei auch große Hoffnungen in die Regierung von Gabriel Boric, die das Thema der Menschenrechte zu einer prioritären Aufgabe erklärt hat. „In der Regierung von [Ex-Präsident] Piñera gab es nie den politischen Willen zu ermitteln“, ergänzt sie.

Tausende von Familien haben sich derweil auf der Suche nach ihrer Herkunft an die Hijos y Madres del Silencio gewandt. Die Gruppe hatte an der Initiative für eine Verfassungsnorm mitgewirkt. Alfaro hält die Initiative für äußerst bedeutsam, da sie den Weg dafür ebnet, dass verschiedene Einrichtungen – z.B. Standesämter und deren Archive, Kinderheime, Krankenhäuser und auch Militärkliniken – an der Informationsübergabe mitwirken. Denn das sei die zentrale Herausforderung bei der Suche und werde den Staat dazu zwingen, solch schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen anzuerkennen.

Sowohl Schweden als auch Chile hätten versucht, den Anschein zu erwecken, dass es sich um eine Angelegenheit zwischen Privatpersonen handele und die Staaten keine Verantwortung trügen, kritisiert die Historikerin Alfaro und betont: „Aber da es sich um eine dauerhafte Entführung von Menschen, von Kindern handelt – die noch nicht mit ihren biologischen Familien zusammengeführt wurden und daher weiterhin entführt sind – verjähren diese Verbrechen nicht. Es geht um die gleiche Behandlung, die im Fall der gestohlenen Babys in Spanien angewandt wurde. Es handelt sich also um eine Art eugenische Adoption, die nicht nur aus politischen Gründen erfolgte, sondern auch, weil arme Menschen zum Feind erklärt wurden”.

„Für die Wahrheit und meine Herkunft“ – Demonstration für die Aufklärung der Adoptionen während der Diktatur / Foto: Hijos y Madres del Silencio

Dieser Text basiert auf einer Recherche des Mediums El Salto von Cecilia Valdez, Ergänzungen stammen aus einem Artikel von Diego Ortiz, der im chilenischen Onlinemedium Interferencia erschienen ist.

Übersetzung und Bearbeitung: Ute Löhning und Susanne Brust

Der Originalartikel kann hier besucht werden