Unter den großen Fluggesellschaften war Air France die letzte, die Primaten für die Labore zur Vivisektion transportierte. Ende Juli verkündete die American Anti-Vivisection Society (aavs), dass Air France nach ihrer jahrzehntelangen Beteiligung an diesem verabscheuungswürdigen Markt die Transporte beenden werde, mit denen die Tiere von Mauritius geliefert wurden.

Zu Beginn des Jahres hatte nach einem Unfall in Pennsylvania, der zahlreiche Affen das Leben kostete, auch Kenya Airways angekündigt, den Transport von Primaten einzustellen.

Wenn auch die wichtigsten Gesellschaften die Transporte beenden, so ist das doch nicht der Fall für die kleineren Unternehmen, die diesen unrühmlichen Handel fortführen. Selbst das Aussterben zahlreicher Arten kann diese infernalische Plünderung der wilden Fauna nicht stoppen.

Wen streicheln, wen opfern?

Glaubt man Tiere zu lieben, täte man gut daran darüber nachzudenken, dass unsere Medikamente, unsere Kosmetik, unsere Haushaltgegenstände und unsere Nahrung weiter im Zusammenhang mit diesen barbarischen Praktiken stehen, obwohl Alternativen verfügbar sind. Auf dem Altar unnützer Forschung hält man weiter daran fest, jedes Jahr 2,2 Millionen Tiere zu opfern! Laut OneVoice, der französischen NGO, die sich unter anderem dafür einsetzt, auf diese Massaker zu verzichten, sind es insgesamt 31 Tierarten, die dieser Folter ausgesetzt sind. Wenn acht von zehn Menschen in Frankreich das Ende von Versuchen an Katzen, Hunden und Affen wünschen, scheinen sie doch die anderen Tierarten kalt zu lassen. OneVoice gibt ebenfalls an, dass 76% der Menschen in Frankreich dafür wären, alternative Methoden mit öffentlichen Mitteln zu finanzieren. Es ist also an uns, den vollständigen Stopp dieser Experimente zu fordern, von denen die Mehrzahl so sinnlos ist, dass man rot vor Scham werden müsste: Trotz einer Europäischen Bürgerinitiative, die eine Gesetzesänderung zu Tierversuchen erreichen möchte, stößt man hier auf festsitzende Traditionen in bestimmten Wissenschaftskreisen. Es gibt unter ihnen jedoch auch andere, die laut und deutlich klar machen, dass man die Ergebnisse von Versuchen, bei denen die Tiere unter Stress stehen, nicht auf den Menschen übertragen kann. Im offenen Brief, den André Ménache, Veterinärmediziner und Direktor von Antidote Europe (das wissenschaftliche Komitee, das diese Petition unterstützt) an Alban de Kerchove, den Forschungsdirektor von FNRS (Nationaler Fonds für die wissenschaftliche Forschung) gerichtet hat, heißt es:

„Ein Grundprinzip der Biowissenschaften ist es, dass keine Tierart Modell für eine andere ist. Natürlich sind uns die Tiere ähnlich. Es ist jedoch wichtig, bezüglich des Begriffes „ähnlich“ zwischen dessen Bedeutung im Alltagsgebrauch und in der biowissenschaftlichen Forschung zu unterscheiden.“

Wann bekommen sie den Respekt, den sie verdienen?

Die Einsicht unserer Mitmenschen über die Intelligenz der Tiere hat es schwer, sich ihren Weg hinein in unseren völlig übersättigten Geist unserer sogenannten Überlegenheit zu bahnen. Dabei gibt es für uns noch so viel zu entdecken: über die Lebensweise der Tiere, ihre Fähigkeiten, ihre Emotionen, ihre Interaktion mit der sie umgebenden Welt und die Wahrnehmung, die sie von ihr haben. Der Stand der Forschung in diesen Bereichen hat uns noch längst nicht alles offenbart. Die tierische Intelligenz unterscheidet sich von unserer und deshalb schätzen wir sie als geringer ein, haben wir doch die Tendenz, alles mit unserer Elle zu messen. Sie ist jedoch nicht weniger faszinierend wie außergewöhnlich. Die Tierverhaltensforscher werden mir nicht widersprechen. Emmanuelle Pouydebat, Forschungsdirektorin am CNRS (Nationales Zentrum für Wissenschaftliche Forschung) und am Naturkundemuseum, hat zu diesem Thema leidenschaftliche Werke verfasst, wie „L’intelligence animale, cervelles d’oiseaux et mémoire d’éléphants“ (Tierische Intelligenz, Vogelhirne und Elefantengedächtnis) (Odile Jacob, 2017)

Steigen wir also von unserem hohen Ross herunter, machen wir Schluss mit unserer Herablassung und unserer Gleichgültigkeit, um ihnen endlich mit Respekt zu begegnen und der Tatsache ins Gesicht zu sehen, dass einige Spezies unsere Erde weit vor unserem Erscheinen bewohnt haben und unsere Schicksalsgefährten im großen Schiffbruch sind, auf den wir auf ihre Kosten hinsteuern. Öffnen wir unseren Geist und unser Herz gegenüber ihrem Leid, beenden wir die Gewaltspirale, wir können dabei nur gewinnen!

Initiative Citoyenne Européenne Stop Vivisection
https://one-voice.fr/fr/one-voice/lhistoire/theodore-monod.html

Die Übersetzung aus dem Französischen wurde von Silvia Sander vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!