Ein historischer Tag für Berlin, wann für Chile?

Vor 30 Jahren am 9.11.1989 fiel nach einer friedlichen Revolution der Bürger der DDR die Berliner Mauer. Es gab kein militärisches Eingreifen der Staatsmacht.

Am Vorabend dieses historischen Tages  treffen sich viele Menschen  an der Berliner East-Side-Gallery, einem Abschnitt an dem noch große Teile der Mauer teilweise unverändert stehen, und der zum Symbol des Protests und für den Erfolg einer friedlichen Revolution geworden ist.  Dieser Ort ist in Berlin  immer ein Treffpunkt engagierter Menschen, Kunstinteressierter und derjenigen, die wissen was Freiheit  bedeutet.

Überall in der Stadt finden Events zum Fall der Mauer statt und man hat auf einem langen Abschnitt der East Side Gallery eine Video Show installiert, die die Geschichte der Mauer,  der Unterdrückung und dem Einsatz von Waffen deutlich und ergreifend darstellt. Bilder und Ton sind beeindruckend.

Aber in die Töne deutscher Originalaufnahmen  damaliger Zeit und der Rufe“ wir sind das Volk“, mischen sich nun vollkommen andere Klänge.

Plötzlich hört man Spanisch und lateinamerikanische Lieder. Es kommt nicht von ungefähr, dass sich gerade hier die Chilenen versammeln um solidarisch mit dem in Chile für ihre friedliche Revolution  kämpfenden Volk zu sein. Es ist ein Treffpunkt der auf Grund seiner Geschicht  zeigt, dass große Bürgerbewegungen fähig sind, Geschichte zu lenken und aus Diktaturen Demokratien zu machen.

Dieser Ort macht Hoffnung auf ein Ende jedes auf Gewalt basierenden Systems, so wie es leider zur Zeit auch in Chile existiert.

Die Gesichter der hier versammelten Chilenischen, Südamerikanischen und deutschen Gemeinschaft sind hoffnungsvoll, und die Gesänge klingen laut und voll Energie. Neben den Bildern des Falls der Mauer werden nun Parolen gezeigt, die einen Wandel der auf Konsum und Umweltzerstörung ausgerichteten Gesellschaftssysteme und die Abschaffung des Neoliberalismus in Chile und  weltweit verlangen. „Wir wollen eine neue Verfassung, wir wollen, dass Pinera abtritt, wir wollen ihn vor Gericht sehen“. Die Demonstranten kämpfen für die Rechte der indigenen Völker, für die Natur und sie informieren die vorbeiziehenden Berliner und Touristen über die politische und soziale Situation in Chile.  Dort haben  bisher schon viele Menschen den Tod durch Waffengewalt gefunden, genauso wie an dieser Mauer, an der sie heute demonstrieren.

Hier jedoch haben die Menschen der DDR gezeigt, dass eine Diktatur durch eine friedliche Revolution Teil der Geschichte wird.
Wann können die Chilenen auf ihre friedliche Revolution stolz sein? Wann können sie feiern?
Unterstützen wir alle, die auf dieser Welt um eine bessere Zukunft kämpfen!