starkeFrau: Interview mit der Macherin des Online-Magazins von Frauen für Frauen

30.09.2015 - Leverkusen - Milena Rampoldi

starkeFrau: Interview mit der Macherin des Online-Magazins von Frauen für Frauen

Dieses Interview hält uns den Spiegel vor und sagt, was wir bereits wissen, aber nicht tun. Es soll Frauen anspornen, über ihre Rolle und ihr Selbstbewusstsein nachzudenken. Die Frau ist die treibende Kraft aller Gesellschaften. Somit ist die Frau auch der zentrale Drehpunkt des interreligiösen und interkulturellen Dialogs. Die Frau stiftet auch Frieden durch die Erziehung der Kinder. Nun möchte ich Frau Anna Schulz vom Portal „Die starke Frau“ das Wort geben.

Milena Rampoldi: Wie sind Sie dazu gekommen, ein Newsportal von Frauen für Frauen zu gründen?

Anna Schulz: Mir ist es ein Anliegen, anderen Frauen Mut zu machen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Damals fiel mir auf, dass in den Medien hauptsächlich schlanke, augenscheinlich makellose Frauen gezeigt werden. Dieses Bild einer Frau entspricht nicht der Realität und darauf wollte ich aufmerksam machen. Frauen sind schön, weil sie eben nicht makellos ist. Gibt es überhaupt einen Menschen, der von sich behaupten kann, ohne jeden Makel zu sein? Nein. Den gibt es nicht.

Wir Frauen sollten uns zeigen, wie wir sind. Wir sollten uns nicht mehr an dünnen Magermodels orientieren, nicht mehr danach streben, die ewig perfekte Hausfrau/Mutter/Arbeiterin zu sein. Wir sollten uns nehmen, wie wir sind. Jede Kurve lieben und jede Macke. Denn erst wenn wir uns so annehmen und so lieben lernen wie wir sind, kann unsere wahre Schönheit zum Vorschein kommen.

Welche Hauptziele verfolgen Sie mit Ihrem Portal „Die starke Frau“?

Ich möchte, dass Frauen sich mehr trauen. Heutzutage sagt man, die Frau habe viele Rechte, sei gleichberechtigt mit dem Mann. Das sehe ich anders. Die Frau wird noch viel zu oft instrumentalisiert. Sie wird noch viel zu oft auf ihren Körper reduziert. Fähigkeiten, Charaktereigenschaften und Besonderheiten werden oft übersehen. Deshalb ist es mein Ziel, Frauen eine Stimme zu geben. Themen zu bearbeiten, die Frauen bewegen und interessieren. Unser Motto lautet: Von Frauen, für Frauen.

Vielen Medien für Frauen wird vorgeworfen, sie würden die Frau entmündigen. Wie kann man die Frauenmedien vor der Banalität und Oberflächlichkeit und den Klischees retten, indem man die Frau in ihrer Vielfalt darstellt?

Man muss sich ganz klar distanzieren. Wir wollten uns mit unserem Magazin abheben, in eine völlig neue Richtung gehen. Wir sind echt, nah an der Realität und wirklich darauf bedacht Gutes für die Frauen zu tun. Deshalb distanzieren wir uns ganz bewusst von anderen Medien und arbeiten auch nicht mit ihnen zusammen. Viel zu oft werden, wie Sie oben geschrieben haben, die Frauen in den Medien entmündigt.

Frauen sollten nicht auf ihre Maße oder ihre Schönheit reduziert werden. Man sollte nicht mehr von Stars auf den Magazin-Covern „angesprungen“ werden, deren Schönheit mit der Realität nichts gemein haben. In Wahrheit schauen die Stars nämlich genauso aus, wie die Nachbarin von nebenan. Nur durch die Schminke und eine gute Bildbearbeitung wirkt das Gesicht rein, die Augen erstrahlen und der Körper strotzt vor Straffheit. Dieses Trugbild führt dazu, dass Frauen sich schlecht fühlen und nicht nur das, es führt dazu, dass Frauen sich messen wollen. Wir müssen endlich einsehen, dass wir viel mehr sind als nur Objekte! Frauen sollten gezeigt werden wie sie sind. Denn so sind sie am besten!

Für mich persönlich ist die Frau in allen Kulturen und Religionen die treibende Kraft der Gesellschaft. Wie können Frauenportale interkulturell

Wir Frauen müssen unser Können und unser Potential erkennen. Wir müssen zusammenhalten. Unabhängig davon, aus welchem Land wir stammen oder welcher Religion wir angehören. Wir sollten uns die Hand reichen und gemeinsam stark sein. Wenn wir das schaffen, werden die Medien das merken und darauf reagieren.

Frauenportale sollten sich auch mit den Frauenrechten und vor allem mit den Verstößen gegen die Frauenrechte befassen. Wie sehen Sie das?

Ich denke, das Thema ist sehr wichtig, wird aber noch nicht so gut angenommen. Wir sind also noch nicht so weit. Wissen Sie was fehlt? Die Einsicht der meisten Frauen. Sie haben noch nicht gesehen, dass ihre Rechte verletzt werden. Ihnen ist noch nicht aufgefallen, wie oft sie tatsächlich noch unterdrückt werden. Ich habe mit Bekannten über dieses Thema gesprochen, deren Meinung war, dass die Frauen mindestens gleichberechtigt sind. Das sehe ich anders. Solange immer noch jede Reklametafel mit halb nackten Frauen geschmückt wird, sind wir nicht mal ansatzweise gleichberechtigt. Solange wir nicht das gleiche Gehalt bekommen wie Männer in unserer Position und auch als Mutter nicht die gleichen Chancen auf einen Job haben wie Männer, können wir nicht mal an Gleichberechtigung denken. Außerdem sollte die Arbeit der Hausfrau und Mutter auch als Arbeit angesehen und nicht ständig kleingeredet werden. Viele Frauen führen zuhause ihr eigenes kleines Familienunternehmen, und das sollte anerkannt werden! Ich glaube der Begriff wird einfach falsch definiert und die Augen sind verschlossen. Dagegen sollten wir aber etwas tun.

Wenn es um Frauenrechte geht, ist es auch wieder wichtig interkulturell und interreligiös zu arbeiten. Denn ich denke, dass die Frauen dieser Welt ähnliche Probleme haben und das Verletzen ihrer Rechte sich national und international gar nicht groß unterscheidet. Viele Frauen im Ausland werden unterdrückt, in ihrer Bildung eingeschränkt und auch oft misshandelt. In Deutschland aber ist die Lage vieler Frauen dieselbe. Das wird leider unter den Tisch gekehrt.

Mehr berichten. Darüber berichten, was wirklich auf dieser Welt passiert. Aufklären alleine reicht jedoch nicht, man sollte auch Lösungsansätze bieten können. Was können wir tun, um gemeinsam die Situation zu ändern? Das ist jetzt groß gedacht, fangen wir kleiner an:

Was führt zu Frieden? Oder besser gesagt was führt zum Krieg?

Die Menschen lernen einander nicht mehr kennen. Sie sind nur auf ihr eigenes Wohl bedacht. Wir werden zu einer Generation von Egoisten erzogen (durch Medien, etc). Dabei steckt in jedem einzelnen von uns so viel Gutes. Das muss hervorgehoben werden. Ich denke, wir müssen lernen, wie wir einander kennen lernen. Welche Besonderheiten jede einzelne Kultur hat, was wir voneinander lernen können. Und wenn es nur darum geht Rezepte aus verschiedenen Ländern auszutauschen, einen Dialog mit Frauen unterschiedlicher Religionen zu führen. So etwas führt uns zusammen und was uns zusammen führt ist die Liebe. Und Liebe bedeutet Frieden.

Ich habe viele Frauen erreicht, die mir ein positives Feedback gegeben haben. Ich habe Frauen getroffen und kennengelernt, die mein Leben bereichern und mir so viel Freundschaft entgegen bringen, obwohl wir uns privat nicht kennen. Ich durfte Geschichten hören, die mich weinen und lachen ließen, Menschen lassen mich an ihrem Leben teilhaben. Das ist großartig. Mein Ziel ist es, noch mehr Frauen zu erreichen und noch mehr Inhalte und Themen veröffentlichen zu können, die den Frauen wirklich am Herzen liegen. Mein Ziel ist es, ein Magazin zu führen welches es schafft, die Damen von den „Massenmedien“ wegzubekommen und ihnen ein gutes und neues Gefühl gibt. Ich hoffe, dass noch viele Frauen mir ihre Geschichte erzählen und wir gemeinsam, Hand in Hand, ein Stück mehr zu uns stehen und gerne Frau sein können!

Kategorien: Europa, Interviews, Menschenrechte
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