In welcher Gesellschaft wollen wir leben?!

03.03.2021 - Trossenstek - welche-gesellschaft.org - Pressenza Berlin

In welcher Gesellschaft wollen wir leben?!
(Bild von Trossenstek unter welche-gesellschaft.org)

Soeben erschienen: Die Nullnummer des Trossenstek! Mit einem Seefahrtsknoten und einer Schildkröte – was hat es damit auf sich?

Der Knoten steht für die Suche nach Verknüpfungen und Knotenpunkten zwischen verschiedenen sozialen Bewegungen und ihren unterschiedlichen Alltagskämpfen. Suchend und fragend, weil es keinen Anspruch gibt, Lösungen präsentieren zu können. Langsam und stetig, wie eine Schildkröte, bewegt sich die Redaktion des Trossenstek auf der Suche danach, was das Verbindende sein könnte. Der Trossenstek ist ein Experiment. Die Redaktion hofft, dass sich daraus ein konstruktiver Austausch mit vielfältigen Stimmen entwickelt.

Diskussionsbeiträge

Den Auftakt der Nullnummer machen vier Diskussionsbeiträge. In „3 Jahre im Schildkrötentempo“ unternimmt als Redaktionskollektiv den Versuch, unterschiedliche Dimensionen, Motivationen und Schwierigkeiten des vielfach zitierten „Wir möchten unsere Kämpfe verbinden” zu beleuchten. Ausgangspunkt der Initiative „In welcher Gesellschaft wollen wir leben?!“ war 2016 der Wunsch, „dem medial und real immer dominanter werdenden Rechtsruck eine umfassendere emanzipatorische Perspektive entgegenzusetzen“. Die Initiative formulierte 2019 ein „Manifest der alltäglichen Kämpfe“, wirkte an der Strategiekonferenz der Bewegungsstiftung in Berlin mit und  beteiligte sich 2020 am Kongress „Zukunft für alle“ in Leipzig.

Bei all dem ging es darum, voneinander zu lernen und politisch etwas zu bewegen: „Wenn wir es ernst meinen, mit einer gesamtgesellschaftlichen sozial-ökologischen Transformation, dann brauchen wir nicht nur einen Blick über unseren ‚eigenen‘ politischen Kampf hinaus, sondern auch eine Verbindung der Kämpfe zu etwas Gemeinsamem“. In seinem Beitrag reflektiert das Redaktionskollektiv anhand der Erfahrungen in der Initiative “In welcher Gesellschaft wollen wir leben?!” die Schwierigkeiten dieser Verknüpfungen und endet mit „der unverdrossenen Hoffnung, dass dieser Suchprozess Andere mit ergreift beziehungsweise von Anderen aufgegriffen wird.“

In seinem Beitrag „Das imperative Mandat der Alltagskämpfe“ thematisiert Hagen Kopp anhand von Erfahrungen mit dem Alarm Phone und der Initiative 19. Februar Hanau Bedingungen und Bedeutung dieser Alltagskämpfe. Er fragt, was diese Alltagskämpfe „von mehr oder weniger flüchtigen Kampagnen“ unterscheidet und ab wann Alltagspolitik in Gefahr sei, „sich in reformistischen Schrittchen zu verlieren“. Eine sozialrevolutionäre Praxis müsse „sich dauerhaft auf soziale Prozesse einlassen“ und „an den Bedürfnissen der Betroffenen und den unmittelbaren Konfliktualitäten orientieren“.

Elisabeth Voß reflektiert in „“Vernetzt Euch doch?! anhand der Beispiele Theoriearbeitskreis Alternative Ökonomie (TAK AÖ) und Solidarische Ökonomie-Kongress einige Herausforderung der Vernetzungsarbeit. Früher nahmen sich viele noch viel mehr Zeit. „Vernetzung reichte aus als Zweck“. Sie verschweigt nicht, dass es ausgerechnet denen, die „so gerne Slogans wie ‚Gemeinsam mehr erreichen‘ und ‚Kooperation statt Konkurrenz‘ nutzten“ mitunter schwer fällt, „solidarisch und ohne Machtkämpfe miteinander zu reden“. Letztlich entscheidend für das Gelingen von Vernetzung sei die Art und Weise des Umgangs miteinander.

In ihrem Text „Solidarische Stadt als Vernetzung von Praxis“ diskutiert Mickie Schleicher verschiedene Vernetzungsformen von Solidarity City-Initiativen. Es geht darin um „die eigenen, konkreten solidarischen Praxen“ mit denen die Aktivist*innen „in begrenzten gesellschaftlichen Freiräumen selbst eine Infrastruktur schaffen, die bereits eine Solidarische Stadt ausmacht“. Wo dies nicht gelingt, gibt es immerhin „best moments“, und sich zu vernetzen „ist mehr als ein Austausch von Ideen, sich vernetzen bedeutet gute gemeinsame Momente zu ermöglichen und die Utopie Schritt für Schritt in die Gegenwart zu holen“.

Zusätzlich gibt es einige Kurzmeldungen und Informationen zu Veröffentlichungen und Terminen.

Einladung zur Beteiligung

Der Trossenstek soll ungefähr alle 3 Monate erscheinen. Die Redaktion wünscht sich, dass ihre Veröffentlichung Reaktionen hervorruft und lädt ein zur Beteiligung an Diskussionen zu Fragen und Herausforderungen ums „Kämpfe verbinden“: Erwiderungen, Widersprüche, Fortführungen von Gedanken oder Thesen zur Diskussion sind gefragt. Wichtig ist der Bezug auf Alltagskämpfe und eine fragende Grundhaltung.

Trossenstek als pdf: https://welche-gesellschaft.org/wp-content/uploads/2021/02/Rundbrief_Trossenstek_0-1.pdf

Kontakt: welche-gesellschaft@riseup.net

Kategorien: Europa, Kultur und Medien
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