Eine Stimme für die Menschen in Sierra Leone

18.11.2014 - Reto Thumiger

Dieser Artikel ist auch auf Englisch verfügbar.

Eine Stimme für die Menschen in Sierra Leone
Schulbetrieb bevor Ebola (Bild von Reto Thumiger)

Freunde von mir leben in Sierra Leone. Um genau zu sein, handelt es sich quasi um meine zweite Familie, meine afrikanische Familie: Edmond Kombe und seine Tante Imelda Mansaray. Imelda hat dank eines Stipendiums ihren Doktor in Italien gemacht und kehrte nach 7 Jahren wieder in die Hauptstadt Freetown zurück, um als Dozentin am Freetown Teachers College zu unterrichten. Daneben hat sie in dem Stadtteil, in dem sie lebt, eine Grundschule gegründet, die von ihrem Neffen Edmond geleitet wird.

Barraca y nuevo edificio

Sie haben diese Schule selbst aufgebaut, mit eigenem Geld und der Unterstützung der Eltern. Weder das Bildungsministerium noch eine NGO hat sie bei der Finanzierung unterstützt. Wer die Verhältnisse in Afrika und die Situation der Entwicklungsprojekte nur ein bisschen kennt, weiß was für eine außergewöhnliche Leistung das ist.

Immer, wenn etwas Geld zur Verfügung steht, bauen sie an dem neuen Schulgebäude weiter. Das Erdgeschoss ist fertig und wird bereits für den Unterricht genutzt. Auch der Bau der zweiten Etage kommt gut voran. Mittlerweile muss man sagen, dass er bis zu diesem Sommer gut vorankam. Jetzt steht alles still. Nicht nur die Bauarbeiten, sondern auch die Schule – einfach alles.

Natürlich mache ich mir Sorgen um sie, und zum Glück geht es der ganzen Familie gut. Gut heißt in diesem Fall, dass sie „nur“ mit den üblichen Schwierigkeiten, wie beispielsweise Malariaanfällen, zu kämpfen haben, bis jetzt aber persönlich von Ebola verschont geblieben sind. Doch die sozialen „Nebenwirkungen“ von Ebola sind auch so für einen Bewohner eines der ärmsten Länder der Welt hart genug. Sierra Leone kämpft immer noch mit den Folgen des Bürgerkriegs, der vor ungefähr 12 Jahren endete. Nach schwierigem politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbau hatte die Wirtschaft gerade ein wenig Fahrt aufgenommen. Egal, wie sich die Situation noch weiter entwickelt, es ist bereits jetzt ein großer Rückschlag für das Land und die Menschen, die es bewohnen.

Ich bat Edmond ein paar Zeilen darüber zu schicken, was sich in Freetown abspielt. Der internationale Fokus liegt ja mehr auf Liberia, und die Bewohner kommen sowieso so gut wie gar nicht zu Wort. Dies ist daher mein etwas verzweifelter Versuch, den Menschen in den betroffenen Ländern ein Sprachrohr zur Verfügung zu stellen:

Ebola bedroht das Land wirklich als Ganzes. Es befindet sich immer noch im Ausnahmezustand, keine öffentlichen Versammlungen finden statt, die meisten Firmen sind geschlossen, die Banken funktionieren nur sehr eingeschränkt, es gibt keinen Unterricht, auch nicht an den Hochschulen.

Alle 14 Bezirke stehen unter Quarantäne und es ist nicht erlaubt, diese zu verlassen. Das hat bereits zu großer wirtschaftlicher Not geführt.

Wenn jemand stirbt, holen die Bestattungs-Teams den Leichnam erst nach 3-4 Tagen ab. Es wird behauptet, sie wollen so ihren Job sichern. Sie bekommen 500.000 Leones (ca. 100 Euro) pro Woche, das ist viel Geld hier in Sierra Leone.

Wir haben mehrere Schüler und einige ihrer Eltern verloren. Der Präsident möchte für seine 3. Amtszeit wiedergewählt werden. Die Menschen sind sehr wütend auf ihn und wollten demonstrieren, deshalb hat er den Ausnahmezustand verschärft. Wir werden teilweise vom Militär regiert. Der Verteidigungsminister ist jetzt verantwortlich für die Ebola-Bekämpfung.

Wie du weißt ist unsere Schule nicht regierungsunterstützt und wir können in dieser Situation nicht mal mehr die Löhne der Lehrer bezahlen.

Dein Bruder
Edmond

Edmond

Kategorien: Afrika, Meinungen
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