Erster Coronavirus-Patient in Italien mit Remdesivir geheilt – auch drei deutsche Kliniken forschen dazu

21.03.2020 - Pressenza Muenchen

Dieser Artikel ist auch auf Spanisch verfügbar.

Erster Coronavirus-Patient in Italien mit Remdesivir geheilt – auch drei deutsche Kliniken forschen dazu
(Bild von ChiralJon via https://flickr.com/photos/69057297@N04/49624859732 / Lizenz CC BY 2.0: Molekulare 3D-Struktur von Remdesivir)

Erstmals wurde in Italien ein mit dem Coronavirus infizierter 79-jährigen Patient mit dem ursprünglich für Ebola entwickelten Medikament Remdesivir geheilt. Das gab die italienische Nachrichtenagentur ANSA in einer Pressemitteilung vom 19. März bekannt.

„Wir haben den ersten echten Geheilten, der mit dem experimentellen Medikament Remdesivir behandelt wurde“, so der Leiter der Klinik für Infektionskrankheiten am Policlinico San Martino in Genua, Professor Matteo Bassetti. Die Behandlung begann am 7. März und der 79-jährige Patient hat bereits zwei negative Abstriche. „Er wird bald in sein Zuhause in der Lombardei zurückkehren können und das stimmt uns sehr hoffnungsvoll: Das Medikament scheint zu wirken.Wir haben noch andere Patienten in Behandlung.“

Das Medikament Remdesivir wurde ursprünglich von dem US-amerikanischen Unternehmen Gilead gegen Ebola entwickelt. Zwar ist es für die Behandlung gegen Corona noch nicht zugelassen, dennoch soll es auch in den USA bereits eine damit geheilte Patientin geben. Das berichtet das österreichische Magazin Tag 24 mit Hinweis auf das renommierte Wissenschaftsmagazin „Science“ als Quelle. Die im Sterben liegende Patientin sei im University of California Davis Medical Center in Sacramento durch den Einsatz von Remdesivir gerettet worden.

Momentan laufen mehrere Studien zum Einsatz von Remdesivir gegen das Coronavirus. In den USA forscht das University of Nebraska Medial Center in Omaha seit Februar, die Studie soll nun international ausgeweitet werden (Quelle: ABC News).

Auch in China arbeite man an mehreren Studien zu Remdesivir und anderen Wirkstoffen wie dem Malariamittel Chloroquin, von denen eine potenzielle Wirkung bei RNA-Viren bekannt ist (Quelle: apotheke adhoc). Dort erwägen die Behörden jetzt, den Wirkstoff Remdesivir über das Wuhan Institute of Virology der Chinesischen Akademie der Wissenschaften als Mittel gegen COVID-19 patentieren zu lassen, wobei zu hoffen bleibt, dass sich der amerikanische Patent-Inhaber Gilead nicht querstellt (Quelle: trialsitenews).

Laut einer Meldung des Spiegel soll das Medikament auch in Deutschland für den Einsatz gegen Corona getestet werden. Die Unikliniken München, Düsseldorf und Hamburg wollen an einer klinischen Studie teilnehmen, die von Pharmakonzern Gilead selber initiiert wurde. Dabei wird das Medikament „in ausgewählten Einzelfällen“ eingesetzt, da es offiziell für die Behandlung gegen Corona noch nicht zugelassen ist und derzeit nur direkt über den Hersteller nach Einzelfallprüfung zur Verfügung gestellt wird. Der Leiter des Robert-Koch-Instituts Lothar Wieler sagt, er sei optimistisch, dass mit dem Mittel eine Verbesserung erzielt werden könne (Quelle: mdr).

Zum aktuellen Zeitpunkt ist Remdesivir zwar noch nirgendwo auf der Welt für diesen Zweck zugelassen. Trotzdem haben Regierungen die Möglichkeit, es auch jetzt schon für sogenannt „individuelle Heilversuche“ für bestimmte Patienten einzusetzen. Laut einem Bericht der Deutschen Apotheker Zeitung hat das Bundesministerium für Gesundheit nach § 79 Absatz 5 AMG den Versorgungsmangel mit zugelassenen Arzneimitteln zur Behandlung von COVID-19 ausgerufen. Dies ebnet den Weg, dass potenziell wirksame, aber (noch) nicht zugelassene Arzneimittel, auch in Deutschland in Verkehr gebracht werden dürfen.

Bleibt zu hoffen, dass angesichts der aktuellen Situation Pharmakonzerne, Forschungsinstitute, wissenschaftliche und medizinische Einrichtungen sowie Regierungen und Behörden alle zusammen an einem Strang ziehen. So könnten zumindest die Todesfälle im Zusammenhang mit Corona deutlich reduziert werden.

 

Nachtrag:

Eine aktuelle Analyse aller im Zusammenhang mit der Pandemie in Italien Verstorbenen ist soeben vom Istituto Superiore di Sanità, Italiens Forschungsanstalt für Medizin, herausgegeben worden. Sie zeigt interessante Ergebnisse, unter anderem, dass rund 80% der Verstorbenen zwei oder mehr chronische Vorerkrankungen hatten. Für genau diese Risikogruppe könnte Remdesivir ein Segen sein und je schneller und unbürokratischer es in solchen Fällen eingesetzt werden kann, desto mehr betroffene Menschen haben eine Chance, zu überleben. Eine Zusammenfassung der Zahlen in deutscher Sprache gibt es hier: https://swprs.org/covid-19-hinweis-ii/.

Kategorien: Europa, Gesundheit, Internationale Angelegenheiten, Wissenschaft und Technologie
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