Türkei: bewaffnete Zusammenstöße und Bombardierungen in den ersten Stunden des Staatsstreiches

16.07.2016 - Murat Cinar

Dieser Artikel ist auch auf Italienisch verfügbar.

Türkei: bewaffnete Zusammenstöße und Bombardierungen in den ersten Stunden des Staatsstreiches
(Bild von Amer Demishi via Source / CC BY-NC-SA)

Nach den ersten Stunden des Versuches, in der Türkei einen Staatsstreich durchzuführen, erlebte die Türkei dramatische Momente.

Der Präsident der Republik, Recep Tayyip Erdogan, erklärte in einem Telefoninterview mit dem Fernsehkanal Cnn Turk in Marmaris, der Versuch sei das Werk einer kleinen Gruppe, die vom „Parallelstaat“ befehligt würde. Diese Definition wird von einer religiösen Gemeinschaft benutzt, die vom spirituellen Führer Fettullah Gulen, ehemaliger Verbündeter von Erdogan und aufgrund von einer Reihe von Konflikten während der letzten drei Jahren aktueller Staatsfeind Nummer eins, angeführt wird. In seiner Stellungnahme sagte Erdogan abschließend, er lade die Bevölkerung dazu ein, auf die Straßen zu gehen und den Staatsstreich zurückzuweisen.

Im weiteren Verlauf erscheint das, was da passiert ist, nicht wirklich das Werk einer kleinen Gruppe. In Istanbul schossen Soldaten auf den Brücken, die den asiatischen Teil mit dem europäischen verbinden, auf Zivilisten, die die Checkpoints überqueren wollten. Es gab zwei Tote. Ebenfalls in Istanbul, in der Zone von Harbiye, wo sich der Hauptsitz des staatlichen Radiosenders Trt Radyo befindet, kam es zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Soldaten. In Ankara hingegen bombardierten die Putschisten einen Teil des nationalen Parlaments, wobei 10 Personen verletzt wurden. Während die Soldaten, die den Sitz des staatlichen Fernsehsenders TRT besetzt hielten, zurückgedrängt wurden, besetzten andere die Zentrale eines anderen Senders, Cnn Turk. Wenige Minuten später kamen die ersten Zahlen aus den Krankenhäusern. In Istanbul waren im Hospital von Haydarpasa 6 Tote und über 100 Verletzte als Resultat der Zusammenstöße zwischen Zivilisten und Soldaten zu beklagen.

Auf verschiedenen Plätzen des Landes versammelten sich Menschen in Antwort auf den Appell des Ministers für religiöse Angelegenheiten und der Staatspolizei und auf von Recep Tayyip Erdogan versendete sms. Es kam mehrmals zu Zusammenstößen zwischen der zivilen Bevölkerung und der Polizei.

Entgegen kursierenden Gerüchten über eine Entführung des Staatsoberhauptes gaben die Geheimdienste in einer Pressemitteilung seine Befreiung bekannt. Gleichzeitig wurde die Nachricht über die Bombardierung einer von der Polizei in besonderer Mission benutzen Kaserne in Ankara durch die Putschisten bestätigt, bei denen 12 Polizisten ums Leben kamen. Zu den Nachrichten über die Zusammenstöße kam auch die der Bombardierung der Zentrale der Regierungspartei AKP, wobei zahlreiche Verletzte registriert wurden.

Während sich die Straßen und Plätze füllten und die Zusammenstöße zwischen Zivilisten und der Polizei zunahmen, gab Ministerpräsident Binali Yildirim den Befehl, alle Militärflugzeuge, die über Ankara fliegen, abzuschießen. In diesen Momenten greifen in fast allen Moscheen des Landes die Imame zum Mikrophon und rufen zum Gebet auf, auch wenn es sich dabei nicht um eines der fünf regulären Gebete handelt, die der Islam vorsieht.

Noch während dieser Artikel verfasst wird, treffen neue Nachrichten über Bombardierungen des Hauptsitzes der Staatspolizei in Ankara ein und Bilder der Zusammenstöße vor der Zentrale des Staates werden verbreitet.

Übersetzung aus dem Italienischen von Evelyn Rottengatter

Kategorien: Meinungen, Mittlerer Osten, Politik
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