Entwickeln wir uns als menschliche Wesen oder nicht?

13.05.2016 - Buenos Aires, Argentinien - Víctor Piccininni

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Griechisch verfügbar.

Entwickeln wir uns als menschliche Wesen oder nicht?
Victor Piccininni bei einem Vortrag im Studien- und Reflexionspark Chapadmalal

Ein kurzer Blick auf die aktuelle soziale Situation stürzt die meisten Menschen in eine Strudel der Empörung. Schreckensnachrichten überfluten die Massenmedien. Flüchtlingskrise, Hungersnöte in vielen Teilen der Erde, unsensible Politik, unmenschliche Kriege von Regierungen angezettelt, die Bedrohung eines atomaren Angriffs und andere ähnliche Nachrichten konkurrieren tagtäglich um die Titelseiten. Wir sind dieser Bombardierung 24 Stunden am Tag ausgesetzt.

Aus dieser vergiftetet geistigen Atmosphäre heraus fragt man sich: Entwickelt sich die menschliche Gesellschaft oder scheint es eher, dass im Laufe der Zeit Gewalt und Leid immer mehr zunehmen?

Viele Menschen wissen nicht, was sie dazu sagen sollen. Andere wiederum haben eine schnelle Antwort parat: „Ja, wir entwickeln uns, die menschliche Gesellschaft entwickelt sich… Dies sind alles Krisen, die schnell vorübergehen werden.“

Nichtsdestotrotz fühlen einige oder andere, wenn sie auf die entwürdigende soziale Situation in der Welt blicken, eine seltsame innere Regung, die nicht gänzlich mit ihrer eigenen Überzeugung übereinstimmt. Es ist, als ob ihre Körper und Herzen bezweifelten, was sie so tief und hoffnungsvoll in der Seele glauben. Warum gibt es diese leicht ambivalente Regung?

Es gibt sicher viele Gründe dafür. Einen möchte ich hier beleuchten: Mentale Kontamination generiert durch die Massenmedien.

Wir leben tagtäglich in einer mentalen Atmosphäre, die durch eine Art von Information verseucht wird, die nur Nachrichten von Gewalt und Leid zeigt, Geschichten, die negativ auf uns einwirken. Ereignisse oder Aktionen, die Leid und Gewalt aller Art entgegenwirken, werden nicht oder nur in geringem Maße gezeigt. Für die Massenmedien, die im Dienste der Wirtschaftsmächte stehen, „verkauft“ sich Gewalt besser als positive und solidarische Nachrichten.

Es gibt eine andere Sichtweise und eine anderen Schwerpunkt auf das, was in der Welt geschieht, der aber heruntergespielt und von den Massenmedien nicht publiziert wird. Neue Ansätze im Bereich Erziehung, die dazu tendieren, alte und überholte Methoden zu transformieren und neue, intellektuelle, emotionale und spirituelle Aspekte bei Kindern zu berücksichtigen, finden überall in der Welt zunehmend Beachtung. Ebenso geht die „neue Medizin“ in eine Richtung, die wissenschaftlichen Fortschritt mit medizinischen Wissen verbindet, das als „alternativ“ bezeichnet wird und im Allgemeinen mit alten Kulturen im Zusammenhang steht. Millionen von Freiwilligen sind auf der ganzen Welt tätig und generieren Projekte zur Humanisierung, um in Zusammenarbeit miteinander spezifische Krisen in jedem Winkel des Planeten zu bewältigen. Es gibt bereits einen großen Zuwachs an unabhängigen Medien, die als Gegengewicht zur von den Massenmedien produzierten „negativen Information“ agieren und Nachrichten von Frieden, Solidarität, Gewaltfreiheit, Wissenschaft im Dienste der Menschheit und Erhaltung und Integration der besten Errungenschaften aller Kulturen verbreiten.

Ein spiritueller Fluss entsteht und wächst, der in tausendfacher, jeweils verschiedenster Art in der Welt Ausdruck findet, aber einer einzigen Intention dient: menschliche Wärme und Empathie in dieser Welt zu fördern. Es gäbe dazu noch unzählige Beispiele. Diese Art von Nachrichten erzeugen eine mentale Atmosphäre, die sehr verschieden ist von der, die wir durch die Massenmedien gewohnt sind.

Zusammengefasst kann man sagen:

  • Gewalt entsteht im Umfeld von militärischer und wirtschaftlicher Macht und wird durch ihre Massenmedien verbreitet.
  • Aktive Gewaltfreiheit und neue Formen von Spiritualität wachsen in den Herzen und Handlungen vieler neuer Gruppen und Menschen.
  • Zwischen diesen beiden Sichtweisen auf die Realität zu unterscheiden, liegt an jedem einzelnen von uns.

Eine Sichtweise verseucht uns mit Pessimismus, die andere infiziert uns mit Hoffnung und erzeugt transformative Handlungen und Solidarität. Diese zwei Sichtweisen auseinanderzuhalten und zu verstehen, wie sie in uns wirken, ist nicht einfach, aber nötig, wenn wir die „mentale Kontamination“, die täglich erzeugt wird, hinter uns lassen wollen.

Ist man erst einmal “dekontaminiert”, so findet sich zur anfänglichen Überlegung, die auch zu diesem Artikel führte, eine substantiellere und positivere Antwort. „Sich selber dekontaminieren“ heißt auch „sich erneuern und ändern“. Und da erscheint auch eine neue Antwort. Eine Antwort, die die Krise zwar anerkennt, aber die Gewalt und menschliches Leid nicht akzeptiert und die nicht vom Pessimismus geprägt ist, mit dem wir bombardiert werden.

Sucht, schätzt und verbreitet die Nachrichten all der neuen und kleinen Dinge, die ständig wachsen. Beobachtet mit Optimismus, Überraschung und Freude die Vielfalt der Formen und Farben, die das, was wir Evolution und Erneuerung nennen, hervorbringen. In den einfachen Worten eines Meisters:

Und deshalb werden die Krisen, die in denen wir uns befinden und die uns in nächster Zukunft noch bevorstehen, trotz des Unglücks, das sie mit sich bringen, dazu dienen, das letzte Stadium unserer menschlichen Vorgeschichte hinter uns zu lassen; und jeder Mensch wird begreifen, ob er in seinem eigenen Leben eine tiefe Erneuerung suchen will oder nicht.

Silo: Denker, Autor und spiritueller Führer (www.silo.net)

Übersetzung aus dem Italienischen von Evelyn Rottengatter

Kategorien: Humanismus und Spiritualität, International, Kultur und Medien, Meinungen
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