Agrigento, Sizilien: die Peripherie wird zum Zentrum der Welt

04.08.2016 - Dario Lo Scalzo

Dieser Artikel ist auch auf Italienisch verfügbar.

Agrigento, Sizilien: die Peripherie wird zum Zentrum der Welt
(Bild von Dario Lo Scalzo)

Nach der Ermordung von Pater Hamel in Rouen, Frankreich, hat der Rat der französischen Muslime einen Appell an seine Gemeinden gerichtet, katholischen Messen als Zeichen der Solidarität und des Beileids beizuwohnen. Die Initiative traf auf große Zustimmung bei zahlreichen Gruppen nicht nur in Frankreich, sondern auch in Italien. Tatsächlich folgten am Sonntag, 31. Juli, tausende von Muslimen von Mailand bis Agrigento dem Aufruf und begaben sich in christliche Kirchen, um ihre Nähe zur katholischen Welt auszudrücken.

Es war eine symbolische Geste, historisch und von großer Bedeutung, die in einem sehr schwierigen Moment der Ratlosigkeit der zivilen Gesellschaft das Gefühl der Unfähigkeit und Angst angesichts der Grausamkeit des IS-Terrors auffängt, die wahllos Christen wie Muslime trifft.

In der sizilianischen Stadt Agrigento, Grenzland im Süden zum Süden, hat die muslimische Gemeinschaft ihre Unterstützung und die Nähe zu den Katholiken während einer Messe ausgedrückt, die nicht in einer Kirche, sondern auf der Straße im Vorort Villaseta stattfand, in der Peripherie dessen, was aus europäischer Sicht Peripherie ist (durch die Nähe zu Afrika ist Sizilien nach Griechenland Ankunftsort der meisten Flüchtlinge, Anm. d. Übers.).

An der von Kardinal Francesco Montenegro gefeierten Messe nahmen unter anderem der Bürgermeister Calogero Firetto, der Imam der Gemeinde von Agrigento Majoub Rezlane und der für Sizilien zuständige Imam der religiösen islamischen Gemeinschaft Italiens Yusuf ‚Abd al-Hadi Dispoto teil.

„Wo man von Frieden spricht und wo man Frieden erbaut, dort ist das Zentrum der Welt“ sagte Monsignore Francesco Montenegro nach der Zeremonie und unterstrich dabei den Wert, in einem Moment der Vereinigung und der Gemeinsamkeit zwischen den Religionen zusammengekommen zu sein, an einem Ort der Peripherie der Stadt der Tempel, der in der Vergangenheit oft marginalisiert worden ist.

Zu Anbruch des Abends, als die sizilianische Sonne langsam ihre glühende Hitze verlor, erlebte man in Villaseta gemeinsam emotionale Momente, die Hoffnung geben und die dazu anspornen, zusammen Gutes zu schaffen.

Von unten, angefangen bei jedem einzelnen und mit einfachen Gesten, kann ein neuer Weg entstehen, der aus der Gewalt herausführt, der Türen öffnet und der auf lange Sicht zum Frieden führt.

Frieden wird gemeinsam geschaffen und man sät ihn jeden Tag, indem man Menschen zu Respekt und Gewaltfreiheit erzieht. Frieden entsteht durch unabhängige und freie Information der Bürger, zusammen mit politischem Willen, durch Entmilitarisierung des Planeten und durch Demaskierung derer, die immer noch um jeden Preis mit Wildwest-Taktiken alles beherrschen wollen.

An diesem historischen Sonntag ist die konkret gewordenen und aufrichtige Solidarität der muslimischen Welt nur eine erster Schritt auf einem langen Weg, der mit allen gemeinsam zu gehen ist, jeder aus seiner Rolle heraus, und der mit gegenseitigem Zuhören und Bereitschaft zur Aufnahme des jeweils anderen gepflastert ist, kurz mit einem neuen Humanismus.

Im folgenden ein Video mit kurzen Interviews der in Villaseta anwesenden Imame und des Kardinals Montenegro in italienischer Sprache mit deutschen Untertiteln:

Übersetzung aus dem Italienischen von Evelyn Rottengatter

Kategorien: Europa, Frieden und Abrüstung, Gewaltfreiheit, Interviews, Kultur und Medien, Politik, Video
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