Die Prioritäten der Armen: Hunger oder Malaria?

07.06.2016 - Italien - Leopoldo Salmaso

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Griechisch verfügbar.

Die Prioritäten der Armen: Hunger oder Malaria?

In diesen Wochen werden in ganz Tansania Moskitonetze an die Mütter verteilt, um ihre Kinder vor der Malaria zu schützen. Dieses Ritual wiederholt sich Jahr für Jahr in jedem armen Land auf dem Höhepunkt der Regenzeit, wenn die Malaria eine halbe Millionen Opfer, vor allem Kinder, fordert.

Die kostenlose oder größtenteils durch Zuschüsse finanzierte Verteilung von Moskitonetzen ist eine der „Hilfen an die Dritte Welt“, die den Marketingslogans zufolge das beste Preisleistungsverhältnis aufweist.

Ein Teil dieser Moskitonetze wird von den Müttern verwendet, um zu fischen (in den Meeren, Lagunen, Seen und Teichen; weniger in den Flüssen wegen der Gefahr, Krokodile und Flusspferde anzutreffen).

Der Fisch macht einen wesentlichen Anteil der Nahrung und auch des Familieneinkommens aus. Der Markt vor Ort ist ziemlich lebhaft und wird den Frauen überlassen (denn die männlichen Fischer erniedrigen sich ja nicht, um für eine so geringe Beute zu arbeiten)…

Im besten Fall erhält die Frau mehr als ein Moskitonetz, um gleichzeitig fischen und auch die Kinder vor der Malaria schützen zu können.
Auf jeden Fall nutzt sie das „gute“ Netz zum Fischen und das „schlechte“ zum Schutz der Kinder.

Unerwünschte Auswirkungen

Hier schon mal eine Übersicht einiger dieser unerwünschten Auswirkungen:

  • Das Pyrethrum, worin die Netze getränkt werden und über Monate Moskitos fern halten soll, ist nach dem ersten Fischfang weg.
  • Die Moskitonetze sammeln Jungfische, Larven und Embryonen und zerstören die Grundlage der Nahrungskette.
  • Die professionellen Fischer (alles Männer) verzeichnen eine wesentliche Abnahme der Menge an ausgewachsenen Fischen. Wohl ein seltenes Beispiel von „Chancenungleichheit“ in der umgekehrten Richtung?
  • Der Schutz gegen Malaria ist fast gleich Null.
  • Die Nutzung der Mittel gegen Malaria bleibt unverhältnismäßig hoch. Es entwickeln sich Resistenzen, die weltweit immer schwieriger zu kontrollieren sind.
  • Die „Hilfsindustrie“ macht großartige Umsätze in einem Fass ohne Boden. Und alle Agenturen, von den internationalen Hilfsorganisationen bis zur kleinen, freiwilligen NGO, setzen ihre Arbeit mit einem unerschütterlichen Glauben an ihre Heilsmission fort.
  • Die Armut und das Unwissen sind endemisch, denn sie saugen immer breitere Bevölkerungsschichten auf. Und all dies entspricht einem strategischen Entwurf, der gewährleisten soll, dass 1% der Weltbevölkerung so viel Reichtum anhäufen, wie die restlichen 99% (d.h. 6,9 Milliarden Menschen, inklusive dir und mir).
  • Die Gewissen von 7 Milliarden Menschen sind betäubt von den überzeugenden Bildern pummeliger Kleinkinder, die glückselig unter dem Schutz eines glitzernden Moskitonetzes schlafen.


Übersetzung aus dem Italienischen von Milena Rampoldi, ProMosaik

Kategorien: Afrika, Fotoreportagen, Gesundheit, Kultur und Medien, Ökologie und Umwelt, Wirtschaft
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