Unsere Geschichte – die Geschichte der Frauen

14.01.2021 - Santiago de Chile - Pía Figueroa

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Griechisch verfügbar.

Unsere Geschichte – die Geschichte der Frauen
(Bild von Claudia Aranda)

Alles verändert sich sehr schnell und es wird immer schneller. Es sind nicht nur äußere Ereignisse, die auf uns einwirken, oder die unbestreitbare technologische Entwicklung, die sich beschleunigt hat. Zusätzlich werden unsere Ansichten durch die Umstände verändert und neue Erkenntnisse tauchen auf, so dass das, was wir bis vor kurzem sagten, in der heutigen Zeit ernsthaft angezweifelt werden muss. Wir befinden uns in einer Zeit, in der eine Lebensweise, ein Stil, eine Art, sich in der Welt zu bewegen, zu Ende geht. Eine Form der Zivilisation geht zu Ende, während die neue gerade geboren wird.

Wir fangen an, uns dessen bewusst zu werden, was wir vorher nicht gesehen haben, obwohl es vor unseren Augen lag. Diese Umwälzung der Überzeugungen lässt neue Bilder entstehen und führt zu Einstellungen und Verhaltensweisen, die besser an die Zeit angepasst sind.

In fast allen Bereichen können wir diese reale Veränderung beobachten, die zuerst in uns stattfindet, dann nach außen getragen und schließlich in der Welt wirksam wird.

Manchmal schmerzt diese Erkenntnis, sie ist vergleichbar mit einer Desillusionierung oder dem Verlust der Naivität. Aber sie wird auch von einem Gefühl der Befreiung, der Verbundenheit und des Wachstums begleitet.

Dies geschieht zum Beispiel dann, wenn das übliche patriarchalische Verhalten, die Macho-Kräfte, die Gesten, mit denen wir so oft lieber der Kritik ausweichen, um wegzuschauen und vorwärts zu kommen, auf widersprüchliche und sogar heuchlerische Weise unerträglich werden. Heute sind wir der Meinung, dass wir Gewalt, wo immer sie herkommt, nicht mehr länger verheimlichen können, vor allem dann nicht, wenn sie Leidensgenoss*innen betrifft. Jetzt muss es Konsequenzen geben.

Dank des Aufkommens feministischer Bewegungen in der ganzen Welt, der wiederholten Kämpfe und ihrer Anprangerungen ist nach und nach etwas Undenkbares entstanden: die Schwesternschaft, jene Beziehung der gegenseitigen Unterstützung und Zusammenarbeit zwischen Frauen, die eine Basis des gegenseitigen Vertrauens schafft.

„Ich glaube dir“ war der Slogan für eine Kampagne, um die erneute Viktimisierung und Gewalt, die eine Frau erlitten hat, sichtbar zu machen und ins Bewusstsein zu rücken… und es war nur ein Titel für eine interessante Kampagne, der uns unter die Haut ging und unsere Mentalität veränderte, bis wir selbst von unserer eigenen Courage überrascht wurden, zu ihr zu gehen und sie zu verteidigen, eine andere Frau, die missbraucht wurde.

Die Flucht in die Gleichgültigkeit ist nicht mehr bequem, denn wir wurden zu Komplizinnen, jetzt ziehen wir es vor, zu reagieren.

Das Patriarchat ist in den Hintergrund getreten, wir wollen es nicht mehr unterstützen und es scheint möglich, dass es in unseren Köpfen nicht mehr existiert. Infolgedessen haben sich unsere Verhaltensweisen geändert und wir nehmen neue Optionen wahr. Wir tolerieren keine Gewalt gegen Frauen, keinen Missbrauch, keine Belästigung oder gar Vergewaltigung mehr. Ganz zu schweigen von Femizid. Ganz einfach, weil wir unsere Abscheu gegenüber denen, die diese Art von Aggression begehen, nicht verbergen können.

Wir verstehen natürlich, dass wir alle, in mehr als einer Hinsicht, Opfer der patriarchalen Kultur sind. Deshalb urteilen wir nicht über die Verbrechen des männlichen Chauvinismus; das müssen die Richter*innen tun. Es ist ihre Aufgabe, die Verfahren zu führen, die Fälle zu untersuchen und ihre Urteile zu fällen. Hoffen wir, dass sie ihre Arbeit machen.

Wir möchten nicht, dass sich Menschen schuldig fühlen: Wir wissen, dass Schuldgefühle zu Ressentiments und Rache führen. Wir verstehen aber auch, dass jeder Mensch eine Absicht hat und für die Folgen seines Handelns verantwortlich ist, egal ob diese öffentlich bekannt sind oder nicht. Wir fühlen uns bereit, die Opfer zu verteidigen, ihnen Schutz zu geben. Wir sind bereit, ihnen zu glauben, weil wir auch von einer ganzen kollektiven Geschichte der Unterwerfung und des Missbrauchs gestützt werden, die wir heute nicht mehr leugnen werden.

Wir wollen mit einer doppelten Wiedergutmachung für das erlittene Leid beginnen: Wir werden Gewalt nicht mehr rechtfertigen und wir werden weiterhin aufklären, informieren, sensibilisieren, ermächtigen und humanisieren. Es geht darum, dass Frauen und Männer am Aufbau einer neuen Kultur, in der Gleichberechtigung herrscht, mitwirken können. Wir werden weitere Fortschritte machen, wir werden die Forderungen der öffentlichen Politik des Schutzes, der Vorbeugung und der Wiedergutmachung weiter verstärken, die bereits jetzt beginnen, umgesetzt zu werden.

Wenn wir bei uns selbst einen Perspektivwechsel erlebt haben, dann wird es möglich sein, diesen Wandel bei vielen, vielen anderen zu begleiten, die dadurch ermutigt werden, sich entschieden gewaltfreie Verhaltensweisen anzueignen, sich in Richtung fürsorglicher Beziehungen und wahrer Großzügigkeit zu bewegen und hoffentlich eines Tages in der Lage zu sein, andere so zu behandeln, wie sie behandelt werden möchten.

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Elena Heim vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!

Kategorien: Gender und Feminismen, International, Meinungen
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